Stichwort „Eigenstrom“: 5-teilige Serie zur Bedeutung der Eigenstromversorgung für die deutsche Chemie-Industrie

Teil 4: Die Folgen einer stärkeren Belastung von Eigenstrom

Die EU möchte die deutschen Eigenstromanlagen ab 2018 stärker mit der EEG-Umlage belasten. Das hätte massive Auswirkungen auf deren Wirtschaftlichkeit. 

Werden die EU-Pläne Wirklichkeit, vergrößert sich die Energiepreis-Schere zwischen deutschen Unternehmen und ihren internationalen Wettbewerbern weiter. © Bigstock
Werden die EU-Pläne Wirklichkeit, vergrößert sich die Energiepreis-Schere zwischen deutschen Unternehmen und ihren internationalen Wettbewerbern weiter. © Bigstock

Teil 4 der 5-teiligen Serie zur Bedeutung der Eigenstromversorgung für die deutsche Chemie-Industrie: Die EU plant, Anlagen zur Eigenerzeugung von Strom ab 2018 stärker mit der EEG-Umlage zu belasten.

Ein Ende des noch geltenden Bestandsschutzes für Eigenstrom (Befreiung von der EEG-Umlage für bereits bestehende Anlagen) würde sich allerdings gravierend auswirken.

Energieeffiziente Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), wie sie in der chemischen Industrie betrieben werden, würden durch die geplanten Verschärfungen an Wirtschaftlichkeit einbüßen. Schon heute arbeiten viele Anlagen hart an der Wirtschaftlichkeitsgrenze – was auch mit dem hohen Gaspreis zu tun hat. Wenn Bestandsanlagen ab 2018 ein Fünftel der EEG-Umlage zahlen müssten, droht, dass sich ihr Betrieb in vielen Fällen nicht mehr lohnt und eine Trennung von Wärmeerzeugung und Strombezug besser wäre.

Eine solche Belastung hätte eine empfindliche Kostensteigerung zur Folge, sowohl in der Chemie als auch in anderen energieintensiven Branchen wie Stahl und Papier, die ebenfalls ihren Strom selbst erzeugen. Für energieintensive Branchen in Deutschland entstünde dadurch (geplant: 20% der EEG-Umlage, heute etwa 1,25 ct/kWh) eine Zusatzbelastung von mehr als 300 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 130 Millionen Euro auf die deutsche Chemie.

Eine solche Belastung der schon vorhandenen Stromerzeugung würde dazu führen, dass sich die Schere bei den Energiepreisen zwischen den deutschen Firmen und ihren internationalen Konkurrenten weiter vergrößert. Das wäre fatal, denn an deutschen Chemiestandorten werden heute schon weit höhere Energiepreise fällig als zum Beispiel in den USA.

Den Eigenstrom stärker zu belasten könnte zu einer weiteren Verlagerung von Investitionen führen. Schlimmer noch, diese Tendenz würde sich im Laufe der Zeit verstärken: Weil die EEG-Umlage in Deutschland auch in Zukunft durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien kräftig steigen wird, wären deutsche Eigenstromanlagen auch von jedem weiteren Anstieg direkt betroffen. Ihre Wirtschaftlichkeit würde sich immer weiter verschlechtern.

Hier finden Sie die bisher erschienenen und nachfolgenden Teile dieser Serie: