EU-Emissionshandel-Studie von BUND und Germanwatch

Unternehmen haben nicht von Krise „profitiert“

Eine vom BUND und Germanwatch vorgestellte Studie zu angeblichen Profiteuren des EU-Emissionshandels verschweigt wichtige Zusammenhänge. Dadurch wird die Debatte über den Emissionshandel verzerrt.

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Hintergrund

Am 8. November 2011 haben BUND und Germanwatch in Berlin eine Studie mit dem Titel „Der Klimagoldesel: Wer sind die Gewinner des EU-Emissionshandels?“ vorgestellt. Darin wird dargestellt, dass einige deutsche Unternehmen im EU-Emissionshandel zwischen 2008 und 2010 einen erheblichen Überschuss an Zertifikaten erwirtschaftet haben. Es wurde kritisch angemerkt, dass dieser Überschuss die Funktion des Emissionshandelssystems außer Kraft setze und die Industrie subventioniert werde. Außerdem könnten die Klimaschutzziele durch die Mitnahmemöglichkeit der überschüssigen Zertifikate in die dritte Handelsperiode ab 2013 nicht mehr erreicht werden.

Wie funktioniert das Emissionshandelssystem?

Die EU hat mit dem EU-Emissionshandel als einzige Region in der Welt 2005 einen Klimaschutzfahrplan festgelegt. Die Umsetzung erfolgt, indem die erlaubten CO2-Emmissionen pro Handelsperiode bis 2020 fortwährend reduziert werden. Die Zahl der verfügbaren Zertifikate nimmt daher ebenfalls ab. Damit haben Industrie und Energiewirtschaft in der EU als einzige Region in der Welt ein absolutes Minderungsziel bei Treibhausgasen. Das System stellt sicher, dass die Reduktionsziele für den Klimaschutz erreicht werden.
Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu erhalten, werden die Zertifikate in den beiden ersten Handelsperioden größtenteils kostenlos an die Industrie verteilt. Die Menge der verteilten Zertifikate orientiert sich bisher an den historischen Emissionen und künftig an den historischen Produktionszahlen und berücksichtigt nicht ein Produktionswachstum.
Der EU-Emissionshandel ist so angelegt, dass Unternehmen, die mehr Emissionen ausstoßen als sie Zertifikate besitzen, diese zukaufen müssen. Diese zusätzlichen Zertifikate können nur von Unternehmen gekauft werden, die einen „Überschuss“ an Zertifikaten haben. Das System funktioniert also nur dann, wenn es Unternehmen gibt, die einen Überschuss an Zertifikaten haben und diese an Unternehmen mit Mangel an Zertifikaten verkaufen können.
Zu wenige Zertifikate haben die Unternehmen entweder, wenn deren Anlageneffizienz geringer ist, als bei der Zuteilung von kostenlosen Zertifikaten zugrunde gelegt wurde oder wenn sie mehr produzieren, als in der Basisperiode festgelegt. Einen Überschuss generieren die Unternehmen im umgekehrten Falle, die entweder effizienter sind oder weniger produzieren.

Wie sind die „Überschüsse“ bei den Zertifikaten in dem Betrachtungszeitraum 2008 bis 2010 entstanden?

Der Hauptgrund für den geringeren Bedarf an Zertifikaten ergibt sich aus der Wirtschaftskrise. In 2008 und 2009 verzeichneten die Unternehmen enorme Produktionseinbußen. Das führte dazu, dass auch deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen worden sind, als in der historischen Vergleichsperiode. Dies belegt die deutsche Treibhausgasbilanz. Insofern entstand bei einigen Unternehmen, vor allem der energieintensiven Grundstoffindustrie, ein Überschuss an Zertifikaten. Andere Unternehmen hatten aber immer noch zu wenige Zertifikate. Diese sind jedoch in der Studie nicht gegengerechnet worden.
Wenn Unternehmen überschüssige Zertifikate verkauft haben, stehen solche Einnahmen in keinem Verhältnis zu den Umsatz- und Gewinnrückgängen, die die Unternehmen infolge der Wirtschaftskrise hinzunehmen hatten.

Haben die Überschüsse Auswirkungen auf die Klimaschutzzielsetzungen in der nächsten Handelsperiode?

Es ist richtig, dass die überschüssigen Zertifikate aus der jetzigen Handelsperiode in die dritte Handelsperiode überführt werden können. Dies ist bewusst von der EU festgelegt worden. So soll verhindert werden, dass das gesamte Handelssystem am Ende der zweiten Handelsperiode wieder einbricht, wie dies nach der ersten Handelsperiode der Fall war.
Die Übertragung in die nächste Handelsperiode, das so genannte „Banking“ hat jedoch keinerlei Einfluss auf den Klimaschutzfahrplan der EU. Der Klimaschutz wird ausschließlich über die Gesamtmenge (Deckel) der zur Verfügung gestellten Zertifikate gesteuert (diese liegen 2020 um 21 % unter den Mengen von 2005) und hat nichts damit zu tun, wie unterhalb des Deckels die Zertifikate verteilt werden. Entscheidend ist, die CO2-Emissionen für Europa werden reduziert.

Hat der Überschuss an Zertifikaten eine negative Auswirkung auf andere?

Es wurde auch der Vorwurf erhoben, dass dem Überschuss in der Industrie eine Benachteiligung des Energiesektors gegenüberstehe, der die damit verbundenen Kosten auf den Verbraucher über den Strom abwälze. Tatsache ist, dass bereits von Beginn des Emissionshandels an die vollen Zertifikatekosten in die Strompreise nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten eingepreist wurden, unabhängig davon, wie viele Zertifikate die Versorger kostenlos erhalten hatten oder nicht. Insofern kann sich aus dem Zertifikateüberschuss bei der Industrie kein Nachteil für den Energiesektor ergeben.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Jörg Rothermel

E-Mail: rothermel@vci.de