Gastbeitrag Bundesforschungsministerin Schavan im chemie report

Wir machen Nanotechnologie sicherer – durch Forschung

Nano ist ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Die Bundesregierung nimmt diese Chancen genauso ernst wie die Sorgen ihrer Bürger. Und verknüpft ihre Fördermaßnahmen mit der Erforschung von Risiken.

Die Nanotechnologie ist längst nicht mehr nur eine Disziplin der Grundlagenforschung. Aus den Zukunftsfantasien der Physiker und Chemiker ist eine handfeste ökonomische Realität geworden. Materialien mit Oberflächenstrukturen im Bereich einiger Milliardstel Meter sind bereits ein Wirtschaftsfaktor mit weitreichenden Auswirkungen. Ohne nanooptimierte Werkstoffe wären viele Produkte aus der chemischen, optischen oder der Elektroindustrie gar nicht mehr konkurrenzfähig. Deutschland ist auf diesem Gebiet besonders stark. In Deutschland hängen bereits heute rund 60.000 Arbeitsplätze in rund 1.000 Unternehmen von der Nanotechnologie ab. Die Tendenz ist steigend. Keine Frage, die Nanotechnik führt Deutschlands Wirtschaft zum Erfolg. Und die Bundesregierung trägt ihren Teil dazu bei. Etwa 400 Millionen Euro gaben wir 2011 für Fördermaßnahmen aus.

Aber gleichzeitig dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, dass in der Bevölkerung auch die Sorgen um Auswirkungen der neuen Materialien auf die Umwelt und vor allem auf die Gesundheit wachsen. Die Bundesregierung nimmt diese Sorgen ebenso ernst wie die wirtschaftlichen Chancen. Wir haben deswegen im Januar 2011 ein ressortübergreifendes Konzept beschlossen, den Aktionsplan Nanotechnologie 2015. Wir verknüpfen darin Forschungsförderung und die Unterstützung von Unternehmen und Gründern mit der Erforschung von Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Insgesamt sind unsere Ausgaben für Risiko- und Begleitforschung zwischen 2006 und 2010 um mehr als 70 Prozent auf 14 Millionen Euro gestiegen.

Der Aktionsplan Nanotechnologie ist an unserer Hightech-Strategie ausgerichtet. Das bedeutet, dass wir Vorhaben fördern, die Lösungen versprechen für die großen gesellschaftlichen Fragen der Zukunft: Klima / Energie, Gesundheit / Ernährung, Mobilität und Kommunikation. Die Nanotechnologie kann hier wichtige Beiträge liefern. Schon heute leistet sie uns wertvolle Dienste, nicht zuletzt in der Medizin. Zum Beispiel hat der Einsatz von Nanopartikeln im Rahmen der therapeutischen Hyperthermie neue Möglichkeiten zur Tumorbekämpfung eröffnet. Aber auch nanoporöse Filter zur Trinkwasseraufbereitung oder keramische Nanobeschichtungen, die als Korrosionsschutz giftige Chrom- und Nickelverbindungen ersetzen, verbessern die Lebensqualität. Kohlenstoff-Nanoröhrchen tragen auch ihren Teil zur Energiewende bei, indem sie deutlich größere und leichtere Rotoren in Windkraftanlagen ermöglichen. Nanostrukturierte Materialien werden auch maßgebliche Beiträge zur Ressourceneffizienz leisten, sei es zum Beispiel durch die Leistungssteigerung von Batterien für die Elektromobilität oder in Zukunft durch den Ersatz seltener Rohstoffe.

Die Bundesregierung wird Deutschlands führende Position in der Nanotechnologie weiter stärken. Zum Aktionsplan gehört aber auch ein intensiver Dialog in der Öffentlichkeit. Denn im Mittelpunkt unserer Technologiepolitik steht der Mensch.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe.

Ihre Annette Schavan

Den Gastbeitrag finden Sie auch im chemie report spezial 9/2012 "Nanotechnologie"