Standpunkt

Die Zeit ist reif

Deutschland braucht ein höheres Innovationstempo, um auch künftig Beschäftigung durch neue hochwertige Arbeitsplätze zu sichern. Um die hohe Qualität des Standorts Deutschland für Wissenschaft und Forschung zu halten, müssen die Rahmenbedingungen dafür mit mehr pollitischem Mut attraktiv gestaltet werden: Die Zeit ist reif für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung - eine Maßnahme mit hoher gesamtgesellschaftlicher Rendite für unser Land.

VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE
VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE

Innovationen sind das A und O für eine erfolgreiche Wirtschaft: An neuen Produkten, Verfahren und Technologien hängt die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber anderen Industriestandorten auf der Welt. Nur wenn wir dauerhaft neue Ideen erfolgreich auf den Markt bringen, können wir die bestehenden Kostennachteile kompensieren. Daher brauchen wir ein höheres Innovationstempo, sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Markteinführung, um auch zukünftig Beschäftigung in Deutschland durch neue hochwertige Arbeitsplätze zu sichern.

Damit Deutschland seine hohe Qualität als Standort für Wissenschaft und Forschung in der Welt halten kann, soll der Anteil von Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt bis 2025 auf 3,5 Prozent steigen. So lautet das Ziel, das die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir mehr politischen Mut, die Rahmenbedingungen attraktiv zu gestalten. Und wir brauchen ein konkreteres Engagement des Staates. Dazu gehören beispielsweise eine Erhöhung des Budgets für die Programme der Projektförderung, bessere Bedingungen für Start-ups und ein Innovations-Check bei Gesetzesvorhaben.

Einen besonderen Stellenwert bei der Erreichung des 3,5-Prozent-Ziels – sowohl für die Wissenschaft wie die Industrie – hat die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung. Ein Blick über den Tellerrand macht das deutlich: Die große Mehrheit der 35 OECD-Länder nutzt dieses Förderinstrument bereits. Seit Jahren sammeln diese Länder damit positive Erfahrungen, denn es macht sie attraktiver für Investitionen, gerade auch aus dem Ausland. Das zeigt das Beispiel Österreich besonders gut. Über die Hälfte der dortigen industriellen Forschungsausgaben stammt heute von ausländischen Unternehmen. Die Erfahrungen in unserem Nachbarland können sich auch sonst sehen lassen, denn die FuE-Ausgaben haben inzwischen einen Anteil von 3,1 Prozent am österreichischen Bruttoinlandsprodukt erreicht.

Es gibt also keinen plausiblen Grund, diese Maßnahme mit hoher gesamtgesellschaftlicher Rendite für unser Land weiter auf die lange Bank zu schieben. Darum erwarten wir, dass die Bundesregierung nun zügig einen Gesetzentwurf vorlegt. Die Zeit für den Einstieg in die steuerliche Forschungsförderung in Deutschland ist reif!

Dr. Kurt Bock,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de