Studie zur Elektromobilität

Automobilzulieferer müssen sich anpassen

Was wird aus der deutschen Zuliefererbranche für Verbrennungsmotoren, wenn die Automobilität elektrischer wird? Antworten auf diese Frage gibt eine Studie des VCI-Fachverbands Giesserei-Chemie (IVG) unter der Leitung von Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).

2030 werden rund 30 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland für E-Fahrzeuge erfolgen. - Foto: © Hans F. Daniel
2030 werden rund 30 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland für E-Fahrzeuge erfolgen. - Foto: © Hans F. Daniel

2030 werden laut der Studie rund 30 Prozent der Neuzulassungen für E-Fahrzeuge erfolgen, falls es bis dahin eine flächendeckend ausgebaute Lade-Infrastruktur geben wird. Das wäre ein jährlicher Absatz von rund 900.000 Pkw. Insgesamt würden dann rund 6 Millionen Elektro-Pkw auf deutschen Straßen fahren. Das Produktionsvolumen für Verbrennerfahrzeuge von 3,2 Millionen Fahrzeugen (2016) würde auf 2,4 Millionen sinken.

„E-Mobilität wird sich durchsetzen mit gravierenden Folgen für die Automobilindustrie und die im IVG assoziierten Unternehmen“, so Studienleiter Bratzel, Direktor des CAM. Der IVG organisiert die führenden Hersteller von Gießereichemikalien in Deutschland, die wichtige Vorlieferanten für die globale Gießereibranche sind. Ein Hauptabsatzmarkt ist die Produktion von Verbrennungsmotoren für die Automobilindustrie.

Aus der Natur: Derzeit setzt die deutsche chemische Industrie rund 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe pro Jahr in ihrer Produktion ein. Das sind rund 13 Prozent aller organischen Rohstoffe. - Quellen: VCI, FNR - Klick auf die Grafik vergrößert sie! - Grafik:
Aus der Natur: Derzeit setzt die deutsche chemische Industrie rund 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe pro Jahr in ihrer Produktion ein. Das sind rund 13 Prozent aller organischen Rohstoffe. - Quellen: VCI, FNR - Klick auf die Grafik vergrößert sie! - Grafik: © VCI

Herausforderung und Chance

Dennoch sind die Studienergebnisse für den Verbandsvorsitzenden Carsten Kuhlgatz kein Schreckensszenario, sondern ein Motivationsschub: „Erstens bedeutet das Ergebnis, dass es 2030 noch über 70 Prozent Verbrennungsmotoren geben wird. Zweitens bieten auch E-Motoren Chancen für uns.“ Um diese zu nutzen, sind die Automobilzulieferer gut beraten, entsprechende Anpassungs- und Transformationsstrategien vorzubereiten. Zum Ersten wären Optionen einer technologischen Kompetenzerweiterung denkbar, wie etwa Komponenten der Elektromobilität. Das können zum Beispiel Lösungen zur Befestigung der Akkus sein, die ein wichtiges Sicherheitsbauteil darstellen, weil sie nicht brennbar sind. Zum Zweiten böten sich Strategien der Branchendiversifizierung jenseits der Autoindustrie an, um den Handlungskorridor zu erweitern. Zum Dritten könnten Unternehmen erwägen, die Wertschöpfungstiefe und -breite im Bereich des Verbrennungsmotors zu erhöhen und damit zu den Konsolidierungsgewinnern zu zählen.

„Zu viel Zeit sollten sich die Unternehmen angesichts der enormen Anforderungen für die Umsetzung derartiger Transformationsstrategien aber nicht lassen“, rät Studienleiter Bratzel. Denn ohne Zweifel sei mit erheblichen Rückgängen bei Marktanteilen und Umsatzvolumen beim Verbrennungsmotor in Deutschland zu rechnen, auch wenn diese Entwicklung schleichend stattfinde und erst zu Beginn der 2020er-Jahre an Dynamik gewinnen werde.


Dieser Artikel ist im chemie report 05/2018 erschienen. Autorin: Kathrin Becker ( k.becker@chemienord.de )

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Dr. Jörg Rothermel

E-Mail: rothermel@vci.de