Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer VCI-Landesverband Baden-Württemberg, zur dortigen Landtagswahl

Neue Landesregierung muss für den Chemie-Mittelstand eintreten

„Die Politik muss zeigen, dass sie pro Industrie handelt.“

Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer VCI-Landesverband Baden-Württemberg, fordert nach der dortigen Landtagswahl: „Das EEG muss neu konzipiert werden.“ © VCI Baden-Württemberg
Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer VCI-Landesverband Baden-Württemberg, fordert nach der dortigen Landtagswahl: „Das EEG muss neu konzipiert werden.“ © VCI Baden-Württemberg

Herr Mayer, die Umsätze in der chemischen Industrie in Baden-Württemberg sind bei einer Exportquote von 60 % überwiegend im Ausland generiert. In Ihrem Ausblick auf 2016 sehen Sie wegen der Entwicklung der Weltwirtschaft erhebliche Risiken: Sie gehen davon aus, dass die Umsätze gegenüber 2015 stagnieren werden. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Landtagswahl: Welche Erwartung hat die Chemie Baden-Württemberg an die Politik und die neue Landesregierung?

Die Landesregierung muss für gute Rahmenbedingungen eintreten - damit die Industrie wettbewerbsfähig bleiben kann. Ein Rahmen, der hier im Land gesetzt wird, ist die Bildung. Jugendliche in Baden-Württemberg brauchen eine erstklassige naturwissenschaftliche Bildung. Sie müssen erfahren, wieviel Spaß Naturwissenschaften und Chemie machen. Sie werden sich vielleicht später für einen Beruf bei uns entscheiden - und mithelfen, als gut ausgebildete Mitarbeiter den Standort zu sichern.

Thema Energiewende: Für die Produktion der chemischen Industrie ist besonders im High-Tech Land Baden-Württemberg die sichere Versorgung mit Energie wichtig. Wo genau sehen Sie die Schwerpunkte der Energiepolitik für die kommende Legislaturperiode?

Zahlreiche Unternehmen erzeugen den benötigten Strom selbst - mit hocheffizienten Kraftwärmekopplungsanlagen. Dies hilft der Energiewende und schützt das Klima - und muss auch weiter finanziell entlastet werden, um die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen. Diesbezüglich erwarten wir von der Politik, dass sie im Mittelstandsland Baden-Württemberg für den Chemie-Mittelstand eintritt. Und das auch in Berlin und in Brüssel. Außerdem: Der eingekaufte Strom muss für die Unternehmen wieder besser bezahlbar werden. Auch dafür brauchen wir neue Trassen in das Industrieland Baden-Württemberg. Die Politik muss zeigen, dass sie pro Industrie handelt.

Herr Mayer, in der Energiepolitik hat die Chemie Baden-Württemberg an die Landesregierung appelliert, sich für eine Entlastung der Unternehmen bei der EEG-Umlage einzusetzen. Welche Maßnahmen erwarten Sie hier von einer kommenden Landesregierung?

Unsere meist mittelständischen Unternehmen zahlen die EEG-Umlage voll, nur eine Handvoll ist entlastet. Wenn wir weiter ein erfolgreiches Industrieland bleiben wollen, muss das EE-Gesetz neu konzipiert werden. So wie bisher kann es nicht weitergehen - die internationale Wettbewerbsfähigkeit muss auch die Regierung im Land im Blick haben. Da muss eine Landesregierung für die Belange der Industrie auch einmal Druck machen.