Klimapolitik

Regional begrenzter Klimaschutz funktioniert nicht

Europa hat sich anspruchsvolle Klimaschutzziele gesetzt. Industriebranchen wie die Chemie leisten ihren Beitrag dazu: über ihre Produkte, die bei den Anwendern Energieeinsparungen ermöglichen, und den europäischen Emissionshandel. Dieser gibt vor, dass die Industrie und Energieerzeuger ihren Treibhausgasausstoß bis 2050 um mehr als 90 Prozent gegenüber 1990 reduzieren werden. Europa kann das globale Problem Klimaschutz aber nicht allein lösen, denn über 90 Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen entstehen außerhalb der EU.

Damit der Klimaschutz auch wirklich wirksam wird, wirbt die Chemiebranche für einen ganzheitlichen Ansatz. © Luiz - Fotolia.com
Damit der Klimaschutz auch wirklich wirksam wird, wirbt die Chemiebranche für einen ganzheitlichen Ansatz. © Luiz - Fotolia.com

Andere Regionen werden starke CO2-Senkungen aber nur vornehmen, wenn dies nicht zu Lasten ihrer wirtschaftlichen Entwicklung geht. Europa muss daher zeigen, dass sich Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander vereinbaren lassen.

Wichtig ist dafür, dass der Klimaschutz in Europa so effizient wie möglich organisiert wird, und dass er international anschlussfähig ist. In Europa werden die Klimaschutzziele für die Energiewirtschaft und die Industrie von der EU vorgegeben, im Rahmen des Emissionsrechtehandels. Der funktioniert so, dass Unternehmen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat vorweisen müssen. Wer zu wenige Zertifikate hat, kann welche von anderen Teilnehmern aus der ganzen EU kaufen. Durch diesen „Marktplatz“ werden Treibhausgase dort vermieden, wo es am effektivsten und günstigsten ist.

Nationale Alleingänge vermeiden

Deutschland hat sich ebenfalls Klimaschutzziele gesetzt, die sogar noch höher sind als die EU-Ziele. Deutschland erfasst mit seinem neuen Klimaschutzplan auch Bereiche wie die Industrie und die Energiewirtschaft, für die es wie gesagt schon Vorgaben der EU gibt. Eine solche doppelte Regulierung ist nicht sinnvoll. Der Emissionshandel garantiert bereits, dass Industrie und Energiewirtschaft ihre Klimaziele auf EU-Ebene sicher erreichen.

Potenziale aller Wirtschaftsbereiche erschließen

Viel sinnvoller ist es, dass Deutschland sich im Klimaschutz auf Bereiche konzentriert, die noch nicht von der EU erfasst sind: Landwirtschaft, Verkehr und private Haushalte verursachen große Mengen Treibhausgase. In diesen Bereichen gibt es noch großes Einsparpotenzial, das mit klugen Maßnahmen auf nationaler Ebene erschlossen werden kann.

Emissionshandel globalisieren

Klimaschutz in der EU ist bezogen auf den Emissionshandelssektor besser als Klimaschutz nur in Deutschland. Das gleiche gilt aber auch global: Ein internationales Klimaschutzregime wie der Emissionshandel wäre noch besser als ein Klimaschutzinstrument nur in der EU. Denn europäische Unternehmen haben durch den Emissionshandel Kosten, die die Konkurrenz in anderen Weltregionen nicht hat. Das ist für die europäische Wirtschaft ein Nachteil im Wettbewerb. Die Gefahr dabei ist, dass immer mehr Investitionen und damit auch die Produktion aus Europa in Regionen mit geringeren Klimaschutzanforderungen abwandern.

Um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und gleichzeitig das Klima zu schützen, müssen deshalb auch Länder außerhalb von Europa einen fairen Beitrag zur Senkung von Treibhausgasen leisten. Ein Weg dahin wäre ein international einheitlicher Emissionshandel, der mehr Klimaschutz und gleiche Spielregeln für alle gewährleistet. Die G20 als Gruppe der 20 wichtigsten Industrie-und Schwellenländer ist das richtige Forum, um ein solches System auf den Weg zu bringen.

Innovationen fördern

Mehr Klimaschutz wird nur mit neuen Produkten und Lösungen gelingen: Der Ausstoß von Treibhausgasen muss in der industriellen Produktion durch neue oder verbesserte Verfahren soweit wie möglich reduziert werden. Den größten Beitrag können aber Produkte leisten, die in ihrer Anwendung zum Klimaschutz beitragen. Die Chemie spielt dabei heute schon eine entscheidend Rolle: zum Beispiel im Elektro- und Hybridantrieb, bei Leichtlaufreifen, Dämmmaterialien und energieeffizienten LED- und OLED-Lichtquellen.

Um die Entwicklung klimafreundliche Lösungen zu beschleunigen, braucht Deutschland eine weitsichtige Innovationspolitik, die die Forschungsanstrengungen der Unternehmen unterstützt und für die Akzeptanz von Innovationen wirbt. Auch in die Grundlagenforschung, zum Beispiel in Speichertechnologien für die Energiewende, muss investiert werden. Für all das sind angemessen finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme notwendig.


Die Chemie- und Pharma-Branche ist überzeugt: Gute und nachhaltige Industriepolitik ist nicht nur für die betroffenen Unternehmen relevant – sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb regen wir einen Diskurs über die industriepolitischen Aspekte der Bundestagswahl am 24. September 2017 an: Mehr auf unserer Seite www.vci.de/btw17