2. Innovationskongress der Friedrich-Naumann-Stiftung

Wie innovationsfit ist Deutschland?

Innovationskraft ist das Gebot der Stunde. Denn Megathemen wie Globalisierung, Digitalisierung und der Klimawandel erzwingen dringend neue Antworten, die nur neue Produkte und Produktionsverfahren bieten können. Vor diesem Hintergrund hat die Friedrich-Naumann- Stiftung Anfang Dezember zu ihrem zweiten Innovationskongress 2018 geladen. In der Podiumsdiskussion zur Frage „Wie innovationsfit ist Deutschland“ war VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann die Stimme der Chemie.

Bei der Podiumsdiskussion stand das Thema Innovationskraft im Mittelpunkt. - Foto: © Andreas Schoelzel
Bei der Podiumsdiskussion stand das Thema Innovationskraft im Mittelpunkt. - Foto: © Andreas Schoelzel

Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, unterstrich in seiner Keynote die fundamentalen Veränderungen, die mit den Megatrends einhergehen. So stelle die von der Europäischen Union postulierte Dekarbonisierung bis 2050 eine riesige Aufgabe dar, die nur durch Innovationen zu meistern sei. Damit diese Innovationen hierzulande entstehen und in marktreife Produkte münden, müsse zunächst der weltweit herrschende „Kampf um die klügsten Köpfe“ gewonnen werden. Dafür brauche es – neben einer hervorragenden Schul- und Hochschulbildung – ein spezifisches Ecosystem: Mehr ins Risiko gehen, experimenteller arbeiten und Hierarchiedenken überwinden, schrieb er der Wirtschaft ins Stammbuch.

In der anschließenden Podiumsdiskussion pflichtete VCI-Hauptgeschäftsführer Tillmann dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister bei, dass Deutschland an seiner Fehlerkultur arbeiten müsse. Tillmann sprach sich dafür aus, dass Forscher in den Unternehmen mehr Freiräume bekommen. Wichtig sei auch, dass unternehmerisches Denken bereits an den Hochschulen im Rahmen der Curricula vermittelt würde.

Darüber hinaus problematisierte er die deutsche Klimapolitik: „Wir brauchen einen Übergang zur CO2-neutralen Gesellschaft, ohne dabei den Kohlenstoff komplett auszugrenzen. Und dazu sind Forschungsanstrengungen von Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten erforderlich.“

Flexible Förderprogramme nötig

Die wichtige Rolle der Unternehmen bei dem Prozess unterstrich auch Eduard Neufeld, Geschäftsführer des Fogra-Forschungsinstituts. Sie wüssten am besten, welche Technologien und Innovationen den notwendigen Erfolg versprechen. Aufgabe des Staates sei es, entsprechend flexibel angelegte Förderprogramme zu bieten.

Ina Schieferdecker, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für offene Kommunikationssysteme FOKUS, betonte, dass der Staat die angemessene digitale Infrastruktur bereitstellen müsse. Dabei gehe es nicht nur um den Breitband-ausbau. Ziel müsse es sein, „urbane Datenräume“ zu schaffen, in denen Informationen von Unternehmen, Behörden und Privatpersonen möglichst in Echtzeit vernetzt werden. Datenschutz sei dabei zu gewährleisten – aus Sicht von Schieferdecker ein Qualitätsmerkmal für Europa.

Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb setzte sich Tillmann dafür ein, die Innovationskraft zu stärken. Dafür brauche Deutschland endlich die steuerliche Forschungsförderung als wichtigen Standortfaktor. Die aktuell vorgesehene Begrenzung der Förderung auf bestimmte Unternehmensgrößen reiche nicht aus. So würden auch weiterhin große Unternehmen ihre Forschungskapazitäten in Ländern ausbauen, die bereits eine steuerliche Forschungsförderung anböten.

Die Politik müsse außerdem unbeabsichtigte Folgen ihres Handelns besser antizipieren: „Bei der Energiewende sind wir in einer Sackgasse angelangt. Die Grundstoffproduktion in Deutschland verliert ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die Grundstoffe in anderen Ländern hergestellt werden, wo die Energiekosten, aber auch die Energieeffizienz niedriger sind, ist für die Klimabilanz nichts gewonnen.“


Hinweis: Zwei der gehaltenen Impulsreferate können im Download-Bereich im Kopf dieser Seite heruntergeladen werden („Ergänzende Downloads"):

  • Zu Panel 1 (Zirkluläre Wirtschaft: Innovationen für Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz): Professor Dr. Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
  • Zu Panel 2 (Die Zukunft der Produktion: Robotik, Künstliche Intelligenz, Blockchain): Professor Dr. Volker Stich, Geschäftsführer des FIR e.V. an der RWTH Aachen


Dieser Artikel ist im chemie report 12/2018 erschienen.

Die Veranstaltung zum Nach-Schauen

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann hier in zwei Teilen nachverfolgt werden:

Teil 1 des Innovationskongresses (10:00 bis 12:00 Uhr) - Copyright: Friedrich-Naumann-Stiftung

Teil 2 des Innovationskongresses (12:15 bis 13:10 Uhr) - Copyright: Friedrich-Naumann-Stiftung

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Ansprechpartner

Simin Chelopaz Amini

E-Mail: amini@berlin.vci.de