Standpunkt

Innovationskraft – der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit

Der Standort Deutschland ist in Gefahr: Niedrige Energie- und Rohstoffkosten haben anderen Ländern Vorteile verschafft. Die Wertschöpfungsketten im Verbund der deutschen Industrie drohen zu reißen. Um so wichtiger wird es, im Rennen um Innovationsvorsprünge die Nase vorn zu behalten: Der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit des Chemie- und Industriestandorts Deutschland ist seine Innovationskraft. Wirtschaft und Politik müssen sich daher gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Akzeptanz von Innovationen einsetzen.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG

Exportweltmeister, ein hoher Anteil der Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt, ein wachsender Außenhandelsüberschuss – damit lässt sich die Stärke des Chemiestandorts Deutschland gut belegen. Aber diese Stellung zu verteidigen, fällt der chemisch-pharmazeutischen Industrie immer schwerer. Die Gründe dafür liegen in einem ganzen Bündel von wirtschaftlichen und politischen Problemen.

So üben die globalen Strukturveränderungen des Chemiegeschäfts enormen Druck aus. Niedrige Energie- und Rohstoffkosten haben einigen Ländern erhebliche Standortvorteile verschafft. In den USA und im Mittleren Osten sind riesige Produktionskapazitäten für organische Grundstoffe und Polymere entstanden. Wegen des Kostennachteils sind die Produktionsmengen bei Basischemikalien in Deutschland schon deutlich zurückgegangen. Solche negativen Folgen drohen sich über die Wertschöpfungsketten auf den gesamten Produktions- und Innovationsverbund der deutschen Industrie auszubreiten. Bessere energiepolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Vorgaben sind daher unerlässlich. Sie müssen zu wettbewerbsfähigeren Kosten in den Unternehmen führen, um zu verhindern, dass Wertschöpfungsketten reißen. Gewinnen lässt sich damit der Kostenwettlauf mit Regionen wie Asien jedoch nicht – wohl aber das Rennen um Innovationsvorsprünge.

Der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit des Chemie- und Industriestandortes Deutschland ist daher seine Innovationskraft. Wir brauchen mehr Innovationen, um Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung dauerhaft zu sichern. Mit über 10 Milliarden Euro im Jahr für Forschung und Entwicklung zählt die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland zu den forschungsstärksten Standorten weltweit. Der Wille zur Innovation ist also da. Es gibt aber noch immer zu viele Hemmnisse, um Ideen aus dem Labor tatsächlich als Produkte schnell und erfolgreich an den Markt zu bringen: Zu viel Bürokratie und Regulierung, der Fachkräftemangel, das Fehlen einer steuerlichen Förderung von Ausgaben für Forschung und Entwicklung, und nicht zuletzt ein Mangel an gesellschaftlicher Akzeptanz.

Allein aus eigener Kraft kann die Wirtschaft Deutschland nicht zum Innovationsweltmeister machen. Es geht nur mit Unterstützung durch die Politik. Gemeinsam müssen sich beide – Wirtschaft und Politik – beherzt dafür einsetzen, ein gutes gesellschaftliches Umfeld zu schaffen: für bessere Innovationsbedingungen und eine Innovationskultur, die Offenheit und Neugier mit Mut und Zuversicht verbindet. Dann können Ideen auch tatsächlich zu Innovationen werden. Das wäre gut für die chemisch-pharmazeutische Industrie. Es wäre gut für die gesamte Wirtschaft. Und es wäre gut für dieses Land.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Zum chemie report 07+08/2016 mit Leitartikel zur VCI-Halbjahrespressekonferenz am 22. Juli 2016

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