Neue FuE-Zielvereinbarung der Bundesregierung

Mehr Forschung und Entwicklung gefordert

Innovationen sind ein wichtiger Wachstumstreiber für Deutschland. Steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) sind hierfür notwendig. Dies bezweifelt inzwischen niemand mehr. Auch die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag ein Bekenntnis zu mehr Forschung bekundet: Der Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt soll bis 2025 auf 3,5 Prozent steigen.

Bereits im Lissabonvertrag war für die EU-Länder ein FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3 Prozent vereinbart worden. Ein Drittel der FuE-Ausgaben sollte dabei der Staat und zwei Drittel die Wirtschaft erbringen. Beide Ziele sind in Deutschland bisher nicht erreicht worden. Der FuE-Anteil am BIP betrug zuletzt 2,93 Prozent. Der Anteil des Staates lag dabei unter der Ein-Drittel-Vereinbarung.

Zur Erreichung des 3,5-Prozent-Ziels wären gegenüber 2015 Mehrausgaben von fast 18 Milliarden Euro notwendig. Allerdings auch nur, wenn das BIP bis dahin konstant bliebe. Da dies realistischerweise nicht der Fall sein wird, werden die zusätzlichen Aufwendungen noch höher liegen. Bei steigendem BIP (Annahme: nominal 2,8 Prozent pro Jahr) wären gegenüber 2015 bereits zusätzliche FuE-Aufwendungen in Höhe von fast 52 Milliarden Euro nötig. Dies wäre eine Steigerung um 4,7 Prozent pro Jahr. Auf die Wirtschaft kämen damit zusätzliche FuE-Aufwendungen von fast 33 Milliarden Euro zu (+ 4,4 Prozent jährlich). Da der Staat noch unter dem vereinbarten Ein-Drittel-Anteil liegt, müssten die staatlichen FuE-Aufwendungen um 5,3 Prozent pro Jahr steigen. Das wären 19 Milliarden Euro mehr als 2015.

Ehrgeiziges Ziel: Um einen höheren Anteil von Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen, sind erhebliche Mehraufwendungen notwendig. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Investitionen genügen nicht. - Klick auf Grafik vergrößert sie! - Grafik:
Ehrgeiziges Ziel: Um einen höheren Anteil von Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen, sind erhebliche Mehraufwendungen notwendig. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Investitionen genügen nicht. - Klick auf Grafik vergrößert sie! - Grafik: © VCI

Hohe Anforderung an die Chemie

Auch für die Chemie- und Pharma-industrie sind die Herausforderungen groß: 2015 haben die Unternehmen der Branche für eigene FuE-Aufwendungen fast 8 Milliarden Euro ausgegeben. Das neue FuE-Ziel würde bis 2025 zusätzliche Ausgaben von 4,2 Milliarden Euro an internen FuE-Budgets erfordern. Dies entspräche einer Steigerung um 4,4 Prozent pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren sind die internen Aufwendungen allerdings nur um 2 Prozent jährlich gestiegen.

Mehr Anreize nötig

Der VCI unterstützt das Bekenntnis zu mehr Forschung und Entwicklung. Allerdings sind zur Zielerreichung zusätzliche Innovationsanreize nötig. Die bisher im Koalitionsvertrag anvisierten Mehrausgaben des Staates für Forschung und Entwicklung genügen bei Weitem nicht, um das neue Ziel zu erreichen. Auch die in Aussicht gestellte steuerliche Forschungsförderung wird durch die Einschränkung auf Personal-aufwendungen von KMU nicht genug zusätzliche Forschungsausgaben bewirken. Für ehrgeizige Ziele sind auch deutlich ehrgeizigere Mittel notwendig.


Dieser Artikel ist im chemie report 04/2018 erschienen.

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