Die Energieintensiven Industrien in Deutschland

Appell für einen gesellschaftlichen Konsens für Energie-, Klima- und Industriepolitik

Die Industrie ist auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Industrielle Produktion ist in vielen Bereichen naturgemäß mit einem hohen Energiebedarf verbunden. Energie ist für die Unternehmen ein wesentlicher Kosten- und Wettbewerbsfaktor und entscheidet mit darüber, ob sich Unternehmen mit hiesiger Produktion im internationalen Wettbewerb behaupten können.​​

EID-Kernbotschaften

  1. Die energieintensiven Industrien sind auf eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen.
    Viele der Anlagen laufen rund um die Uhr, deshalb ist für eine wettbewerbsfähige Produktion eine stabile Grundlastversorgung entscheidend.​
  2. Tragende Säulen der aktuellen Grundlast sind Kohle und Kernkraft
    Wenn sich die Bundesregierung endgültig dazu entschließt, die Laufzeitverlängerung zurückzunehmen, ist ein gleichwertiger Ersatz für den Ausfall der Grundlastversorgung erforderlich. Denkbar wäre momentan am ehesten ein zusätzlicher Aufbau von Kohlekraft-Kapazität.
  3. 3. Ein schneller Ausstieg aus der Kernenegie hätte gravierende Auswirkungen auf das erst im letzten Herbst von der Bundesregierung verabschiedeten Energiekonzept. Dieses müsste völlig neu konzipiert werden.

Die Industrie ist auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Industrielle Produktion ist in vielen Bereichen naturgemäß mit einem hohen Energiebedarf verbunden. Energie ist für die Unternehmen ein wesentlicher Kosten- und Wettbewerbsfaktor und entscheidet mit darüber, ob sich Unternehmen mit hiesiger Produktion im internationalen Wettbewerb behaupten können.

Die aktuellen Entscheidungen der Bundesregierung, die Laufzeitverlängerung für drei Monate auszusetzen, um Sicherheitsprüfungen an den Reaktoren durchzuführen und die Energiepolitik in Deutschland und Europa neu zu überdenken, sind angesichts der Ereignisse in Japan sehr weitreichend, aber vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Diskussion nachvollziehbar. Die Energiewirtschaft wird die notwendigen Vorbereitungen treffen müssen. Politik und Industrie werden die politischen und wirtschaftlichen Folgewirkungen zu bedenken und zu gestalten haben. Dies wird notwendigerweise beinhalten müssen, Grundlaststrom auch nach dem vorgesehenen Umbau sicher, sauber und zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen zu können, um die elementaren Funktionen der modernen Industriegesellschaft zu erhalten.

Gerade für das Industrieland Deutschland und dessen im globalen Wettbewerb stehende energieintensive Industrien ist eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung unabdingbar, damit sie weiterhin in Deutschland produzieren, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland garantieren und mit ihren hier entwickelten und hier gefertigten Produkten maßgebliche Beiträge zum Klimaschutz leisten können. Wettbewerbsfähige Industriestrompreise waren und sind für die energieintensiven Industrien niemals wichtiger als heute.

Deutschlands Industrie weist eine weitgehend intakte komplette Wertschöpfungskette auf und stellt so Energietechnologien auf höchstem internationalem Niveau her und ist in vielen Bereichen Weltmarktführer. Der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung ist mit 30 % existentiell für alle Lebensbereiche der modernen Industriegesellschaft. Ohne die Industrie - einschließlich hochwertiger Dienstleistung - ist die angestrebte Energiewende nicht zu realisieren. Die deutsche Industrie bietet bereits heute ein breites Spektrum an Technologien für den Klimaschutz und insbesondere auch für die Erneuerbaren Energien, die ohne die Produkte der energieintensiven Industrien nicht vorstellbar wären. Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass die Industrie in Deutschland, flankiert von politischen Maßnahmen zur Krisenbewältigung, uns erneut auf einen Wachstumspfad gebracht hat, der Wohlstand und sozialen Frieden sichert.

Wenn die Energiewende umgesetzt werden soll, braucht Deutschland einen gesellschaftlichen Energie- und Klimakonsens, der die Industrie mit einbezieht. Dies schließt ein Austarieren aller Nachhaltigkeitsparameter von Ökonomie, Ökologie und Sozialem ein. Wenn man aus dem für eine Industrienation wie Deutschland notwendigen Energiemix ein Element wie die Kernenergie herausnimmt, müssen die damit aufgeworfenen Fragen der Versorgungssicherheit, CO2-Relevanz und Bezahlbarkeit beantwortet werden.

Es muss darauf geachtet werden, dass sich der bereits existierende Nachteil bei den industriellen Strompreisen bei einem Vorangehen Deutschlands in Europa nicht noch erheblich verschärft. Da erneuerbare Energien kurz- bis mittelfristig keinen grundlastfähigen Strom erzeugen können und ausreichende Energiespeicher fehlen, sind daher andere grundlastfähige Stromerzeugungsarten zumindest als Brückentechnologie erforderlich, wie insbesondere saubere und moderne Kohlekraftwerke. Dazu müssen die in den vergangenen Jahren zunehmend restriktiven Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung auf Kohlebasis, von lokalen Widerständen bis hin zur Verteuerung des CO2-Ausstoßes, erheblich verbessert werden.

Der für alle Energieformen notwendige Ausbau der Netze muss vorangetrieben werden. Dies erfordert ein aktives Eintreten für die Akzeptanz von Großprojekten und Infrastruktur. Anders werden die Planungen und die Umsetzung von Kraftwerksbauten und das Ziehen von Stromtrassen quer durch die Republik nicht möglich sein. Eine schnelle Antwort „Raus aus der Kernenergie und rein in die Erneuerbaren“ ohne die daraus folgenden Konsequenzen anzusprechen, springt als Lösung für eine Energiewende zu kurz.

Die energieintensiven Industrien erwarten langfristig belastbare Antworten, die faktengestützt sind und einem Realitätscheck standhalten. Nur so können Vertrauen und gleichzeitig Investitionssicherheit und der Erhalt des Industriestandortes Deutschlands erreicht werden. Dies alles setzt einen Dialog voraus, damit eine Verständigung zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über den notwendigen neuen Energiekonsens fest verankert werden kann.

Die Kompetenz der heimischen energieintensiven Industrie für Energie- und Ressourceneffizienz und den Erhalt der Wertschöpfungskette als wesentliches Element auch unseres erfolgreichen Exportes darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Das ist ordnungspolitisch grundlegend und erklärt sich nicht zuletzt aus der Verantwortung für Industriearbeitsplätze.

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens für Klima-, Energie- und Industriepolitik.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Jörg Rothermel

E-Mail: rothermel@vci.de