Gastbeitrag der ECHA zum Thema „Vorbereitung auf den Registrierungstermin 2018“

REACH-Tipps und Hilfen aus Helsinki

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat im Juni 2016 ihren zweiten Sachstandsbericht zur Umsetzung der REACH- und CLP-Verordnungen veröffentlicht. Darin werden Fortschritte aller Beteiligten in der Gewährleistung der gebotenen Sicherheit bei Herstellung und Anwendung chemischer Stoffe festgestellt. Der Bericht hebt auch die verbleibenden Herausforderungen hervor. Er benennt besonders die dritte Registrierungsfrist zum 31. Mai 2018 als Gradmesser für die erfolgreiche Umsetzung der REACH-Gesetzgebung.

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA in Helsinki ist die zentrale Behörde für technisch-administrative und wissenschaftliche Aufgaben im Zusammenhang mit REACH. - Foto: © ECHA / Lauri Rotko
Die Europäische Chemikalienagentur ECHA in Helsinki ist die zentrale Behörde für technisch-administrative und wissenschaftliche Aufgaben im Zusammenhang mit REACH. - Foto: © ECHA / Lauri Rotko

Für Unternehmen und Behörden gilt es, diese Hürde gemeinsam zu bewältigen. Für 2018 wird damit gerechnet, dass mehr Unternehmen mit geringer REACH-Erfahrung Registrierungsdossiers erstellen und einreichen. Die SIEFs werden kleiner sein als zuvor. Individuelle Firmen werden oft nur wenige Substanzen registrieren. Das Risiko besteht, dass einzelne Stoffe mangels Registrierung vom Markt verdrängt werden, und mit ihnen möglicherweise ihre Hersteller. Gemeinsam mit Industrievertretern und nationalen Dienststellen hat ECHA deshalb eine vielfältige Palette an Hilfestellungen ausgearbeitet.

Online-Ratgeber der ECHA

Die Agentur betrachtet das Internet als die wichtigste Plattform, um Informationen und Hilfe zugänglich zu machen. Unter dem Banner „REACH 2018“ hat ECHA eine komplett neu gestaltete Struktur erstellt, die es Unternehmen erlaubt, die für sie wichtigen Hilfen – von erklärenden Texten zu Videos, von ECHA-Leitfäden zu sogenannten Webinaren, einschließlich Links zu den ECHA IT-Tools, usw. – in übersichtlicher Weise aufzufinden. Die Darstellung dieses Materials ist in sieben Phasen chronologisch gegliedert (die siebte ist erst für den Zeitraum nach der Registrierung relevant) und nach Komplexität in drei Stufen unterteilt („erste Schritte“, „Pflichtlektüre“ und „weitere Informationen“). Ein Großteil davon ist in den EU-Amtssprachen, einschließlich der deutschen Sprache, zugänglich. Darüber hinaus gewähren die „ersten Schritte in Bezug auf die EU-Rechtsvorschriften für Chemikalien“ eine Einführung, die weniger erfahrene Firmen als Zielgruppe anspricht. Gerade Unternehmen, die noch wenig Kontakt mit REACH hatten, kann angeraten werden, sich von diesem Informationsmaterial leiten zu lassen. Schritt für Schritt werden Sie durch den Registrierungsprozess geführt. Der deutsche Helpdesk bietet ergänzend eigene Leitfäden sowie Ratschläge an, erteilt als primäre Anlaufstelle individuelle Auskünfte und organisiert gezielte Veranstaltungen, um Unternehmen zu helfen.

Im Hinblick auf die Registrierungsfrist 2018 hat die ECHA die für Unternehmen bereitgestellten IT-Tools (IUCLID, REACH-IT und Chesar) nach eingehender Analyse des Anwenderverhaltens überarbeitet und im Laufe des Sommers online verfügbar gemacht. Das neue Format erleichtert insbesondere Nutzern, die nur selten von ihnen Gebrauch machen, merkbar die Arbeit. Die Software kann leichter installiert werden und ist intuitiver in der Anwendung. Der Gebrauch der IT-Tools wird in Anleitungen („Manuals“) erläutert; ab Januar 2017 werden in REACH-IT eingebettete Hilfstexte auch in deutscher Sprache zur Verfügung stehen. Gleichzeitig erlaubt das neue Format, die Einhaltung des OSOR-Prinzips („one substance – one registration“) besser zu gewährleisten und manifest unzulängliche Dossiers „a limine“ zurückzuweisen. Diese Neuerung steht im

Einklang mit einer Durchführungsverordnung zu REACH, die die EU-Kommission im Januar in Kraft gesetzt hat, um notorischen Unzulänglichkeiten nicht zuletzt mit Blick auf mögliche Benachteiligungen von KMUs entgegenzuwirken.

