Endokrine Effekte und endokrine Schädigungen

Über die Regulierung hormonaktiver Chemikalien

Der TV-Sender 3sat hat am am 15. Januar 2015 die Sendung „Umweltgifte und Lobbyismus – Wissenschaft im Dienst von wirtschaftlichen Interessen“ ausgestrahlt. Darin geht es um den Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union zur Regulierung hormonaktiver Chemikalien. In diesem Zusammenhang weist der VCI auf sein Infopapier über hormonaktive Stoffe hin, das die wichtigsten Fragen und Fakten zum Thema erläutert.

Die EU-Kommission erarbeitet derzeit eine Definition und ein Bewertungskonzept mit, dem festgelegt werden soll, welche Chemikalien in Europa künftig als hormonell schädliche Stoffe (so genannte endokrine Disruptoren) zu betrachten sind.

Im gesetzlichen Regelwerk der EU spiegelt sich das Thema schon heute wider. So werden endokrine Disruptoren zum Beispiel in der europäischen Chemikalienverordnung „REACH“ oder auch den EU-Regelungen in den Bereichen Pflanzenschutz, Biozide und kosmetische Mittel aufgegriffen. Bislang geschieht dies aber noch ohne Festlegung, was im Sinne dieser rechtlichen Regelungen ein hormonell schädlicher Stoff ist und was nicht.

Definition und Konzept werden erhebliche Auswirkungen für die chemische Industrie haben, da Stoffe, die als endokrine Disruptoren eingestuft werden, künftig einer Zulassungspflicht oder gar einem Verwendungsverbot unterliegen können.

Der politische Prozess

Im Zuge ihrer Arbeiten hat die EU-Kommission im Juni 2014 eine sogenannte „Road-map“ mit dem Titel

„Defining criteria for identifying Endocrine Disruptors in the context of the imple-mentation of the Plant Protection Product Regulation and Biocidal Products Regulation”

veröffentlicht.

Die Roadmap beinhaltet vier Optionen für mögliche zukünftige Kriterien. Im Rahmen einer öffentlichen Konsultation konnten interessierte Personen, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen aus ganz Europa bis zum 16. Januar 2015 Stellungnahmen einreichen. Für die chemische Industrie haben sich daran der deutsche Chemieverband VCI und der europäische Chemieverband CEFIC beteiligt. Chemieunternehmen konnten ebenfalls teilnehmen.

Die im Rahmen der Konsultation eingereichten Stellungnahmen fließen nun in eine Analyse (Impact Assessment) ein, in dem die Auswirkungen der zukünftigen Kriterien für hormonell schädliche Stoffe bewertet werden sollen. Es ist zu erwarten, dass diese Bewertungsphase bis Ende 2015 dauern wird und 2016 dann auf Basis der Ergebnisse und weiteren Diskussionen konkrete Vorschläge für Kriterien von der Kommission vorgelegt werden.

Positionen und Aktivitäten des VCI

Aus Sicht des VCI ist es wichtig, einen verantwortungsvollen, sicheren und sachgerechten Umgang mit hormonaktiven Stoffen zu gewährleisten. Dafür müssen diese sachlich und fundiert mit einem angemessenen und wirksamen Konzept bewertet werden. Dabei ist zu beachten, dass es um äußerst komplexe Sachverhalte geht. Neben Chemikalien beeinflussen viele andere Faktoren wie beispielsweise Lebensgewohnheiten oder Ernährung den Hormonhaushalt von Mensch und Tier. Das macht es schwer, hormonelle Reaktionen eindeutig einem bestimmten Auslöser zuzuweisen.

Die Definition des Programms für Chemikaliensicherheit (IPCS) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2002 ist allgemein als wissenschaftliche Definition für hormonell schädliche Stoffe akzeptiert. Für eine ausgewogene und sachliche regulatorische Bewertung ist es erforderlich, diese Definition als Basis zu nehmen und darauf aufbauend das Gefährdungspotenzial hormonaktiver Stoffe einzeln zu bewerten.

Die wichtigsten „Fragen und Fakten zu hormonaktiven Chemikalien“ schildert das Überblickspapier des VCI zum Thema.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Michael Lulei

E-Mail: lulei@vci.de