KMU-Definition muss ausgeweitet werden

VCI-Positionspapier „Forschung und Innovationen im Mittelstand der Chemieindustrie stärken“

Der VCI diskutiert intensiv mit den zuständigen Bundesministerien, wie die Forschung kleiner und mittlerer Betriebe am besten gefördert werden kann. Seine Empfehlungen hat der Chemieverband in einem Positionspapier zusammengefasst. Es nimmt die Gestaltung von Förderprogrammen und Ausschreibungen der Forschungsförderung der Bundesressorts in den Blick – mit besonderer Berücksichtigung des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM)“ des BMWi und des 10-Punkte-Programms „Vorfahrt für den Mittelstand“ des BMBF.

Der Mittelstand in der Chemie ist ein Innovationsträger. - Foto: © DELO Chemical Research
Der Mittelstand in der Chemie ist ein Innovationsträger. - Foto: © DELO Chemical Research

Beim Stichwort chemische Industrie denkt man oft an die Namen mit Weltgeltung und die großen Chemieparks. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Realität, denn die rund 2.000 Betriebe der Branche sind stark mittelständisch geprägt. Viele davon sind ausgesprochen innovativ. Gerade für die Chemieindustrie ist die Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von besonderer Bedeutung, denn deren Forschungsleistung für die Branche ist groß. Für viele Mittelständler ist es allerdings nicht einfach, sich an staatlichen Programmen und Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Innovationen zu beteiligen. Denn häufig passen diese nicht zum eigenen Forschungsgebiet. Und auch der bürokratische Aufwand ist oft hoch. Dabei kann eine staatliche Förderung von Forschung und Innovationen sehr effizient sein: Sie senkt beispielsweise die Einstiegsbarrieren für KMU in Innovationsaktivitäten und verbessert so deren Kooperationsmöglichkeiten mit Partnern in den Wertschöpfungsketten.

Deutliche Mehrheit: Von den rund 2.000 Betrieben der chemisch-pharmazeutischen Industrie gehört der Großteil zum MIttelstand. - Klick auf's Bild liefert vergrößerte Darstellung! - Grafik:
Deutliche Mehrheit: Von den rund 2.000 Betrieben der chemisch-pharmazeutischen Industrie gehört der Großteil zum MIttelstand. - Klick auf's Bild liefert vergrößerte Darstellung! - Grafik: © VCI

Die Politik möchte in der laufenden Legislaturperiode Forschung und Entwicklung (FuE) im Mittelstand noch gezielter unterstützen, um diese traditionelle Säule der deutschen Industrie zu stärken. Diesen Ansatz hält der VCI für richtig und hat mit dem Bundeswirtschafts- und dem Bundesforschungsministerium die Weiterentwicklung des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand“ und der „Industriellen Gemeinschaftsforschung“ sowie des 10-Punkte-Programms „Vorfahrt für den Mittelstand“ ausführlich erörtert.

Das vorliegende Positionspapier „Forschung und Innovationen im Mittelstand der Chemieindustrie stärken“ beschreibt Wege, wie dies wirkungsvoll geschehen könnte: Eine entscheidende Voraussetzung ist für den VCI eine Ausweitung des Mittelstandsbegriffs. So sollten die Maßnahmen zur FuE-Förderung auch für größere Unternehmen des produzierenden Gewerbes gelten. In diesem Sinne seien die Stufen für die Teilnahme an den Förderprogrammen der Bundesressorts in Stufen auf größere Unternehmen bis 1.000, 2.000 und 3.000 Mitarbeiter anzuheben. Dem VCI kommt es weiter darauf an, dass die Budgets für die Förderung in den Programmen der Ressorts entsprechend steigen. Nur so könne eine Antragstellung erfolgreich sein. Als unbedingt notwendig bezeichnet der VCI langfristig stabile und verlässliche Förderprogramme. Denn der Mittelstand könne „keine Finanzierung nach Kassenlage“ in seine Innovationsaktivitäten einplanen. Wichtig sei weiter, einen einfachen Zugang zu den Förderprogrammen zu ermöglichen, damit die Unternehmen Innovationsvorhaben schneller umsetzen können und der administrative Aufwand so gering wie möglich ist.

Mehr Unterstützung für Start-ups

Auch für die Förderung von Start-up-Unternehmen im FuE-Dienstleistungsbereich unterbreitet der VCI in seinem Positionspapier Vorschläge. Denn gerade diese Firmen bieten ein hohes Beschäftigungspotenzial in der produzierenden Industrie und sollten deshalb stärker als bisher unterstützt werden: Von „Innovationsgutscheinen“, wie sie Bayern eingeführt hat, oder von „Innovationsgutscheinen“ („Kmo-portefeuille“) nach dem Vorbild Flanderns, verspricht sich der VCI positive Signale im Sinne von „good practice“. Daran könnten sich Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium orientieren.

