Endokrine Disruptoren

Jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Ab Mitte 2018 werden die neuen Kriterien zur Identifizierung von endokrinen Disruptoren im Rahmen der Pflanzenschutzmittel- und der Biozidverordnung in der EU gelten. Die Europäische Kommission hatte dafür am 15. Juni 2016 Vorschläge vorgelegt. Nach eineinhalb Jahren kontroverser Diskussion zwischen Kommission, Mitgliedstaaten und Europäischem Parlament wurden sie Ende 2017 verabschiedet.

In der EU werden ab Mitte des Jahres die neuen Kriterien zur Identifizierung von hormonell schädlichen Stoffen in Pflanzenschutzmitteln und Bioziden von den Behörden angewendet. - Foto: © Countrypixel/stock.adobe.com
In der EU werden ab Mitte des Jahres die neuen Kriterien zur Identifizierung von hormonell schädlichen Stoffen in Pflanzenschutzmitteln und Bioziden von den Behörden angewendet. - Foto: © Countrypixel/stock.adobe.com

Die neuen Kriterien zur Identifizierung von hormonell schädlichen Stoffen basieren wie von der Industrie gefordert auf der Definition von endokrinen Disruptoren durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auf der Aussagekraft der vorliegenden wissenschaftlichen Daten („weight of evidence“). Allerdings ist die aus Sicht der Industrie praktisch unverzichtbare Berücksichtigung der Wirkstärke („potency“) kein Bestandteil für die Regulierung eines Verdachtstoffes geworden. Es kann deshalb mit den neuen Kriterien nicht unterschieden werden zwischen hormonell aktiven Stoffen, die sicher verwendet werden können, und Stoffen, die schon in geringen Mengen oder Dosierungen eine schädliche Wirkung haben.

Guidance-Dokument in Arbeit

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) arbeiten derzeit an einem „Guidance Document for the Implementation of the Hazard-based Criteria to Identify Endocrine Disruptors“. Industrieexperten hatten hier bereits zu den Vorentwürfen Kommentare eingebracht. Zu dem „final Draft“ wurde eine öffentliche Konsultation durchgeführt, an der der VCI teilgenommen hatte. Der Chemieverband kritisierte unter anderem folgende Punkte:

  • Das Guidance-Dokument muss eine Leitlinie für den Umgang mit den vorhandenen Stoffdaten sein und keine zusätzlichen Daten fordern, die über die Vorgaben der jeweiligen Verordnung hinausgehen.
  • Mit dem Leitfaden darf es nicht zu einer Beweislastumkehr kommen. Die Kriterien sollten lediglich dazu dienen, Stoffe als endokrine Disruptoren zu identifizieren und nicht dazu, das Gegenteil zu beweisen.
  • Die „Weight of Evidence“-Beurteilung sollte keinen Fokus auf einzelne Studien legen, sondern stattdessen eine Gesamtbetrachtung aller vorliegenden Studien vornehmen.

Ein wichtiges Thema für den VCI ist auch die Möglichkeit einer stoffspezifischen Grenzwertsetzung für die sichere Verwendung von endokrinen Disruptoren. Laut dem Guidance-Dokument soll es weiter in der Verantwortung der Industrie liegen, Grenzwerte abzuleiten. Erste Erfahrungen zeigen allerdings Schwierigkeiten bei der Akzeptanz der Grenzwerte durch die Behörden. Dies gilt insbesondere, wenn sie für die sicherere Verwendung von endokrinen Disruptoren im Umweltbereich vorgeschlagen werden.

Das Thema Dosis-Wirkungsbeziehung und die diesbezügliche Ableitung von stoffspezifischen Grenzwerten wird deshalb aktuell in den zuständigen Expertengremien des VCI diskutiert, um Lösungen zu finden.


Dieser Artikel ist im chemie report 04/2018 erschienen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Claudia Drucker

E-Mail: claudia.drucker@vci.de

Dr. Michael Lulei

E-Mail: lulei@vci.de