Steuerliche Forschungsförderung in Deutschland

Studie belegt ökonomischen Nutzen von Steuergutschriften für FuE-Aufwendungen

Steuerliche Forschungsförderung und Haushaltssanierung passen zusammen - das ist das Resümee der neuen wissenschaftlichen Studie im Auftrag von VCI und BDI. Das kostengünstigste Instrument mit den größten Wachstumseffekten ist dabei eine Steuergutschrift auf die Forschungsaufwendungen: Eine Gutschrift in Höhe von 10 Prozent führt zu 14 Prozent mehr Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft.

Autoren der Studie sind Prof. Christoph Spengel, Universiät Mannheim und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) , sowie Prof. Wolfgang Wiegard, Universität Regensburg.

Die im September 2011 fertiggestellte Studie mit dem Titel "Ökonomische Effekte einer steuerlichen Forschungsförderung in Deutschland" kommt hinsichtlich der drei Kernfragen

  • warum wir in Deutschland eine steuerliche Forschungsförderung brauchen,
  • welches Modell einer steuerlichen Forschungsförderung benötigt würde und
  • welche ökonomischen Effekte durch die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung zu erwarten seien,
zu folgenden Ergebnissen:

1. Warum brauchen wir in Deutschland eine steuerliche FuE-Förderung?

Es wird in Deutschland zu wenig in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert; durch staatliche Förderung ließen sich aber FuE-Aktivitäten steigern und gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsgewinne erzielen.

Das effektivste Instrument einer staatlichen Förderung von FuE stellen Steuergutschriften dar.

  • Eine indirekte, steuerliche FuE-Förderung ist international breit eingeführt.
  • Senkungen in der Einkommenssteuer haben definitiv keine Wachstumswirkung, sondern lediglich moderate Verteilungseffekte.
Fazit: Die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung in Deutschland ist theoretisch gut begründet und überfällig.

2. Welche steuerliche FuE-Förderung brauchen wir?

Die Studie empfiehlt folgende Ausgestaltung

  • Eine umfassende volumenbasierte Steuergutschrift in Höhe von 10 % sämtlicher FuE-Aufwendungen (als tax credit). Der Umfang der Aufkommensausfälle betrüge maximal 4,75 Milliarden Euro p.a.
  • Die Begrenzung der Steuergutschrift auf FuE-Personalaufwendungen wäre eine pragmatische Fördervariante zur Begrenzung von Aufkom-mensausfällen staatlicher Steuereinnahmen.
Fazit: Eine umfassende volumenbasierte Steuergutschrift auf sämtliche FuE-Aufwendungen ist volkswirtschaftlich am effektivsten. Eine Höhe von 10 % ist angemessen. Die Empfehlungen entsprechen dem VCI-Modell.

3. Ökonomische Effekte einer steuerlichen Forschungsförderung in Deutschland

Auf Unternehmensebene würde jeder über Steuermittel eingesetzte Euro bei einer 10 %-igen Steuergutschrift zu zusätzlichen FuE-Aufwendungen von 1,25 Euro führen (d.h. die FuE-Aktivitäten würden um 14 % gesteigert).

  • Es kann abgeleitet werden, dass eine 10 %-ige Steuergutschrift die Wahrscheinlichkeit einer Patentanmeldung um 15 % erhöhen würde.

Volkswirtschaftlich würden sich die Netto-Wohlfahrtsgewinne einer 10%-igen Steuergutschrift auf rund 15 % des eingesetzten Finanzvolumens belaufen. Dies entspräche einem Gewinn für die deutsche Volkswirtschaft in Höhe von rund 750 Millionen Euro p.a. z.B. durch Steuermehreinnahmen und wirtschaftliche Nutzung technischen Fortschritts.

Fazit: Mit einer 10%-igen Steuergutschrift ließe sich

  • das Lissabon-Ziel von 3 % FuE-Aufwendungen am BIP erreichen
    (entsprechend zusätzlichen Aufwendungen von ca. 6 Milliarden Euro p.a.);
  • die langfristige Wachstumsrate des BIP steigern – der Theorie nach um rund 0,1 %.

Resümee und Ausblick

  • Steuerliche Forschungsförderung und Haushaltssanierung passen zusammen: Eine steuerliche FuE-Förderung führt zu zusätzlichem Wirtschaftswachstum; zusätzliches Wirtschaftswachstum führt zur Rückführung der Staatsschuld.
  • Eine 10 %-ige Steuergutschrift ist die kostengünstigste Steuerentlastungsvariante, da von ihr die vergleichsweise größten Wachstumseffekte ausgehen.

Diese Zusammenfassung der Studie sowie die vollständige Studie selbst finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

E-Mail: klockner@vci.de