Agrarpolitik

Innovationen für eine moderne Landwirtschaft

Die Weltbevölkerung wächst. Bis 2050 werden schätzungsweise bis zu zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Dadurch steigt der Bedarf an landwirtschaftlichen Rohstoffen. Da die Anbauflächen jedoch begrenzt sind, bleibt nur eins: Die Landwirte müssen auf gleicher Fläche mehr produzieren. Ein Schlüssel dazu sind innovative Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger.

Die globale Landwirtschaft ist auf innovative Lösungen angewiesen, um die wachsende Weltbevölkerung dauerhaft möglichst hochwertig versorgen zu können. © weerapat1003 - Fotolia.com
Die globale Landwirtschaft ist auf innovative Lösungen angewiesen, um die wachsende Weltbevölkerung dauerhaft möglichst hochwertig versorgen zu können. © weerapat1003 - Fotolia.com

Bei wichtigen Kulturpflanzen wie Kartoffeln oder Weizen sind die Erträge in der modernen Landwirtschaft auf gleicher Fläche etwa doppelt so hoch wie im Ökolandbau. Eine komplette Umstellung der deutschen Landwirtschaft auf ökologisch bewirtschaftete Betriebe würde bedeuten, dass die Anbauflächen verdoppelt werden müssten.

Nicht nur Deutschland im Blick haben

Eine solche Ausdehnung der Anbauflächen ist für Deutschland völlig unrealistisch. Daher müsste man bei einer Transformation der Landwirtschaft auf Ökolandbau auf Erntegut aus anderen Ländern und Weltregionen zurückgreifen. Das hätte Folgen für den internationalen Handel mit Agrarrohstoffen: Deutschland würde etwa bei Weizen vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur. Ein Verzicht auf Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel in Deutschland würde bedeuten, dass dem Weltmarkt rund 14 Millionen Tonnen Weizen entzogen werden.

Innovative Lösungen schneller zulassen

Die EU hat das weltweit strengste Regelwerk für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln etabliert. Bei seiner Umsetzung hakt es gerade in Deutschland: Klar definierte Fristen im Zulassungsverfahren wurden von den deutschen Behörden noch nie eingehalten. Dadurch läuft die hiesige Landwirtschaft Gefahr, vom technischen Fortschritt abgekoppelt zu werden. Das deutsche Zulassungssystem sollte daher grundlegend reformiert werden. Eine dem Landwirtschaftsministerium unterstellte Institution sollte politisch unabhängig, wissenschaftlich basiert und nicht weisungsgebunden alle Zulassungsdossiers bewerten. Aktuell sind vier Behörden mit unterschiedlichen Befugnissen beteiligt.

Steigender Aufwand in der Pflanzenschutzentwicklung

Die Kosten für die Entwicklung eines neuen Pflanzenschutzwirkstoffs haben sich in den zurückliegenden 20 Jahren fast verdoppelt. Allein die regulatorischen Kosten haben sich seit 2000 verdreifacht. Hinzu kommt, dass es bis zum Beginn der Produktvermarktung eines neuen Wirkstoffs inzwischen durchschnittlich 11,3 Jahre dauert. Dazu tragen auch realitätsferne Prüfanforderungen bei. Ein Beispiel ist ein vorgesehener Test, der die Wirkung auf Bienen ergründen soll. Für einen einzigen Feldversuch müsste eine Fläche von 448 Quadratkilometern bereitgestellt werden, in der keine andere Nutzung stattfindet. Das entspricht fast zwei Mal der Ausdehnung der Stadt Frankfurt/Main.


Die Chemie- und Pharma-Branche ist überzeugt: Gute und nachhaltige Industriepolitik ist nicht nur für die betroffenen Unternehmen relevant – sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb regen wir einen Diskurs über die industriepolitischen Aspekte der Bundestagswahl am 24. September 2017 an: Mehr auf unserer Seite www.vci.de/btw17