Standpunkt

Innovationsfähigkeit gemeinsam sichern

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind sich einig: Die Forschungsaufwendungen in Deutschland müssen von 3,0 auf 3,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung steigen. Nur so kann unser Land bei Forschung und Innovation mit der Weltspitze Schritt halten. Das erfordert einen gemeinsamen Kraftakt von Staat und Wirtschaft. Die nächste Bundesregierung hat den finanziellen Spielraum, mit einer steuerlichen Förderung die Forschungsintensität der Wirtschaft entscheidend zu steigern.

VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE
VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE

Die Kausalkette ist eindeutig: Wissenschaft, Forschung und Technologien bilden die Grundlage für Innovationen. Und in Industrieländern hängen Wohlstand und Beschäftigung besonders davon ab, ob die Rahmenbedingungen forschungsintensive Produktion und wissensintensive Dienstleistungen unterstützen. Innovationen sind die Voraussetzung, um global wettbewerbsfähig zu sein. Innovative Unternehmen wachsen schneller und sind erfolgreicher. Innovationsführerschaft wird als strategisches Ziel immer wichtiger.

Viele Länder arbeiten intensiv daran, Innovationsprozesse zu beschleunigen. Südkorea, Japan oder auch skandinavische Länder drücken auf‘s Tempo. Sie geben deutlich mehr als drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Forschung aus. Hier hat Deutschland mit Rang acht den Anschluss an die Spitzengruppe verloren.

Unser Land muss seine Bemühungen also verstärken, wenn es bei Forschung und Innovation mit der Weltspitze Schritt halten will. In Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind wir uns einig: Mittelfristig müssen wir dafür die Forschungsaufwendungen von 3,0 auf 3,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung steigern. Dieses Ziel ist ehrgeizig – den Kraftakt können Staat und Wirtschaft nur gemeinsam erbringen.

Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie haben ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Die deutsche Industrie kommt inzwischen für zwei Drittel aller FuE-Ausgaben Deutschlands auf. Dagegen stagnieren die Mittel der öffentlichen Hand. Der Anteil des Staates an der Finanzierung von Projekten in der Industrieforschung ist seit Jahren sogar rückläufig.

Doch um das 3,5-Prozent-Ziel zu erreichen, muss sich auch der Staat stärker engagieren. Mit einer steuerlichen Forschungsförderung kann er die Forschungsintensität der Wirtschaft entscheidend steigern. Er würde unbürokratisch stärkere Innovationsanreize in den Unternehmen setzen. Die steuerliche Förderung ist zudem keine Einbahnstraße – alle Bürger profitieren von gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinnen.

Die nächste Bundesregierung hat den finanziellen Spielraum, diese Weichenstellung vorzunehmen. Die Zukunft unseres Landes hängt davon ab, dass wir innovationsfähig bleiben.

Dr. Kurt Bock,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de

Zum chemie report 09/2017 mit Leitartikel zur Forschungspressekonferenz des VCI vom 23. August 2017

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