Eindrücke von Tag 4 des Weltklimagipfels

Das Paris-Abkommen ist ein Wirtschaftsvertrag

VCI-Pressereferent Sebastian Kreth schildert seine Eindrücke vom vierten Konferenztag in Bonn - der auch der „Business Day" des Weltklimagipfels war.

Die Iniitative „US Climate Action Center", gestartet von einzelnen US-Bundesstaaten und Städten, trotzt der Ankündigung der US-Regierung, aus dem Paris-Abkommen auszusteigen. - Foto: © VCI/Kreth
Die Iniitative „US Climate Action Center", gestartet von einzelnen US-Bundesstaaten und Städten, trotzt der Ankündigung der US-Regierung, aus dem Paris-Abkommen auszusteigen. - Foto: © VCI/Kreth

Diese These kann man nicht nur deshalb vertreten, weil gestern Business-Tag auf dem Weltklimagipfel war. Sondern weil auch solche Aspekte des Abkommens wie Bewaldung oder Luftqualität, die eher Umweltthemen zu sein scheinen, einen wirtschaftlichen Wert haben. Ein Land kann seinen Wald zum Beispiel als gespeichertes CO2 in seine Klimabilanz einrechnen oder auf seine Abholzung verzichten und dafür von einem Unternehmen in den Industrieländern vergütet werden. Das entspricht nicht der deutschen romantischen Vorstellung vom Wald. Aber ohne diese wirtschaftliche Sicht würde ein Klimaabkommen, dem nun wohl auch alle Länder beigetreten sind, nicht funktionieren.

Alle Länder? Ja, auch die USA.

Denn „We are still in“, wie man an vielen Stellen in Bonn sieht. Die US-Regierung hat zwar angekündigt, aus dem Paris-Abkommen auszusteigen, und einen offiziellen Länderpavillon der USA gibt es in Bonn auch nicht. Dafür haben einzelne US-Bundestaaten und Städte die Initiative „US Climate Action Center“ gestartet, die sie heute in futuristischen Domen in Bonn vorstellten, in eindeutig amerikanischen Ausmaßen. "It‘s huge - it’s the greatest Bonn COP23 pavilion in the world."

Diskussion um die künftige Energiepolitik in den USA: In einzelnen Staaten sind die erneuerbaren Energien durchaus auf dem Vormarsch, obwohl die US-Regierung erwägt, Steuervorteile dafür zu streichen. - Foto:
Diskussion um die künftige Energiepolitik in den USA: In einzelnen Staaten sind die erneuerbaren Energien durchaus auf dem Vormarsch, obwohl die US-Regierung erwägt, Steuervorteile dafür zu streichen. - Foto: © VCI/Kreth

Die Diskussionen darin belegen, dass die Welt sich auch in den USA weiterdreht. So berichtet eine Vertreterin der Investmentfirma Berkshire Hathaway, dass erneuerbare Energien auch in Staaten des mittleren Westens wie Iowa auf dem Vormarsch sind und „King Coal“ überflügeln. Allerdings könnten Projekte scheitern, wenn die US-Regierung die Uhr zurückdreht und Steuervorteile für Wind und Sonne streicht.

In Europa fragen sich Unternehmensvertreter dagegen eher, wie weit man die Uhr beim Klimaschutz nach vorne stellen kann, ohne dass Teile der Wirtschaft auf der Strecke bleiben. Das geht gerade energieintensiven Firmen so, ob sie Wacker, BASF oder ThyssenKrupp heißen. Aber auch einem Technologiekonzern wie Bosch, der viel geringere Energiekosten hat. Den Unternehmen ist gemeinsam, dass sie in den vergangenen Jahren Energieverschwendung abgeschafft, Mitarbeiter geschult und Anlagen optimiert haben. Sie können deshalb viel bessere Klimastatistiken vorweisen. Der Vertreter von Bosch gibt aber zu: Weil die Produktion gleichzeitig stark gestiegen ist, ging der Ausstoß von Treibhausgasen insgesamt nicht runter. Vielen ist klar, dass relative Verbesserungen angesichts von Paris und sinkender Mengen an Emissionshandels-Zertifikaten nicht mehr anschlussfähig sind. Die Firmen werben daher dafür, dass man stärker auf die Leistungen der Produkte schaut.

Jorge Soto vom Weltchemieverband ICCA (links) machte deutlich, dass Chemieprodukte in zunehmendem Maß mehr Treibhausgasemissionen einsparen als sie in ihrer Produktion verursachen. - Foto:
Jorge Soto vom Weltchemieverband ICCA (links) machte deutlich, dass Chemieprodukte in zunehmendem Maß mehr Treibhausgasemissionen einsparen als sie in ihrer Produktion verursachen. - Foto: © VCI/Kreth

Dazu hat der Weltchemieverband in den letzten Jahren mehrere Studien vorgestellt, die alle belegen: Die Industrie hat unvermeidliche CO2-Emissionen, ja. Aber die Produkte vermeiden außerhalb des Werks schon heute doppelt so viel CO2 wie sie im Werk verursachen. Laut Verbandschef Jorge Soto wird sich diese Bilanz in Zukunft noch verbessern. „Improving our handprint“ nennt er das.

Immer wieder kommt auch die Frage auf, wie die Welt von 2050 gestaltet werden kann. Bewahrheiten sich die Prognosen des Weltklimarats, dürfen Volkwirtschaften dann nur noch kleine Mengen CO2 verursachen. Wer diese ausstoßen darf, ob Grundstoffindustrien wie die Chemie oder die Landwirtschaft, ist aber schon heute Streitthema.

Klimaexperte Otmar Edenhofer (links) erwog die Frage, ob energieintensive Industrien künftig großtechnische Verfahren der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) zum Umgang mit Restemissionen nutzen sollten. - Foto:
Klimaexperte Otmar Edenhofer (links) erwog die Frage, ob energieintensive Industrien künftig großtechnische Verfahren der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) zum Umgang mit Restemissionen nutzen sollten. - Foto: © VCI/Kreth

Der bekannte Klimaexperte Otmar Edenhofer gesteht den energieintensiven Industrien zu, dass sie irgendwann CCS einsetzen müssen, um mit ihren Restemissionen umzugehen. Er sieht dafür auch eine Chance, wenn die Risikokommunikation bei Themen wie CCS besser wird.

Beobachtung am Rande: Diesel speist die Notstromaggregate und Parkscheinwerfer auf dem Gelände der COP23. - Foto:
Beobachtung am Rande: Diesel speist die Notstromaggregate und Parkscheinwerfer auf dem Gelände der COP23. - Foto: © VCI/Kreth

Die Klimakonferenz selbst ist übrigens auch noch nicht dekarbonisiert: Sowohl die Notstromaggregate als auch die Parkscheinwerfer werden offenbar mit Diesel betrieben. Die Veranstalter haben ihre eigene Antwort zu der Frage, ob Deutschland heute schon auf fossile Energieträger verzichten kann.

Hinweis:
Alle Blog-Beiträge des VCI zur COP23 finden Sie auf: www.vci.de/cop23 .

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Sebastian Kreth

E-Mail: kreth@vci.de