Gastkommentar von VCI-Präsident Marijn Dekkers zum G7-Gipfel im „Handelsblatt"

Anstöße für Elmau

Innovation sollte das Leitmotiv des G7-Gipfels sein. Dafür plädiert VCI-Präsident Marijn Dekkers in einem Gastbeitrag und verdeutlicht dies für die Themen Gesundheitspolitik und Klimaschutz. Seine konkreten Vorschläge: Die Erforschung neuer Medikamente könne durch eine Initiative zur weltweiten Stärkung geistiger Eigentumsrechte stimuliert werden. Der Suche nach neuen Antibiotika wäre ein multinationaler Fonds oder staatliche Auftragsforschung förderlich. Und beim Klimaschutz könnten sich die G7-Länder für die Einrichtung eines globalen Emissionshandels nach dem Vorbild Europas einsetzen.

Innovation sollte das Leitmotiv des G7-Gipfels sein, beim Thema Gesundheitspolitik ebenso wie beim Klimaschutz. Dafür plädiert VCI-Präsident Marijn Dekkers. - Foto: © Bundesregierung
Innovation sollte das Leitmotiv des G7-Gipfels sein, beim Thema Gesundheitspolitik ebenso wie beim Klimaschutz. Dafür plädiert VCI-Präsident Marijn Dekkers. - Foto: © Bundesregierung

Marijn Dekkers zeigt, wie Gesundheitspolitik und CO2-Bekämpfung Schwung bekommen

VCI-Präsident Marijn Dekkers - Foto:
VCI-Präsident Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG
Die Themen, die beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7-Länder am Wochenende auf Schloss Elmau besprochen werden, haben fast alle eines gemeinsam. Entwicklungspolitik, Schutz der Meere oder die Bekämpfung von Krankheiten: Wir können diese Probleme nur lösen, wenn wir erfinderisch sind und neue Wege gehen. Innovation sollte daher das Leitmotiv dieses G7-Gipfels sein. Zwei ganz unterschiedliche Themen verdeutlichen das: die Gesundheitspolitik und die Verminderung der CO2-Emissionen.

In der Gesundheitspolitik sollen drei Themen im Mittelpunkt stehen: Sogenannte vernachlässigte (Tropen-)Krankheiten in Entwicklungsländern sowie Ebola und die weltweite Zunahme Antibiotika-resistenter Keime. Sie stehen für die zentrale Frage: Wie kann die Innovationsfähigkeit der Pharma-Forschung weiter gestärkt werden?

Diese Bedrohungen können nur mit neuen Wirkstoffen und innovativen Medikamenten bewältigt werden. Es dauert derzeit aber viele Jahre und kostet bis zu zwei Milliarden Euro, ein neues Medikament zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund sind forschende Pharmaunternehmen auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Dazu gehört vor allem ein weltweiter, robuster Patentschutz, der auch effektiv durchgesetzt wird. Wir brauchen daher eine Initiative zur weltweiten Stärkung geistiger Eigentumsrechte. Das wäre der beste Weg, bei den Unternehmen zusätzliche Investitionen in die Erforschung neuer Medikamente anzuregen. Investitionen, die das Leben vieler verbessern helfen und einen enormen gesellschaftlichen Wert haben.

Aber auch dann wird eine Lücke bleiben, die die Unternehmen aus eigener Kraft nicht schließen können. Aus der Antibiotika-Forschung zum Beispiel haben sie sich zurückgezogen, weil es über viele Jahre nicht für dringlich erachtet wurde und es keinen wirtschaftlichen Anreiz gab, neue Antibiotika zu entwickeln. Die Forschung muss hier erst wieder aufgebaut werden, was viel Zeit und Geld erfordert.

Die Suche nach neuen Antibiotika sollte daher durch einen multinationalen Fonds oder staatliche Auftragsforschung unterstützt werden, um die Versäumnisse der Vergangenheit nachzuholen. Das Gleiche gilt für die vernachlässigten Tropenkrankheiten, wie etwa die Flussblindheit. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn von Elmau ein deutliches Signal in diese Richtung ausgehen würde.

Beispiel CO2-Emissionen: Die Bundeskanzlerin will die G7-Präsidentschaft dazu nutzen, den Weg für ein weltweites Abkommen zur Verminderung der Kohlendioxid-Emissionen zu ebnen. Das ist der richtige Weg! Bislang kämpft die EU nahezu allein gegen das Problem des stetig steigenden Ausstoßes von Kohlendioxid. Der Emissionshandel ist eine rein europäische Angelegenheit geblieben. Für die Exportwirtschaft folgt daraus eine einseitige Belastung, die den internationalen Wettbewerb verzerrt. Durch das 40-Prozent-Ziel der EU bis 2030 verschärft sich das Problem.

Das hat weitreichende Folgen für die Industrie in Deutschland und Europa. Um den Ausstoß von Kohlendioxid in den Griff zu bekommen, sind wir aber dringend auf deren innovativen Beiträge angewiesen – etwa mit den erneuerbaren Energien, mit Energieeffizienz und Elektromobilität. Die Industrie darf daher nicht weiter durch eine einseitige Minderung von CO2-Emissionen geschwächt werden.

Andere Länder verspüren bisher kaum Neigung, dem Beispiel Europas zu folgen. Was an Zusagen für den Klimagipfel der Uno in Paris auf dem Tisch liegt, führt im Vergleich zu 1990 zu einer fatalen Bilanz: Einer Senkung der jährlichen CO2-Emissionen von vier Milliarden Tonnen bis 2030 durch EU und USA steht ein Anstieg von 14 Milliarden Tonnen gegenüber, den insbesondere China verursacht. Zwar sitzt China, das Land mit den höchsten CO2-Emissionen, in Elmau nicht mit am Tisch. Dennoch wäre ein Konsens auf G7-Ebene wichtig – besonders für Europa, das sich aus seiner emissionspolitischen Isolation lösen würde. Dazu braucht es eine Einigung mit den USA, Kanada und Japan.

Konkret könnten sich die G7-Länder für die Einrichtung eines globalen Emissionshandels nach europäischem Vorbild einsetzen. Gelänge dies für die G20-Staaten, wären damit immerhin 80 Prozent der weltweiten Emissionen abgedeckt. Und es wäre ein starkes Signal für einen fairen, weltweiten Innovationswettbewerb.

Der Autor ist ist CEO von Bayer und Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

Dieser Gastkommentar ist im Original im „Handelsblatt“ vom 3. Juni 2015 auf Seite 48 erschienen.

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