Standpunkt

Innovationen den Weg ebnen

Innovationen der Chemie bilden die Grundlage für Weiterentwicklungen in vielen anderen Sektoren der Industrie. Die Wirtschafts- und Innovationskraft der Industrie ist es, die den Wohlstand Deutschlands wesentlich ausmacht. Eine Studie der Unternehmensberatungen Santiago und IW Consult für den VCI hat brancheninterne Schwachstellen und externe Hemmnisse für Innovationen vom Labor bis zur Markteinführung identifiziert und Handlungsempfehlungen abgeleitet. VCI-Präsident Dekkers legt die Lektüre jedem an Herz, der Verantwortung für die Zukunft des Chemie- und Industriestandorts Deutschland trägt.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG

Deutschlands Wohlstand hängt von der Wirtschafts- und Innovationskraft der heimischen Industrie ab. Sie steuert fast ein Viertel zum Bruttosozialprodukt bei und beschäftigt knapp sechs Millionen Frauen und Männer in überdurchschnittlich gut bezahlten Arbeitsplätzen. Innovationen erschließen neue Märkte und bringen den Unternehmen Wettbewerbsvorteile auf den globalen Exportmärkten. Innovative Produkte und Verfahren erhalten und schaffen so qualifizierte Arbeitsplätze. Viele asiatische Länder wie China, Indien und Korea, aber auch die USA haben dies erkannt und setzen auf Wissenschaft und Technologie. Inzwischen kommen vierzig Prozent aller chemischen Erfindungen aus Asien. Auf diese Entwicklungen müssen Unternehmen und Politik am Chemie- und Pharmastandort Deutschland reagieren.

Die chemisch-pharmazeutische Industrie investiert in Deutschland weit über zehn Milliarden Euro im Jahr in Forschung und Entwicklung. Aber so wichtig FuE-Investitionen auch sind – noch wichtiger ist, dass die Unternehmen eine interne Innovationskultur etablieren. Wir brauchen so etwas wie einen Kulturwandel in den Unternehmen. Wir müssen eine Kultur entwickeln, die es einfacher macht, innovativ zu sein, Neues auszuprobieren – in allen Geschäftsbereichen. Experimente müssen nicht immer gelingen, es kommt auch auf den Versuch an. Es ist auch ein Ergebnis, wenn man am Ende sagen kann: Wir haben etwas gelernt. Gleichzeitig gilt es, die Kundenorientierung zu forcieren und Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Forschungsinstituten voranzutreiben. Der Austausch von Wissen katalysiert die Entstehung von neuen Produkten und Geschäftsmodellen.

Unternehmen brauchen zudem bessere Rahmenbedingungen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche und ihre Funktion als Innovationsmotor für die industriellen Wertschöpfungsketten zu stärken. So sollten wir unser gesetzliches Regelwerk auf Zweckmäßigkeit und Innovationsfreundlichkeit prüfen. Genehmigungs- und Zulassungsverfahren können entschlackt werden. Ein Mehr an Regulierung führt nicht automatisch zu einem Mehr an Sicherheit.

Eine neue Studie des VCI hat solche brancheninternen Schwachstellen und externe Hemmnisse für Innovationen vom Labor bis zur Markteinführung identifiziert. 190 Unternehmen haben an der Analyse mitgewirkt. Die Studie zeigt Optionen auf, wie sich der Weg für mehr Innovationen ebnen lässt. Jeder, der in Deutschland Verantwortung für die Innovationsfähigkeit der Branche trägt und Entscheidungen für die weitere Entwicklung des Chemie- und Industriestandorts Deutschland trifft, sollte sich mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen dieser Studie auseinandersetzen.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de