Eindrücke von Tag 3 des Weltklimagipfels

Insel Europa

VCI-Pressereferent Sebastian Kreth berichtet über einige Highlights des dritten Konferenztags in Bonn. Dabei geht es unter anderem um das Instrument des Emissionshandels in Europa, das letzte Nacht in Trilogverhandlungen in Brüssel diskutiert wurde: Wie könnte daraus ein globales System werden und welche Ansätze gibt es dafür?

„Emissionshandel goes global" - der Weg dahin dürfte noch schwierig werden, wie VCI-COP23-Blogger Sebastian Kreth in seinem Beitrag erläutert. - Foto: © BMUB/Dominik Ketz
„Emissionshandel goes global" - der Weg dahin dürfte noch schwierig werden, wie VCI-COP23-Blogger Sebastian Kreth in seinem Beitrag erläutert. - Foto: © BMUB/Dominik Ketz

Trotz der Schwarmintelligenz tausender gut informierter Besucher in Bonn haben die wichtigsten Gespräche zum Thema Klimaschutz wohl in Brüssel stattgefunden. Dazu zählt nicht nur der Trilog zum Emissionshandel letzte Nacht. Sondern auch das Treffen zwischen EU-Klimakommissar Cañete und dem kalifornischen Gouverneur Brown am Dienstag, in dem die beiden über gemeinsame Strategien zum Klimaschutz diskutierten :

Was wäre, wenn daraus ein Zertifikatehandel zwischen der EU und Kalifornien entstünde? Immerhin wäre der US-Bundesstaat als sechsgrößte Volkswirtschaft der Welt ein wichtiger Partner auf dem Weg zu einem globalen System. Europa stünde nicht mehr als einsame Insel da.

Allerdings ist es nicht einfach, die weltweiten Strategien für die Emissionssenkung untereinander kompatibel zu machen, wie auch eine Diskussion dazu in Bonn ergab.

Reduktion von Treibhausgasen in Japan: Das System dort und in einigen Schwellenländern arbeitet nicht mit Zertifikaten, sondern mit einem Quotensystem für CO2-freie Stromerzeugung - Foto:
Reduktion von Treibhausgasen in Japan: Das System dort und in einigen Schwellenländern arbeitet nicht mit Zertifikaten, sondern mit einem Quotensystem für CO2-freie Stromerzeugung - Foto: © VCI/Kreth

Denn die Systeme dafür sind unterschiedlicher als Steckdosen. So hat Japan zwar eine Art Emissionshandel mit verschiedenen Schwellenländern wie Indonesien gestartet. Das dortige System ist aber ganz anders aufgebaut als das der EU und arbeitet nicht mit Zertifikaten, sondern mit einem Quotensystem für CO2-freie Stromerzeugung. In Kolumbien dagegen werden flüssige fossile Rohstoffe bepreist, Kohle folgt irgendwann später. Und in Australien können bestimmte Firmen CO2-Minderungs-„Verträge“ beim Staat kaufen, verpflichtend ist die Teilnahme aber nicht. All das zeigt, dass die EU mit ihrem Emissionshandel anderen Regionen voraus war und immer noch ist. Und dass die Suche nach einem Adapter für all die Steckdosenarten schwierig wird.

Straßenverkehr: Nahezu Stagnation des Energieverbrauchs und damit der Treibhausgas-Emissionen - Foto:
Straßenverkehr: Nahezu Stagnation des Energieverbrauchs und damit der Treibhausgas-Emissionen - Foto: © VCI/Kreth

Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach Lösungen für die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs in Deutschland. Das Bundesverkehrsministerium musste eingestehen, dass die Effizienz von Motoren zwar jedes Jahr um ein Prozent steigt, aber das Verkehrsaufkommen noch viel stärker, so dass auf deutschen Straßen heute nicht weniger Triebhausgase ausgestoßen werden als 1990. Zum Vergleich: Die deutsche Chemie hat ihre Emissionen im gleichen Zeitraum halbiert.

Bernd Kaletta von Lanxess zeigte die Grenzen der Effizienzsteigerung in deutschen Chemieanlagen auf. - Foto:
Bernd Kaletta von Lanxess zeigte die Grenzen der Effizienzsteigerung in deutschen Chemieanlagen auf. - Foto: © VCI/Kreth

Mit dieser positiven Statistik konnte auch Bernd Kaletta von Lanxess für sein Unternehmen aufwarten. Er sagte im Post Tower in Bonn, dass deutsche Chemieanlagen durch viele Investitionen zu den effizientesten weltweit gehörten. Der Wermutstropfen: Die wirksamsten Projekte zur Emissionsminderung seien bereits umgesetzt worden, große Potenziale für weitere Erfolge gebe es eher in anderen Weltregionen. Daher habe sich Lanxess auch kein deutsches nationales Ziel gesetzt, sondern ein konzernübergreifendes globales Ziel. Auch ein Vertreter des Handelskonzerns Metro bestätigte: „Bei Maßnahmen für den Klimaschutz ist es wie mit Liegestützen: Die ersten 20 sind noch leicht, aber dann wird‘s immer schwieriger“. Kaletta warnte übrigens auch vor überhohen CO2-Preisen in Europa, solange Europa eine Insel bleibt und der Rest der Welt nicht mitzieht. Bei einem Preis von zum Beispiel 25 Euro pro Tonne CO2 könnten energieintensive Produktionswerke in Europa nicht mehr mithalten.

Dazu passt: Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese rechnet damit, dass die Emissionshandelsreform, wie sie in Brüssel auf dem Tisch liegt, zu einem Zertifikatepreis von 25 Euro führen könnte.

Polyphonie der Stimmen: Künstlerische Installation auf dem Gelände der COP23 - Foto:
Polyphonie der Stimmen: Künstlerische Installation auf dem Gelände der COP23 - Foto: © VCI/Kreth

Da bleibt einem nur Ironie. Oder aber Idealismus. Beide Extreme hat ein Kölner Theater mit seiner Schildersammlung in der Nähe des COP23-Geländes anschaulich gemacht. Wer hier seine Meinung nicht wiederfindet, muss ein notorischer Ja-Sager sein.

Hinweis:
Alle Blog-Beiträge des VCI zur COP23 finden Sie auf: www.vci.de/cop23 .

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Sebastian Kreth

E-Mail: kreth@vci.de