Neustart nach Corona

Wenn ich gefragt werde, wie es der deutschen Chemie- und Pharmabranche derzeitig geht, antworte ich: Andere Branchen hat es schlimmer getroffen, wir kommen da durch. Und dass wir stolz darauf sind, mit unseren Produkten zur akuten Krisenbewältigung beizutragen. Chemie und Pharma helfen! Unsere Branche ist systemrelevant – für die Nothilfe und für die gesamte Lösung der Krise. Aber ich frage auch: Wie lange können wir unsere Rolle als Problemlöser noch so gut wahrnehmen?

VCI-Präsident Christian Kullmann. - Foto © Evonik Industries AG
VCI-Präsident Christian Kullmann. - Foto © Evonik Industries AG

Die Chemie: Innovationsmotor und Problemlöser

Für unsere im Wettbewerb stehende Branche ist entscheidend, wie sie nach der Corona-Pandemie aus den Startlöchern kommt. Wichtige Zukunftsprojekte wie die Impfstoffentwicklung oder die nachhaltige Transformation der Wirtschaft dürfen nicht erschwert oder gar konterkariert werden. Zusätzliche Gängelung darf es nicht geben. In dieser schweren Krise dürfen uns nicht noch mehr Lasten aufgebürdet oder neue unrealistische Ziele verkündet werden. Was uns von vielen anderen in der jetzigen Situation unterscheidet: Wir stellen nicht einfach nur Forderungen, sondern wir geben mit diesem Politikbrief konkrete Empfehlungen, wie wir schnell neuen Wachstumswind unter die Flügel unserer gesamten Wirtschaft bekommen. Die Chemie kann dazu einen nachhaltigen Beitrag als Innovationsmotor und Problemlöser leisten.

Kräfte entfalten – Klimaschutz und Nachhaltigkeit voranbringen

Wir stehen auch trotz Corona zu unserem Wort: Das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 wird unsere Branche konsequent weiterverfolgen. Doch eins muss klar sein: Wir brauchen dazu große Mengen an erneuerbarem Strom zu einem günstigen Preis. Eine Herkulesaufgabe, die wir mit dem Projekt Chemistry4Climate konstruktiv unterstützen. Hierzu sind neben vernünftiger Gesetzgebung erhebliche Investitionen unserer Branche in neue Technologien erforderlich. Am Klimaschutz ausgerichtete Post- Corona-Konjunktur- und Investitionsprogramme, die längerfristig ausgelegt sind, wären auch für die chemische Industrie hilfreich. Diese müssen nun intelligent mit den Maßnahmen für eine kurzfristig wirtschaftliche Erholung verknüpft werden. Was wir brauchen, sind echte Nachhaltigkeitsstrategien – und keine Projekte, die sich rein an der ökologischen Komponente orientieren. Echte Nachhaltigkeit, wie wir sie seit Jahren in unserer Initiative Chemie³ vorantreiben, sollte die Grundlage sowohl für den Neustart in Deutschland als auch für einen europaweiten „Sustainable Future Deal“ sein. Lassen Sie uns darüber sprechen!

Dieser Beitrag ist Teil des VCI-Politikbriefs spezial „Neustart nach Corona" (Mai 2020).

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Jenni Glaser

E-Mail: glaser@vci.de