Zusätzlich zur existierenden Projektförderung sollten für den Mittelstand auch steuerliche Forschungsanreize eingeführt werden. Gemeinsam könnten beide Instrumente dem Mittelstand genügend Flexibilität bieten, um zeitnah und effektiv seine Innovationsaktivitäten auszuweiten – und damit seine internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

SCHLAGLICHT: So innovativ ist der Mittelstand in Deutschland

Der Mittelstand ist für das Innovationsgeschehen in Deutschland von großer Bedeutung. Über 13 Prozent der FuE-Ausgaben der gesamten Wirtschaft werden von Unternehmen erbracht, die weniger als 500 Mitarbeiter haben. Rechnet man größere Mittelständler mit bis zu 2.000 Beschäftigten hinzu, steigt der FuE-Anteil auf fast 30 Prozent. Gerade unter den größeren Mittelständlern sind häufig Weltmarktführer verborgen, die ein Erfolgsgarant der deutschen Wirtschaft sind. Mittelständische Unternehmen stecken auch besonders viel ihres Umsatzes wieder in Forschung und Entwicklung. Die Forschungsintensität ist bei den mittelständischen Unternehmen höher als bei den großen Unternehmen.

Forschung Chemie-Mittelständler: Über 70 Prozent der Betriebe mit weniger als 500 Mitarbeitern betreiben FuE. Das ist mehr als in anderen Branchen. - Klick auf's Bild liefert vergrößerte Darstellung! - Grafik:
Forschung Chemie-Mittelständler: Über 70 Prozent der Betriebe mit weniger als 500 Mitarbeitern betreiben FuE. Das ist mehr als in anderen Branchen. - Klick auf's Bild liefert vergrößerte Darstellung! - Grafik: © VCI

Auch in der Chemie- und Pharma­industrie spielen mittelständische Betriebe eine große Rolle im Innovationsprozess: Laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim, forschen über 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern kontinuierlich, weitere 15 Prozent haben immerhin gelegentliche FuE-Aktivitäten. Verwendet man die erweiterte Mittelstandsdefinition (bis 2.000 Beschäftigte), erbringen die mittelständischen Chemie- und Pharmaunternehmen rund 20 Prozent der Forschungsaufwendungen der Branche. Nur bei der FuE-Intensität schneiden mittelständische Unternehmen der Chemie- und Pharma­industrie weniger gut ab. Die FuE-Intensität fällt deutlich niedriger aus als bei den großen Unternehmen der Branche.

Gute Rahmenbedingungen nötig

Die FuE-Ausgaben in den mittelständischen Unternehmen steigen allerdings langsamer als in den großen Unternehmen. Konnten große Firmen ihre Ausgaben in den vergangenen zwölf Jahren um jährlich 4,5 Prozent steigern, lag der Zuwachs im Mittelstand nur bei 3,5 Prozent. Damit sinkt der Beitrag des Mittelstands zur Innovationskraft der deutschen Wirtschaft. Damit das Erfolgsmodell Mittelstand nicht Gefahr läuft zu versagen, ist die Politik gefragt. Es müssen Rahmenbedingungen gesetzt werden, die es dem Mittelstand wieder in stärkerem Maße erlauben, seine Innovationskraft auszuspielen.

Der Inhalt des VCI-Positionspapiers im Überblick

  1. Bedeutung von Forschung und Innovation für den Mittelstand der Chemieindustrie
  2. Hintergrund
    1. Begriffsklarstellung
    2. Beteiligung der Unternehmen im Mittelstand der Chemieindustrie an den Fördermaßnahmen im Rahmen des ZIM-Programms
  3. Empfehlungen
    1. Allgemeine Empfehlungen für die Förderung von Forschung und Innovationen
    2. Ausweitung der KMU-Definition erforderlich
    3. Einführung indirekter steuerlicher Instrumente der Forschungsförderung in Deutschland
    4. VCI-Empfehlungen zur weiteren Stärkung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand der Chemieindustrie an das BMWi über das ZIM-Programm
    5. Empfehlungen zum 10-Punkte-Programm für KMU des BMBF
    6. Empfehlungen zur weiteren Verbesserung der Kooperationen mit Hochschulen und Fachhochschulen und Stärkung von Netzwerken und Clustern sowie für die Gestaltung von Landesförderprogrammen
    7. Empfehlungen für die effiziente Abwicklung von Förderprogrammen (Antragstellung und Administration)
    8. Erfolgreiche Formate für Netzwerkaktivitäten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie

Hinweis:
Das vollständige Positionspapier des VCI mit einem Umfang von 24 Seiten finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sogenannte „Langfassung").


Der vorstehende Artikel zum Positionspapier ist im chemie report 04/2018 erschienen.


Mehr zum Thema

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de