So wird Deutschland Innovationsweltmeister

Förderung fokussieren und intensivieren

Wenn es um die Forschungsförderung geht, sollte Deutschland auf die Überholspur wechseln. Der wichtigste Antrieb: steuerliche Anreize für Forschung und grüne Welle für Fördergelder. Dies ist Sache der Politik. Denn der globale Wettbewerb erfordert ein immer höheres Tempo.

Deutschland sollte endlich die längst überfällige steuerliche Forschungsförderung auf den Weg bringen. - Foto: © stockpics - Fotolia.com
Deutschland sollte endlich die längst überfällige steuerliche Forschungsförderung auf den Weg bringen. - Foto: © stockpics - Fotolia.com

Deutschland ist ein starker Innovationsstandort mit neuem Rekord: Denn 2015 hat die deutsche Wirtschaft 62 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert; davon 10,5 Milliarden Euro allein die chemische Industrie. Auch der Staat hat sein Budget deutlich ausgeweitet. Es läuft also gut. Aber nur auf den ersten Blick: Der internationale Wettbewerb nimmt an Schärfe zu. Unternehmen und Standorte sind einem hohen Innovationsdruck ausgesetzt. Wichtige Konkurrenten kommen dabei nicht nur aus den Industrienationen. Auch die Schwellenländer investieren massiv in neue Produkte und Spitzentechnologien. Und sie werden immer schneller darin, moderne Erzeugnisse und technische Neuerungen auf den Markt zu bringen.

Um unseren Forschungsstandort zu stärken, Wachstum anzuregen und die Innovationskraft der Unternehmen zu erhalten, sind mehr Anreize gefragt. Deutschland sollte daher umgehend einen Gang höher schalten und seine gesamtwirtschaftlichen FuE-Investitionen von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,5 Prozent erhöhen. Wie könnte das gelingen?

Endlich eine steuerliche Forschungsförderung einführen

Indem beispielsweise eine steuerliche Forschungsförderung von 10 Prozent auf FuE-Kosten eingeführt wird. Hier sind uns andere Nationen um Längen voraus: Die Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten und die Mehrheit der OECD-Staaten nutzen bereits erfolgreich dieses Element und bauen es sogar aus. Frankreich, die Niederlande und die USA beispielsweise. Die Vorteile: Eine indirekte Förderung über Steuern unterstützt alle Unternehmen, unabhängig davon, ob sie angewandte oder Grundlagenforschung betreiben. Sie ist ohne große Bürokratie umsetzbar, das hilft auch dem Mittelstand. Sie fördert die Kreativität, weil sie themenoffen ist. Auch die Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung plädiert in ihrem Jahresgutachten 2017 für eine steuerliche Forschungsförderung, wenn auch zunächst nur für kleine und mittlere Betriebe. Und auch eine Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie hat gerade erst gezeigt, wie Deutschland von einem solchen Instrument profitieren könnte: Jeder Euro, mit dem Forschung in den Unternehmen gefördert wird, veranlasst die Firmen, zusätzlich 1,25 Euro eigene FuE-Gelder auszugeben. Auch die deutsche Chemie plädiert ergänzend zur Projektförderung für steuerliche Anreize. Ein erster Schritt wäre, die FuE-Personalkosten zu berücksichtigen.

Hightech-Strategie weiterentwickeln

Mit der Fortsetzung der erfolgreichen Hightech-Strategie könnte die Bundesregierung zusätzliche Impulse setzen, um das Spitzenniveau deutscher Forschung zu halten. Das setzt aber ausreichend finanzielle Mittel und Ressourcen für Schlüsseltechnologien wie neue Materialien, Nanotechnologie oder Biotechnologie voraus

Zugang zu staatlichen Fördergeldern vereinfachen

Ein weiterer Schritt zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland: einfachere Antragsverfahren, wenn es um Fördermittel geht. Gerade kleine und mittelständische Betriebe stöhnen hier über komplexe Prozesse. Dabei gäbe es recht einfache Wege, um diese Praxis weniger bürokratisch zu gestalten: Geplante Förderungen könnten früher bekannt gemacht werden, der Aufwand für die Anträge reduziert, der Bewertungsprozess gestrafft und die Bewilligungsprozesse verkürzt werden.

Weitere Vorschläge, um Deutschland zum Innovationsweltmeister zu machen:


Die Chemie- und Pharma-Branche ist überzeugt: Gute und nachhaltige Industriepolitik ist nicht nur für die betroffenen Unternehmen relevant – sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb regen wir einen Diskurs über die industriepolitischen Aspekte der Bundestagswahl am 24. September 2017 an: Mehr auf unserer Seite www.vci.de/btw17