Forschungsförderung am Innovationsstandort Deutschland

Anforderungen der Chemieindustrie zur Umsetzung eines Förderinstruments für Sprunginnovationen

Die Geschwindigkeit technischer Entwicklungen nimmt in der Chemieindustrie deutlich zu. Es ist dringend notwendig, grundlegende Innovationen mit langfristiger strategischer Ausrichtung am Forschungsstandort Deutschland stärker voranzubringen. Daher begrüßt der VCI das Engagement der Bundesregierung zur Etablierung einer „Agentur für Sprunginnovationen“. Diese muss nun von Beginn an so effektiv wie möglich zugunsten künftiger Wertschöpfung in Deutschland eingerichtet werden. Dafür macht der VCI konkrete Vorschläge.

Die Chemieindustrie hat sich für die strategische Etablierung eines Instruments zur Förderung von „Sprunginnovationen“ ausgesprochen. Die Bundesregierung hat am 29. August 2018 eine Agentur dafür gegründet. - Foto: © pict rider/stock.adobe.com
Die Chemieindustrie hat sich für die strategische Etablierung eines Instruments zur Förderung von „Sprunginnovationen“ ausgesprochen. Die Bundesregierung hat am 29. August 2018 eine Agentur dafür gegründet. - Foto: © pict rider/stock.adobe.com

Einleitung

Die Geschwindigkeit technischer Entwicklungen und deren industrieller Umsetzungnimmt in der Chemieindustrie deutlich zu. Darüber hinaus erfährt die Chemieindustrie einen immer stärker werdenden Einfluss von Neuerungen aus ihren breitgefächerten Anwendungsfeldern und Wertschöpfungsketten auf ihre Produkte und Verfahren.

Für die chemisch-pharmazeutische Industrie ist es daher dringend notwendig, grundlegende Innovationen mit langfristiger strategischer Ausrichtung am Forschungsstandort Deutschland stärker voranzubringen. Daher hat sich der VCI frühzeitig für die Etablierung eines zusätzlichen und ergänzenden Instruments zur Förderung von „Sprunginnovationen“ ausgesprochen. In diesem Sinne begrüßt der VCI ausdrücklich das Engagement der Bundesregierung zur Etablierung einer „Agentur für Sprunginnovationen“.

Wichtig ist nun, dieses Förderinstrument von Beginn an so effektiv wie möglich für zukünftige Wertschöpfung in Deutschland einzurichten. Der VCI will sich dafür einsetzen, dass die Anforderungen der Industrie zur Ausgestaltung dieses für das deutsche innovationssystem neuen Förderinstruments adäquat berücksichtigt werden. Damit dies gelingt, hat der VCI konkrete Vorschläge ausgearbeitet.

Die Kernaussagen der VCI-Position

Die deutsche Chemieindustrie ist eine Basis von Wertschöpfung und Wohlstand in unserem Land. Basis ihres weltweiten Erfolges ist ihre sehr hohe Wettbewerbsfähigkeit, die sie durch fortgesetzte Innovationsleistungen sichert. Der globale Wettbewerb um innovative Verfahren und Produkte inklusive deren Vermarktung wird intensiver, die Zeitspanne von der Forschung bis zur Markteinführung der Produkte immer kürzer. Die deutsche Chemieindustrie steht vor entscheidenden Sprüngen in der technologischen Entwicklung. Die Innovationskraft der Wertschöpfungsketten dieses wichtigen industriellen Kerns der deutschen Wirtschaft muss erhalten und gestärkt werden.

Die Chemieindustrie hat sich für die strategische Etablierung eines Instruments zur Förderung von „Sprunginnovationen“ ausgesprochen. Wichtig ist jetzt eine breit abgestützte, verbindliche und die Anforderungen der Industrie einbeziehende Diskussion zu diesem Instrument. Hierfür hat die Chemieindustrie konkrete Gestaltungsvorschläge erarbeitet.

Vorschläge zur Gestaltung des Förderinstruments für „Sprunginnovationen“:

Ein Förderinstrument für Sprunginnovationen sollte die Identifizierung, Definition und Klassifizierung von Technologiefeldern und einzelnen Technologien für grundlegende Neuerungen in deren Anwendungsbereichen und in den Wertschöpfungsketten ermöglichen sowie neue Geschäftsmodelle eröffnen.

