OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2019“

Deutschland führt bei MINT

Der diesjährige Bericht „Bildung auf einen Blick“ der OECD gibt Deutschland zwar gute Noten für das Bildungssystem. Danach punktet man hierzulande mit starker MINT-Orientierung. Trotzdem müssen die Anstrengungen verstärkt werden, junge Menschen mehr für Mathe, NaWi und Co. zu interessieren, meint der VCI. Denn die Präferenz für diese Fächer nimmt OECD-weit offenbar ab.

Gute Bildung ist eine Schlüsselressource. - Foto: © WavebreakMediaMicro/stock.adobe.com
Gute Bildung ist eine Schlüsselressource. - Foto: © WavebreakMediaMicro/stock.adobe.com

In keinem anderen OECD-Land entscheiden sich insgesamt mehr Anfänger für ein MINT-Fach an Fachschulen, Berufsakademien und Hochschulen (Tertiärbereich) als in Deutschland. Das geht aus dem Bericht „Bildung auf einen Blick 2019“ hervor, in dem 36 OECD-Länder und zehn weitere Staaten miteinander verglichen werden. Gut 40 Prozent aller Anfänger eines Bachelor- oder gleichwertigen beruflichen Programms wählen in Deutschland ein MINT-Fach. Im OECD-Durchschnitt sind es nur 27 Prozent. Auch der Anteil der MINT-Akademiker hierzulande ist hoch: Im OECD-Durchschnitt haben 25 Prozent der Menschen mit Hochschulbildung einen MINT-Abschluss, in Deutschland dagegen 35 Prozent. Auch die Berufsaussichten für MINT-Qualifizierte sind in Deutschland gut. Für Absolventen in den Ingenieur- und den Naturwissenschaften liegen die Beschäftigungsquoten bei 91 beziehungsweise 87 Prozent.

Dieser gute Befund darf aber nicht über einen Trend hinwegtäuschen: „In den meisten Ländern scheint jedoch die Präferenz der Bildungsteilnehmer für die MINT-Fächergruppen zu stagnieren oder abzunehmen“, schreiben die Autoren. Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Bau sei bei den jungen Menschen, die erst kürzlich einen Abschluss im Tertiärbereich erworben haben, offenbar etwas weniger attraktiv geworden. Darauf deuten entsprechende Zahlen hin: 2017 verfügten 16 Prozent aller 25- bis 64-Jährigen über einen entsprechenden Hochschulabschluss, aber nur 14 Prozent der Absolventen dieses Jahrgangs. Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier haben rund 26 Prozent aller Bürger im Alter zwischen 25 bis 64 Jahren einen Abschluss im Ingenieurwesen, verarbeitenden Gewerbe und Bau; und etwa 22 Prozent der Absolventen dieses Jahrgangs, geht aus der OECD-Analyse hervor.

Es gilt also nach wie vor, junge Menschen frühzeitig für NaWi-Fächer und Technik zu begeistern. Aus zwei Gründen:
Einerseits sind die großen Herausforderungen wie Klimawandel oder Ernährung einer stetig wachsenden Bevölkerung nur mit technischem Fortschritt zu bewältigen. Gute Bildung, die schon in der Grundschule beginnt, schafft hierfür eine wesentliche Grundlage.
Andererseits wird die Arbeitsmarktnachfrage nach Absolventen mit einer entsprechenden Ausbildung hoch bleiben.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek betonte bei der Präsentation der Daten, dass Deutschland international gut aufgestellt sei. Aber sie machte auch deutlich: „Eine gute Bildung und Ausbildung und die hohe Bereitschaft für das lebenslange Lernen sind die besten Voraussetzungen, um auf die sich verändernden gesellschaftlichen und beruflichen Herausforderungen reagieren zu können.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dieser Artikel ist im chemie report 10/2019 erschienen.

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