VCI-Beitrag zu einem sachlichen und objektiven Dialog

Endokrine Disruptoren: Botschaften und Forderungen

Politisch hält die Diskussion um Stoffe mit Wirkung auf das Hormonsystem unvermindert an. Die Europäische Kommission arbeitet an Kriterien für die Bewertung von Substanzen als "endokrine Disruptoren". Das VCI-Positionspapier erklärt die Kernpunkte des Themas und formuliert die zentralen Forderungen der chemischen Industrie: Die WHO-Definition, die Nutzung etablierter Testmethoden und vor allem eine fundierte Risikoabschätzung sollten die Basis für eine solche Bewertung sein.

Hintergrund

Die Europäische Kommission erarbeitet derzeit Kriterien zur Identifizierung von endokrinen Disruptoren für die Biozid- und Pflanzenschutzmittelgesetzgebung. Kriterien für Industriechemikalien werden ebenfalls entwickelt. Anhand dieser Kriterien wird künftig entschieden, ob ein Stoff als endokriner Disruptor betrachtet und gemäß der bestehenden Gesetzgebungen fortan verboten oder beschränkt wird.

Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft sehr intensiv mit Hormonen und hormonwirksamen Chemikalien. Dabei hat sich der Wissensstand enorm vergrößert. Unter Mitwirkung der chemischen Industrie wurden zahlreiche Tests entwickelt, die mittlerweile als etablierte und validierte OECD-Testmethoden vorliegen. Wenn auch noch nicht alle Zusammenhänge geklärt werden konnten, so ist es damit dennoch möglich, Chemikalien auf hormonstörende Wirkungen hin zu untersuchen. Es gibt aber weiterhin keine breit akzeptierten fachlichen Hinweise, dass von hormonwirksamen Chemikalien neue oder bisher unterschätzte Gefahren ausgehen.

Die wesentlichen Anliegen des VCI

  • Sachliche Diskussion führen
    Der VCI begleitet das Thema endokrine Effekte seit Jahren. Basis ist dabei die VCI-Standortbestimmung, in der die Grundlagen zum Thema endokrine Effekte (Definition, Testmethoden, Bewertungskonzepte) verständlich und übersichtlich dargestellt werden. Das wissenschaftliche Fachdokument in englischer Sprache wird regelmäßig aktualisiert.
  • Definition der Weltgesundheitsorganisation verwenden
    Die Definition des Programms für Chemikaliensicherheit (IPCS) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2002 ist allgemein als wissenschaftliche Definition für endokrine Disruptoren akzeptiert. Für eine ausgewogene und sachliche regulatorische Diskussion ist es aus Sicht des VCI nötig, diese wissenschaftliche Definiton als Basis zu nehmen und darauf aufbauend das Gefährdungspotential hormonaktiver Stoffe einzeln zu bewerten. Wichtige Faktoren sind in diesem Zusammenhang die Wirkstärke („Potency“) und die Schwere der ggf. zu beobachtenden Effekte („Severity“).
  • Keine Vorverurteilung von endokrin aktiven Stoffen
    Das Hormonsystem von Mensch und Tier wird von körpereigenen hormonaktiven Stoffen gesteuert. Gegenstand der aktuellen Diskussion ist, ob körperfremde endokrin aktive Stoffe nachteilig in die natürlichen Abläufe eingreifen können. Es ist wichtig, endokrin aktive Substanzen nicht pauschal zu verurteilen, sondern abgestimmte Kriterien und Konzepte zur Identifizierung von endokrinen Disruptoren zu entwickeln.
  • Abgestimmte Kriterien und Bewertungskonzepte notwendig
    Die chemische Industrie beteiligt sich konstruktiv an der Diskussion zu Entscheidungs- und Bewertungsverfahren. Die Bewertungskriterien für endokrine Disruptoren müssen wissenschaftlich basiert und dem Risiko angemessen sein. Ohne dieses Konzept dürfen Stoffe nicht schon vorzeitig als endokrine Disruptoren bewertet werden.
  • Nur eine Kategorie „ED of regulatory concern“ ausreichend
    Von verschiedenen Seiten wird vorgeschlagen, mehrere Kategorien endokriner Disruptoren festzulegen. Aus Sicht des VCI sollte sich jede Regulierung auf die Substanzen beschränken, die unter realistischen Anwendungsbedingungen Schäden verursachen können. Eine darüber hinausgehende Kategorisierung würde lediglich zu einer ungerechtfertigten Stigmatisierung von Stoffen führen und ist nicht zielführend.
Das vollständige Fassung des VCI-Positionspapiers in druckfähiger Fassung finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Claudia Drucker

E-Mail: claudia.drucker@vci.de

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