  • Etablierung einer „neuen Säule“ der Forschungsförderung: Die Etablierung einer weiteren Forschungsfördersäule im deutschen Innovationssystem neben der Grundlagen- und der angewandten Forschung sowie der Förderung von Pilot- und Demonstrationsprojekten ist grundsätzlich sinnvoll und soll bestehende Instrumente ergänzen.
  • Diskussion mit allen Stakeholdern notwendig: Die Sinnhaftigkeit eines eigenständigen Förderinstruments für Sprunginnovationen und die etwaige Ausgestaltung muss mit allen Stakeholdern diskutiert werden. Die bislang diskutierten Vorstellungen zur Ausgestaltung weisen Konflikte im Hinblick auf Kontrolle und Planbarkeit sowie der experimentellen und finanziellen Risikobereitschaft auf.
  • Anforderungen der Industrie offen: Ungeklärt ist, ob und wie die Wirtschaft vertieft eingebunden wird, um die Anforderung an die Strukturen der Organisation, das Management der Förderung sowie die Definition und Auswahl der Inhalte mitzugestalten. Ihre Anforderungen sind zu berücksichtigen, da sie die Hauptlast der Aufwendungen für ein derartiges Förderinstrument tragen müsste.
  • Fokus auf das Produkt und dessen Vermarktung: Ziel der Förderung von Sprunginnovationen sollte ein marktfähiges Produkt als wirtschaftlich einsatzfähige Lösung einer konkret definierten Aufgabenstellung und nicht die Lösung von reinen Forschungsfragestellungen sein. Darüber hinaus sollen auch neue innovative Geschäftsmodelle entwickelt werden können. Die Förderung soll dazu beitragen, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung und Entwicklung im Sinne einer lückenlosen För-derung zu schließen.

Anforderungen der Industrie an ein Förderinstrument für Sprunginnovationen:

  1. Das Förderinstrument soll an den Wertschöpfungsketten der deutschen Industrie ausgerichtet sein. Es muss das Produkt bzw. dessen Vermarktungsmöglichkeiten über neue Geschäftsmodelle im Fokus behalten.
  2. Das Förderinstrument sollte als neue Struktur und Organisationsform eingerichtet werden und dabei die Expertise aus bestehenden Organisationen einbeziehen.
  3. Förderinstrument und Einzelprojekte sollen gesteuert werden von einem zentralen Management, mitgestaltet von der Wirtschaft, unterstützt von Fachbeiräten.
  4. Die Programme sollten grundsätzlich so konstruiert sein, dass im Rahmen einzelner Projekte eine Idee von der Forschungsphase über die Vorausentwicklung, die Produktentwicklung bis zur Markteinführung entwickelt wird.
  5. Die Programme sollen den Wettbewerb befördern und die Auswahl einzelner Projekte gestalten nach Maßgabe der Realisierungsmöglichkeit von langfristig zu realisierenden potenziellen Sprüngen in der industriellen Wertschöpfung. Ob dabei eine „Missionsorientierung“ oder eine „Graswurzelentwicklung“ angestrebt wird (top-down oder bottom-up), bleibt abhängig vom gewählten Thema und Anwendungsfeld.
  6. Das Instrument muss in risikoreiche Projekte investieren dürfen, ohne zunächst einen direkten Nachweis für eine effektive und effiziente Mittelverwendung führen zu können. Die Verantwortungskontrolle sollte über einen Stage-gate-Prozess erfolgen.
  7. Um mehrere Projektphasen in den notwendigen Größenordnungen erfolgreich durchführen zu können, müssen die Programme großzügig ausgestattet sein. Die Projekte sollten dabei in der Summe über alle Phasen in der Größenordnung beispielsweise der „Innovationsallianzen“ der ersten Hightech-Strategie liegen. Die Projektbudgets erhöhen sich dabei bei steigendem „Technology Readyness Level" (TRL).
  8. Formalitäten und bürokratische Anforderungen müssen gegenüber den heute etablierten Förderverfahren deutlich reduziert werden, um eine Fokussierung der Projektbeteiligten auf die Zielerreichung zu gewährleisten.
  9. Wichtig sind klare effektive Regelungen zum Schutz und zur Nutzung des generierten geistigen Eigentums (Patentrecht, Lizenzverträge). Diese werden mit Mustercharakter zwischen Agentur und Projektpartnern im Vorfeld verbindlich vereinbart.

Aus dem Inhalt des Papiers

  1. Einführung und Motivation
  2. Sprunginnovationen
    1. Zur Definition von Sprunginnovationen
      - Erläuterung der Innovationsbegriffe im Kontext
      - Beispiele zu FuE-Themen aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie zur Umsetzung in einem Instrument für Sprunginnovationen
    2. Politische Motivation für ein Förderinstrument für Sprunginnovationen
    3. Das Beispiel ARPA-E
    4. Offene Fragen und Anforderungen der Industrie an ein Förderinstrument für Sprunginnovationen
      - Thesen und Anforderungen der Industrie
      - Anforderungen der Industrie an ein Förderinstrument für Sprunginnovationen:


Hinweis:
Das vollständige Positionspapier des VCI mit einem Umfang von 14 Seiten finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sogenannte „Langfassung"


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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Feodora Janes

E-Mail: janes@vci.de