Eindrücke von Tag 1 des Weltklimagipfels

Bula zusammen!

VCI-Pressereferent Sebastian Kreth schildert seine Eindrücke vom ersten Konferenztag in Bonn.

Bula?? Talanoa?? Auf dem Weltklimagipfel erhält man nebenbei einen Schnellkurs in Fidschi. - Foto: © VCI/Kreth
Bula?? Talanoa?? Auf dem Weltklimagipfel erhält man nebenbei einen Schnellkurs in Fidschi. - Foto: © VCI/Kreth

Auf dem Weltklimagipfel erhält man nebenbei einen Schnellkurs in Fidschi. Neben der Grußformel „Bula“ gehört auch „talanoa“ zum Grundwortschatz, das in etwa „Ideen tauschen“ und „Lösungen finden“ bedeutet. Zumindest den ersten Aspekt deckte die Eröffnung des gleichnamigen „Talanoa Space“ ab: Bundesumweltministerin Hendricks diskutierte mit Fidschis Landwirtschaftsminister Seruiratu und anderen hochrangigen Experten.

Bundesumweltministerin Hendricks in der Diskussion mit Fidschis Landwirtschaftsminister Seruiratu. - Foto: © VCI/Kreth

Interessant war die Diskussion, weil hier doch Welten aufeinander prallen. Während die Vertreter des globalen Südens ihre Sorgen vor einem steigenden Meeresspiegel ausdrücken und Unterstützung von den Industrieländern erhoffen, diskutieren diese eher über eigene Themen. So forderte Christiane Averbeck von der Klimaallianz Deutschland Barbara Hendricks zu einem definitiven Aus für die deutsche Kohle auf. Die Noch-Ministerin konnte sich das vorstellen, beispielsweise über das Modell von Reststrommengen wie beim Atomausstieg, wies aber gleichzeitig auf das Ziel der Emissionsfreiheit bis Mitte des Jahrhunderts hin. Holger Lösch vom BDI griff diesen Punkt auf: „Wir haben es mit langfristigen Zielen zu tun.“ Statt überstürzter Handlungen plädierte er für einen „intelligenten Handlungspfad“ im Klimaschutz.

VCI-COP23-Blogger Sebastian Kreth im Testmodus. - Foto: © VCI/Kreth

Viele Staaten haben Pavillons in Bonn eingerichtet, auf denen sie dem Besucher nahebringen wollen, wie sie dem Klimawandel begegnen. Den besten Einblick in die Realität vor Ort gewinnt man aber – durch virtuelle Realität. Auf dem EU-Stand probieren wir eine Datenbrille aus, die uns in die Südsee versetzt. Dort berichten uns Fischer über ihre Erfahrungen. Auch das ist Talanoa, hier besser übersetzt mit „Realitäten tauschen“.

Um auf für Deutschland ungewohntes Terrain zu gelangen, reicht aber auch ein Besuch bei einem Forum zu CCS. Diese Technologie ist hierzulande in Verruf geraten und wird politisch eher totgeschwiegen. In Norwegen ist die Abscheidung und Speicherung von CO2 aber fast schon Staatsräson, zumindest ein ernstes Forschungsthema. Schon heute existieren mehrere große Pilotprojekte, darunter die die größte Anlage für CO2-Umwandlung weltweit. Bis 2022 möchte Norwegen eine vollständige CCS-Kette etabliert haben. Und man überlegt sich, eine CO2-„Autobahn“ zu bauen, um das Treibhausgas aus anderen europäischen Staaten aufzunehmen und einzulagern. Eine norwegische Gewerkschaftsvertreterin macht sich gar dafür stark, Norwegen zu einer „CO2-Importnation“ zu machen. Ihr Argument: CCS sei eine Zukunftstechnologie, durch die eventuell wegfallende Arbeitsplätze in der Mineralölindustrie durchaus ersetzt werden könnten. Ein Vertreter der Zementindustrie sekundiert, dass ohne CCS eine Dekarbonisierung seiner energieintensiven Branche unmöglich sei. Industrielle Prozesse ließen sich optimieren, aber häufig nicht vollständig treibhausgasneutral betreiben.

Heute steht die erste Veranstaltung mit Chemie-Bezug auf dem Plan. Der Titel: “Future-oriented chemistry“. Ab 12 Uhr auf dem EU-Pavillon, Raum Brüssel; weitere Details über den hier unterlegten Link :

Gemeinsame Veranstaltung der Chemiebranche am Dienstag, 7. November 2017
Gemeinsame Veranstaltung der Chemiebranche am Dienstag, 7. November 2017 © EuCheMS

Übrigens könnte es sein, dass man sich „talanoa“ länger merken muss: Der sogenannte „facilitative dialogue“, in dem die Klimaziele der Staaten unter die Lupe genommen werden, könnte gerüchtehalber in „Talanoa dialogue“ umbenannt werden. Ob das abei hilft, dass alle großen Emittenten bei der Lösungssuche mitmachen?

Hinweis:
Alle Blog-Beiträge des VCI zur COP23 finden Sie auf: www.vci.de/cop23 .

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Sebastian Kreth

E-Mail: kreth@vci.de