Internationale Leitmesse der Prozessindustrie zeigte Toptrends

Die ACHEMA ist ein Schmelztiegel der Ideen

Die Auftaktpressekonferenz zur ACHEMA, der internationalen Leitmesse der Prozessindustrie, machte einmal mehr deutlich: Die politischen Rahmenbedingungen müssen besser werden, damit Deutschland und Europa als Innovationsstandort nicht ins Hintertreffen geraten.

Eine Woche lang präsentierten in Frankfurt mehr als 3.800 Aussteller aus aller Welt Produkte, Technologien und Know-how für die chemische Produktion. Mit einem Auslandsanteil von erstmals mehr als 50 Prozent ist die ACHEMA 2015 internationaler als je zuvor. Die Leitmesse der Prozessindustrie geht allerdings weit über eine reine Industrieausstellung hinaus. „Mit ihrer großen Breite quer über die Disziplinen und mit ihrer Tiefe von Forschung bis zum Anlagenbetrieb ist die ACHEMA ein Schmelztiegel der Ideen, aus dem so mancher mit ganz neuen Gedanken nach Hause fährt“, sagte Rainer Diercks, Vorsitzender der DECHEMA, auf der Auftaktpressekonferenz am 15. Juni.

Vor der internationalen Fachpresse betonte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann die Bedeutung von Forschung und Entwicklung (FuE) der deutschen Chemieindustrie für die hohe Qualität des hiesigen Forschungsstandortes. Deutschland belegt im Innovationsvergleich des World Economic Forums Platz 6 unter 144 Nationen. Allerdings dürfe die gute Platzierung nicht darüber hinwegtäuschen, warnte Tillmann, dass sich der internationale Wettlauf um Innovationen immer weiter verschärfe. Das be-legen auch Zahlen: Seit dem Jahr 2013 haben sich die Forschungsbudgets der amerikanischen Chemieindustrie verdreifacht, in China sogar verdreizehnfacht.

Europa braucht ein Innovationsprinzip

Mit Sorge beobachte er, sagte Tillmann weiter, dass es in Europa an einer Innovationskultur und einer grundsätzlichen Offenheit für den Fortschritt mangele. Der VCI-Hauptgeschäftsführer plädierte deshalb dafür, Chancen und Risiken auf Basis einer wissenschaftlich fundierten Bewertung auszuloten. Konkret forderte er, dem Vorsorgeprinzip auf europäischer Ebene ein „Innovationsprinzip“ an die Seite zu stellen. Und das soll so funktionieren: Bei neuen Gesetzesinitiativen sollten nicht nur mögliche Folgen für die Gesundheit und Umwelt, sondern auch für das Innovationsklima geprüft werden.

Mit Blick auf Deutschland sieht Tillmann folgende Handlungsfelder:

  • Steuern: Um in der internationalen Top-Liga zu bleiben, dürfe die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten für Existenzgründer müssten besser werden, indem man das Steuerrecht für Investoren optimiert und steuerrechtliche Hemmnisse für mehr Wagniskapital abbaut.
  • Bildung: Notwendig sind mehr Investitionen in die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung. Deshalb sollten die MINT-Fächer über alle Bildungsstufen viel stärker unterrichtet werden.
  • Technikakzeptenz: Nach Ansicht Tillmanns darf sich Deutschland unreflektierte Vorbehalte gegenüber neuen Technologien nicht länger leisten.

Das einhellige Fazit der Pressekonferenz: Deutschland und der deutschen Chemie geht es auf den ersten Blick gut: „Einen Stillstand dürfen sich beide nicht leisten. Wohlstand und Arbeitsplätze hängen an der Innovationsfähigkeit der Industrie und ihren Wertschöpfungsketten“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Tillmann abschließend.

Hinweis:
Die vollständige Rede von VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann anlässlich der ACHEMA-Eröffnungspressekonferenz einschließlich der illustrierenden Grafiken finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite ("Ergänzende Downloads"). Sie steht dort in deutscher und englischer Fassung bereit.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Monika von Zedlitz

E-Mail: zedlitz@vci.de