Stichwort „Eigenstrom“: 5-teilige Serie zur Bedeutung der Eigenstromversorgung für die deutsche Chemie-Industrie

Teil 5: Ohne Bestandsschutz werden KWK-Ausbauziele nicht erreicht

Bestandsschutz bei Eigenstrom dient Versorgungssicherheit der Chemie

Mehrbelastung würgt eine in Deutschland als ökologisch vorteilhaft erachtete Technologie ab © Bigstock
Mehrbelastung würgt eine in Deutschland als ökologisch vorteilhaft erachtete Technologie ab © Bigstock

Für die Eigenstromerzeugung und den weiteren Bestandsschutz sprechen zahlreiche Gründe. Die Eigenerzeugung ist aufgrund von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) hocheffizient und trägt somit zu Klimaschutz und Ressourceneffizienz bei. Diese Erkenntnis wird auch von der Bundesregierung und von Nichtregierungsorganisationen geteilt.

Die industrielle Eigenstromversorgung über Kraft-Wärme-Kopplung trägt zum KWK-Ausbauziel der Bundesregierung bei. Dieses hat sie zwar im gerade aktualisierten KWK-Gesetz etwas abgeschwächt, aber doch grundsätzlich beibehalten. Demnach soll bis 2020 ein Viertel der thermischen Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung kommen. Dieses Ziel wäre bei einer Belastung der Bestandsanlagen bedroht, da Anlagen aufgrund der Kostensteigerung stillgelegt werden könnten.

Wird die Mehrbelastung tatsächlich Realität, würgt die EU eine in Deutschland als ökologisch vorteilhaft erachtete Technologie ab. Wichtig ist auch die Versorgungssicherheit: Der Beitrag konventioneller, auf fossilen Brennstoffen basierender Kraftwerke ist besonders für industrielle Prozesse noch über hinweg Jahrzehnte unverzichtbar. Der Bestandsschutz für Altanlagen ist deshalb wichtig. Neue Anlagen müssen schon heute EEG-Umlage zahlen (bis 2017 40 % der Umlage). Dadurch lohnen sich neue Investitionen vielfach nicht mehr. Es muss aber wenigstens der Bestandsschutz für die bestehenden Eigenstrom-Kraftwerke erhalten bleiben, um die Versorgungssicherheit an den deutschen Chemiestandorten zu gewährleisten.

Nicht zuletzt hat die Belastung von Eigenstrom gerade bei Bestandsanlagen auch eine politische Komponente: Sie wäre ein sehr negatives Signal mit Auswirkungen auf das Investitionsklima. Bei Bestandsanlagen würde der Vertrauensschutz für Unternehmen beschädigt. Dieser Vertrauensschutz ist ein wichtiger Bestandteil des Koalitionsvertrags von 2013, der nicht einfach über Bord geworfen werden darf.

Aus diesen Gründen dürfen die Eigenstrom-Anlagen der Industrie auch ab 2018 nicht stärker belastet werden. Nur dann kann Eigenstrom über das KWK-Ausbauziel auch zur Energiewende beitragen.

Hier finden Sie die anderen Teile zu unserer Eigenstrom-Serie: