Konjunkturbericht

US-Chemiegeschäft erholt sich nach Einbruch

04. Mai 2021 | Bericht

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten hat sich vom pandemiebedingten Einbruch im vergangenen Jahr schnell und kräftig erholt. Die Chemie- und Pharmaindustrie kam dabei besser durch die Krise als viele andere Branchen und lag 2020 nur um 3,1 Prozent unter Vorjahr. Auch der Start ins Jahr 2021 verlief in allen Bereichen schwungvoll. Dann führten allerdings Winterstürme im Februar zu einem kräftigen Dämpfer. Die Folgen waren Probleme in vielen Lieferketten, von denen die Chemie besonders betroffen war.

Die Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung der Chemie- und Pharmaindustrie in den USA sind gut. - Foto: © JustTheLetterK/stock.adobe.com
Die Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung der Chemie- und Pharmaindustrie in den USA sind gut. - Foto: © JustTheLetterK/stock.adobe.com

Die Corona-Krise ließ die Chemie- und Pharmaproduktion der USA im Frühjahr 2020 einbrechen. Das Vorkrisenniveau konnte aber in vielen Sparten bereits am Jahresende wieder erreicht oder sogar übertroffen werden. Die Winterstürme im Februar 2021 und deren Folgen machten der positiven Entwicklung dann ein abruptes Ende. Viele Raffinerien und petrochemische Anlagen – beispielsweise 96 Prozent der US-Ethylenproduktion – liegen in den von den Stürmen besonders betroffenen Regionen am Golf von Mexiko. Diese Anlagen fielen nun wochenlang komplett aus. Die Chemieproduktion brach dabei stärker ein als in der Corona-Hochphase im zweiten Quartal 2020 und auch stärker als bei ähnlichen Wetterkapriolen in den vergangenen Jahren.

Das Wiederanfahren der Anlagen und die Ausweitung der Produktion von Petrochemikalien benötigt Zeit. Experten rechnen sogar erst für das Jahresende mit einer vollständigen Erholung der Lagerbestände bei petrochemischen Produkten. Die Lieferengpässe setzen sich inzwischen durch die Wertschöpfungsstufen innerhalb der Chemie fort und bremsen somit die Produktionsmöglichkeiten der Branche insgesamt. Zu den Produktionsproblemen innerhalb der Chemie kommen enge Transportkapazitäten im weltweiten Handel und Engpässe bei Elektronikbauteilen aufgrund der global stark steigenden Nachfrage hinzu. Damit kämpfen auch wichtige Kundenindustrien, wie die Automobilindustrie, mit Problemen in ihren Lieferketten. Dies wiederum wirkt sich bremsend auf die Nachfrage nach Chemikalien aus.

Konjunkturpakete und Impfkampagne stützen die Entwicklung

Trotz aller Widrigkeiten rund um die angespannten Lieferketten: Die Aussichten für die weitere Entwicklung der Chemie- und Pharmaindustrie sind gut. Die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wurden zuletzt deutlich nach oben revidiert. Antrieb bekommt die Konjunktur dabei von zahlreichen Konjunkturpaketen. Allein der Mitte März 2021 verabschiedete Act mit dem Namen „American Rescue Plan“ hat ein Volumen von 1,8 Billionen US-Dollar. Neben Mitteln zur Bekämpfung der Pandemie und Transfers an die Bundesstaaten enthält das Paket auch weitere Direktzahlungen an die privaten Haushalte sowie eine erneute Verlängerung und Ausweitung der Arbeitslosenunterstützung. Dies dürfte den Konsum weiter anheizen und die Sparquote sinken lassen.

Die US-Chemie wurde von den Winterstürmen hart getroffen. Die Erholung ist aber bereits eingeleitet.
Die US-Chemie wurde von den Winterstürmen hart getroffen. Die Erholung ist aber bereits eingeleitet. © VCI

Zusätzlich gestützt wird die Erholung der Wirtschaft vom rasanten Impftempo. Mit fortschreitender Impfung der Bevölkerung dürften Infektionsschutzmaßnahmen sukzessive gelockert werden. Dies sollte einen weiteren Schub für den Konsum nicht nur von Waren, sondern zunehmend auch von Dienstleistungen mit sich bringen.

Das von der Biden-Regierung auf den Weg gebrachte Infrastrukturpaket dürfte dann auch mittel- und langfristig einen Wachstumsschub bringen. 2,3 Billionen US-Dollar sollen in die Sanierung der maroden Straßen, Stromnetze und Brücken fließen und die Elektromobilität vorantreiben.

Vor diesem Hintergrund kann mit einer zunehmenden Nachfrage nach Industriewaren und damit auch nach Chemikalien gerechnet werden. Auf der anderen Seite dürften sich einige Lieferkettenprobleme im Laufe des Jahres auflösen. Die Aussichten für die Chemie- und Pharmaproduktion sind somit gut. Wir rechnen in diesem Jahr mit einer Wachstumsrate von 2,5 Prozent. Damit fällt die Dynamik zwar schwächer aus als in der Gesamtwirtschaft oder der Industrie insgesamt. Allerdings waren die Einbrüche in der Branche in 2020 auch deutlich geringer. Zudem geht ein Großteil der schwachen Entwicklung in diesem Jahr allein auf das Konto der Wetterkapriolen im Februar.


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Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

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