Standpunkt

Integration braucht eine starke Wirtschaft

VCI-Präsident Marijn Dekkers macht deutlich: Eine positive Kultur für Innovationen ist ebenso wie eine gute Energiepolitk ein wichtiger Baustein für eine Wirtschaft, die ihren Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise leisten kann. Die Ausgaben des Gemeinwesens für den Integrationsprozess werden schon im laufenden Jahr sprunghaft steigen. Daher braucht es eine starke Wirtschaft, die eine ausreichende finanzielle Basis für diese zusätzlichen Investitionen schafft.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG

Die Flüchtlingskrise ist ohne Zweifel eine der größten Herausforderungen für Deutschland seit vielen Jahrzehnten – humanitär, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich. Es geht schließlich um die Integration von über einer Million Menschen, die allein 2015 bei uns Zuflucht vor Krieg oder Verfolgung suchten.

Um dies zu ermöglichen, brauchen wir spezielle Bildungsangebote für die Flüchtlinge, die in Deutschland sind und eine gute Bleibeperspektive haben. Das ist besonders wichtig für mehrere hunderttausend junge Menschen, die noch im schulpflichtigen Alter sind. Ohne Anschluss an unser Bildungsniveau werden sie keine gute berufliche Perspektive haben. Deutschland muss deshalb verstärkt in Bildung investieren. Dafür braucht es eine starke Wirtschaft, die eine ausreichende finanzielle Basis für diese zusätzlichen Investitionen schafft.

Herz und Motor der Wirtschaft ist die Industrie. Sie ist nicht nur ökonomisch, sondern auch beschäftigungs- und sozialpolitisch ein unverzichtbarer Eckpfeiler für die Zukunft unseres Landes. Die über acht Millionen Beschäftigten der Industrie erwirtschaften 22 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Insgesamt tragen die Unternehmen mit über 120 Milliarden Euro Steuern im Jahr wesentlich zur Finanzierung des Gemeinwesens bei. Sie schaffen damit eine wichtige Voraussetzung für das Ziel, den Integrationsprozess so effektiv wie möglich zu gestalten. Denn die Ausgaben in Bund, Ländern und Kommunen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise werden schon im laufenden Jahr sprunghaft steigen – nach Berechnungen des IW Köln auf mehr als 25 Milliarden Euro.

Damit die deutsche Industrie weiterhin ihren Wachstumsbeitrag leisten kann, müssen sich die politischen Rahmenbedingungen verbessern. Das betrifft etwa die Energiepolitik: Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gibt es noch immer keine echte Kostenbremse. Insbesondere mittelständische Unternehmen sind davon betroffen. Auch von EU-Seite drohen steigende Energiekosten durch die geplante Reform des Emissionshandels. Hier sind Korrekturen erforderlich – deutlich, wirksam und schnell.

Gute Industriepolitik zielt aber besonders darauf ab, ein stimulierendes Umfeld für Innovationen zu schaffen. Denn Wachstumsträger für die Zukunft sind die forschungsintensiven Branchen. Die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung und eines Wagniskapitalgesetzes sind überfällige Maßnahmen. Mut und Offenheit für Neues sind gefragt, um große Herausforderungen zu meistern. Eine positive Kultur für Innovationen ist ein wichtiger Baustein für eine starke Wirtschaft, die ihren Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise leisten kann.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 04/2016 mit Leitartikel zum parlamentarischen Abend des VCI im März 2016

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