Mittelständler sind gefordert

Gerade KMU werden als angehende Registrierende oft in bestehende SIEF-Verträge eintreten müssen, deren Bedingungen sie möglicherweise als unangemessen einengend empfinden. Die Durchführungsverordnung hat deshalb der Vertragsfreiheit Grenzen gesetzt und Prinzipien wie auch Regeln erstellt, die zur fairen, transparenten und nicht-diskriminierenden Daten- und Kostenteilung beitragen. ECHA steht Firmen gegebenenfalls auch mit einem Streitbeilegungsverfahren zur Seite. Machen Sie davon Gebrauch, sofern Sie vorher alles Ihnen Zumutbare unternommen haben, vom Dateneigner die für Ihre Registrierung notwendige Information zu erhalten.

Als registrierungspflichtiges Unternehmen benötigen Sie auch Informationen aus Datensätzen, die Ihnen nachgeschaltete Anwender zur Verfügung stellen. ECHA macht Information zur Kommunikation in der Lieferkette auf einer ebenfalls neugestalteten Webseite verfügbar. Ein interaktives Infogramm macht nützliche Elemente zugänglich . Diese Webseite wird laufend ausgeweitet.

Der eingangs erwähnte ECHA-Bericht betont, dass die Qualität der bisher eingereichten Registrierungsdossiers oft nicht den Anforderungen der Gesetzgebung entspricht. Unternehmen sollten dies im eigenen Interesse beachten. Mängel können nämlich Nachbesserungsaufträge von ECHA auslösen; sie können die Behörden, die eigentlich ihre Eingriffe zur Beschränkung erkannter Risiken auf gefährliche Stoffe konzentrieren wollen, möglicherweise „auf die falsche Fährte“ lenken; sie können letztlich Eigenschaften eines Stoffes verschleiern, deren Kenntnis zur Einschätzung ihres Marktwerts von Vorteil wäre.

ECHA gibt Registrierenden Mittel an die Hand, die Qualität ihrer eigenen Dossiers vor der Eingabe selbst zu überprüfen (siehe Erläuterungen, „wie Sie Ihr Antragsdossier verbessern können“ ). Hervorzuheben sind dazu auch die Hilfestellungen, die für die vierte Phase des REACH 2018-Informationspaketes veröffentlicht wurden („Ermitteln Sie schädliche Wirkungen und beurteilen Sie die Risiken“). Letztlich empfiehlt es sich, zudem zu prüfen, ob die Empfehlungen der jährlichen Berichte der ECHA zur Bewertung nach REACH (zum Beispiel des Berichts über das Jahr 2015 ) für Ihren Fall relevant sind.

Als Unternehmen werden Sie sich eventuell auch überlegen, die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch zu nehmen, um Ihr Registrierungsdossier zu erstellen. Dabei kann Ihnen die „Checkliste für die Beauftragung eines guten Beraters“ von Nutzen sein.

Am allerwichtigsten ist es aber, Ihre Vorbereitungen für die Registrierung Ihrer chemischen Stoffe nicht auf die lange Bank zu schieben. Die Zeit bis zum Mai 2018 wird zunehmend knapp.

Letztlich kann geraten werden, die „ECHA Weekly“-Mitteilungen zu abonnieren, um sich auf dem Laufenden zu halten. Auch wenn diese bloß in englischer Sprache erscheinen, können Sie davon profitieren. Schließlich ist ECHA auch in den sozialen Medien präsent, sollten Sie diese bevorzugen, um auf den neuesten Stand gebracht zu werden.

Die Autoren dieses Artikels

Christel Musset - Foto:
Christel Musset - Foto: © Markku Ojala
Christel Musset,
Direktorin für Registrierung,
Europäische Chemikalienagentur ECHA
Andreas Herdina - Foto:
Andreas Herdina - Foto: © ECHA
Andreas Herdina,
Direktor für Kooperation und KMU-Botschafter,
Europäische Chemikalienagentur ECHA

ECHA-Hilfen im Internet - ein Überblick


Dieser Artikel ist Bestandteil eines Sonderteils zu REACH und CLP aus dem chemie report 10/2016. Den gesamten Sonderteil im Original-Layout finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite als sogenannten „Ergänzenden Download". Hier geht es zu den weiteren Artikeln im html-Format:

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E-Mail: hanschmidt@vci.de

Dipl.-LMChem. Ulrike Zimmer

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