Standpunkt

Zukunft braucht Forschung

2013 hat die deutsche chemische Industrie mit über zehn Milliarden Euro so viel wie noch nie in Forschung und Entwicklung investiert. Der globale Innovationswettbewerb der Standorte hat sich deutlich verschärft. Zeit zum Ausruhen hat die Branche also nicht. Doch auch die Politik ist gefragt, Rückenwind für Forschung und Entwicklung zu geben: Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind keine Wohltaten. Es sind Investitionen in die Zukunft unseres Landes.

VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley © © Merck KGaA Darmstadt Deutschland
VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley © © Merck KGaA Darmstadt Deutschland

„Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ Das Diktum des italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa passt wie kein zweites, wenn es um die Sicherung von Wachstum und Wohlstand in Deutschland geht. Denn das Fundament dafür sind nicht Bewahrermentalität oder Besitzstandsdenken – sondern Forschung und Entwicklung. Innovationskraft entscheidet in unserer globalisierten Welt über Erfolg oder Misserfolg.

Deutschland hat eine vielversprechende Ausgangsposition. So belegte die Bundesrepublik etwa beim Telekom-BDI-Innovationsindikator Platz 6 unter 28 Ländern. Die deutsche Wirtschaft sogar Platz 3. Die Unternehmen tragen in erheblichem Umfang zu diesem guten Abschneiden bei. Auch die Chemische Industrie hat einen großen Anteil daran: 2013 hat die Branche mit über zehn Milliarden Euro so viel wie noch nie in Forschung und Entwicklung investiert. Damit kam knapp ein Fünftel der gesamten industriellen Forschungsausgaben aus der Chemie. Mehr Mittel in neue Produkte und Lösungen für die Zukunft investiert in Deutschland nur eine Branche, der Fahrzeugbau - eine unserer wichtigsten Kundenbranchen.

Allerdings: Zeit zum Ausruhen haben wir nicht, weder Industrie noch Politik. Denn der Innovationsdruck der Standorte verschärft sich weiter. Vor allem China ist es gelungen, die Rahmenbedingungen für Innovationen zu verbessern. Hohe Investitionen in das Bildungssystem und der starke Ausbau der Industrie, gepaart mit Investitionen in die Forschung, trugen dazu bei. Gerade im Reich der Mitte besteht ein klarer politischer Auftrag, einheimische Innovationen zu fördern, beispielsweise durch Prämien für Patente. Ein Vorbild für Deutschland? Warum nicht.

Auch die Politik ist also gefragt, Rückenwind für Forschung und Entwicklung zu geben. Auch sie muss an Deutschlands Innovationskraft arbeiten und Rahmenbedingungen so gestalten, dass neue Produkte und Verfahren schnell zur Marktreife gebracht werden können. Mehr Anreize des Staates für private Investitionen in die Forschung und für mehr Unternehmergeist rechnen sich. Vor allem Start-ups profitieren von mehr Hilfen, um mit ihren Geschäftsideen in der schwierigen Anfangsphase leichter Fuß fassen zu können. Bessere Regelungen für Wagniskapital sind hier ein Mittel der Wahl. Die ersten Überlegungen der Bundesregierung hierzu sind ermutigend. Auch die neue Hightech-Strategie wird dazu beitragen, den Innovationsstandort Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen.

Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen sind keine Wohltaten. Es sind Investitionen in die Zukunft unseres Landes. Wenn die politischen Weichen entsprechend gestellt werden, dann können wir mit Wandel erreichen, dass alles so bleibt, wie es ist. Dann können wir wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand in Deutschland sichern.

Karl-Ludwig Kley, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de


Zum chemie report 09/2014 mit Leitartikel über die Forschungspressekonferenz des VCI vom 18. August 2014