Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2017 - Schwerpunktthema „Innovation"

Kunden ins Zentrum von Geschäftsmodellen rücken

Die 18. Handelsblatt-Jahrestagung Chemie Anfang April in Frankfurt brachte es auf vier Punkte: Die Branche kann ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch mehr Innovationen, größere Kundennähe, Kooperationen mit anderen Branchen sowie Digitalisierung stärken.

Innovationen sind das „A“ und „O“ für eine erfolgreiche Zukunft. Das Bild zeigt Schmierstoffadditive im Test. - Foto: © Evonik Industries AG
Innovationen sind das „A“ und „O“ für eine erfolgreiche Zukunft. Das Bild zeigt Schmierstoffadditive im Test. - Foto: © Evonik Industries AG

Gefragt sind laut Frank Jenner, Leiter des globalen Chemiegeschäfts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, vor allem Lösungspakete von Produkt und Services. Denn die politischen und wirtschaftlichen Rahmendaten ließen auch 2017 ein eher schwieriges Jahr erwarten: Umso wichtiger sei es, bereits heute die Weichen für ein erfolgreiches Morgen zu stellen. Dabei reiche es nicht mehr aus, reine Produktinnovationen auf den Markt zu bringen. Kunden und deren Anforderungen müssten dabei stärker in das Zentrum von Geschäftsmodellen rücken, bekräftigte Jenner vor den rund 100 Teilnehmern des Branchen-Strategietreffens. Zudem verändere auch die Digitalisierung das Nachfrageverhalten der Kunden.

Ähnlich sieht es Peter Nagler, Head of International Innovation bei Evonik. Für ihn sind Innovationen mehr als technologische Neuerungen. Dazu zählten auch Innovationen für Prozesse, Anwendungen, Services sowie für Geschäftsmodelle. Neben den Megatrends Gesundheit/Ernährung, Ressourceneffizienz und Globalisierung sei Nachhaltigkeit ein ebenso wichtiger Treiber wie Veränderungen der Kundenindustrien und des Konsumentenverhaltens. Auf diese Entwicklung müsse Deutschlands drittgrößte Branche reagieren, um weiterhin ein erfolgreicher Global Player zu bleiben. Naglers Empfehlung lautet daher, die Zusammenarbeit mit Start-ups und anderen Industriezweigen zu intensivieren.

Martin Vollmer, Chief Technology Officer bei Clariant, skizzierte drei Forderungen: Die Branche müsse

  • die richtigen Technologien zur Verfügung stellen,
  • die Geschwindigkeit im Innovationsprozess erhöhen und
  • die Zusammenarbeit auch mit unterschiedlichen Partnern stärken.
Mit Blick auf die rasanten Entwicklungen hält es auch Klaus Griesar, Head of ST-IS Science Relations bei Merck, für zwingend notwendig, dass sich die Chemie neu erfindet. Zwar zeigten die Zahlen, dass Deutschland noch zu den führenden Chemie-Forschungsnationen gehöre. Doch Länder wie China oder Indien holten massiv auf.


Von Kommunikation, Kooperation und einer Kultur der Unternehmensgründungen

Um die Gründerkultur in Deutschland ging es auf der Podiumsdebatte im Rahmen der Handelsblatt-Jahrestagung. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass für eine erfolgreiche Start-up-Kultur hierzulande effiziente Wege der Zusammenarbeit gefunden werden müssten und eine intensive Kommunikation zwischen den Partnern notwendig sei.

Aus Sicht eines Start-ups berichtete Adam Kubina, Geschäftsführer von Kemialytics, über die schwierige Kommunikation zu großen Unternehmen. Er beklagte auch, dass man lange nach Investoren aus der Chemie suchen müsse.

Bernhard Mohr, Managing Director Evonik Venture Capital, betonte, dass künftig Start-up-Innovationen alle Industrien dominieren werden. Er prognostizierte, dass Kooperationen mit jungen Unternehmen wegen ihrer häufig disruptiven Innovationen zunehmen werden. Denn Start-ups seien schnell, agil und unkonventionell. Doch gerade bahnbrechende technologische Neuerungen passten nach Auffassung von Philipp Rittershaus vom High-Tech-Gründerfonds der Bundesregierung besonders gut zur Chemieindustrie.

Mervyn Gerarde Maistry, Managing Partner Digital Strategy, Innovation & Digital Transformation bei Ernst & Young, brachte schließlich noch einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: Er hält es für unverzichtbar, dass die Branche bei Projekten nicht nur mit einem einzigen Start-up kooperiere, sondern mit mehreren.


Dieser Artikel erscheint im chemie report 05/2017.

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