Empfehlungen der Branche

So bleibt Deutschland ein Top-Standort

Deutschlands Chemie-, Pharma- und Biotechnologieindustrie steht unter doppeltem Handlungsdruck: Erstens müssen sich die Unternehmen im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten. Zweitens müssen sie ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden. Ihre Forschungsergebnisse sollten möglichst schnell zur Marktreife gebracht werden.

Die Chemie-, Pharma- und Biotechnologieunternehmen tragen mit ihrer Suche nach zukunftsfähigen Innovationen wesentlich zu dem politischen Ziel bei, 3,5 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung zu investieren. Verbesserte Rahmenbedingungen am Standort Deutschland würden das Ihrige dazu tun. - Foto: © harvepino/stock.adobe.com
Die Chemie-, Pharma- und Biotechnologieunternehmen tragen mit ihrer Suche nach zukunftsfähigen Innovationen wesentlich zu dem politischen Ziel bei, 3,5 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung zu investieren. Verbesserte Rahmenbedingungen am Standort Deutschland würden das Ihrige dazu tun. - Foto: © harvepino/stock.adobe.com

Das Ziel, 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist deshalb mehr als richtig – und dringlich. Es ist aber nur zu erreichen, wenn die Politik den passenden Rahmen setzt. Dazu gehören:

Steuerliche Forschungsförderung

Alle forschenden Unternehmen – kleine, mittlere und große – sollten zusätzlich zur Projektförderung eine steuerliche Forschungsförderung in Anspruch nehmen können. Diese muss hinreichend budgetiert sein, um die Forschungsanstrengungen der Wirtschaft substanziell zu steigern. Um eine praxisgerechte Umsetzung zu gewährleisten, sollten spezialisierte Fachabteilungen in den Finanzbehörden damit betraut werden.

Innovationsstrategie

Deutschlands Innovationspolitik sollte ressortübergreifend angelegt und mit der Hightech-Strategie 2025 gekoppelt werden. Förderprogramme sind ausreichend und verlässlich zu finanzieren. Immer wieder versanden ambitionierte und wichtige Projekte – so geht beispielsweise der staatliche Finanzierungsanteil bei der Energieforschung sukzessive zurück.

EU-Forschungsrahmenprogramm

Für den Zeitraum 2021 bis 2027 will die EU das 9. EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe“ finanziell gut ausstatten. Neben der wichtigen Förderung der Digitalisierung sowie von Schlüsseltechnologien wie Bio- und Nanotechnologie und Elektromobilität soll ein Innovationsrat eingeführt werden, der innovative Firmen gezielt fördert. Für den Erfolg des Programms wird es entscheidend darauf ankommen, die Expertise der Industrie einzubeziehen.

Rechtsetzung

Bestehende und künftige Gesetzgebungen sollten daraufhin überprüft werden, wie sie sich auf Innovation auswirken. Die entsprechende EU-Reformagenda sollte deshalb konsequent fortentwickelt und umgesetzt werden. Um Innovationspotenziale im Rahmen der Gesetzesfolgenabschätzung zu berücksichtigen und potenzielle Hürden zu identifizieren, sollte die Bundesregierung durch unabhängige wissenschaftliche Gremien beraten werden.

Wagniskapital

In Deutschland gestaltet sich die Finanzierung innovativer Start-ups nach wie vor schwierig. Während Biotechnologieunternehmen in den USA 2018 Risikokapital in Höhe von 17,7 Milliarden Euro zufloss, lag der Betrag in Deutschland bei 0,4 Milliarden. Der Gesetzgeber sollte die Anreize zur Mobilisierung privaten Wagniskapitals verbessern. Mit dem Forum „Startup Chemie“ unterstützt die Chemieindustrie zusammen mit Partnern aus der Start-up-Szene, Wissenschaft und dem Wagniskapitalbereich innovative Unternehmen auf ihrem Weg zur Marktreife.

Geistiges Eigentum

Für hohe Investitionen in oft Jahre dauernde Entwicklungsprozesse und einen entsprechenden Return of Investment sind angemessene Patentverwertungszeiten, die Nutzung von ergänzenden Schutzzertifikaten und der Unterlagenschutz entscheidend.

Kooperationen

Wissenschaft und Industrie sollten möglichst intensiv zusammenarbeiten sowie Verbundprojekte gezielt gefördert und weiterentwickelt werden, insbesondere durch anwendungsorientierte und unbürokratische Ausschreibungen.

Gute Bildung

Naturwissenschaftlich-technischer Unterricht sollte in der Grundschule eingeführt werden und ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen ausmachen. Für eine exzellente Grundlagenforschung sind die Hochschulen besser auszustatten. Zudem sollte die berufliche Weiterbildung ausgebaut werden.

Lösungsorientierung und Zuversicht

Der gesellschaftliche Rückhalt für innovative Produkte und Verfahren – gerade aus der Chemie-, Pharma- und Pflanzenbiotechnologie – nimmt ab. Für ergebnisoffene Diskussionen über die Chancen und Risiken neuer Technologien sind neue Dialogformen und ein innovationsfreundliches Debattenklima nötig.

Innovativer Mittelstand

Die deutsche Chemie ist stark mittelständisch geprägt. Um die Innovationskraft der überwiegend familiengeführten Unternehmen zu stärken, sollte der Mittelstandsbegriff breiter definiert werden: Die Förderung von Forschung und Entwicklung sollte auch größere Unternehmen des produzierenden Gewerbes in Stufen bis 1.000, 2.000 und gegebenenfalls bis 3.000 Mitarbeiter erfassen.


INFO: Die Zukunft gemeinsam angehen

Wesentliche Zukunftsfelder der deutschen Chemie-, Pharma- und Biotechnologieindustrie sind personalisierte Medizin, innovative Materialien, Energieforschung und CO2-Nutzung als Rohstoff sowie zirkuläre Wirtschaft, Bioökonomie und Digitalisierung. Die Unternehmen bringen dafür in erheblichem Umfang Forschungsmittel auf und wollen zusätzliche Förderaufwendungen der öffentlichen Hand überproportional mit eigenen Mitteln hinterlegen. Im Bereich der Innovationsallianzen des Bundesforschungsministeriums wird dies bereits erfolgreich praktiziert.

Dieser Beitrag ist Teil des VCI-Politikbriefs spezial „Zukunft durch Forschung" (Juni 2019).











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Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

E-Mail: klockner@vci.de