Nach Corona-Schock und Präsidentschaftswahl

Langsame Rückkehr zur Normalität in der US-Chemie

Im Zuge der Präsidentschaftswahl in den USA hat der VCI die aktuelle Chemiekonjunktur des Landes analysiert. Nach einem Corona-Schock im ersten Halbjahr setzte im dritten Quartal eine rasche und kräftige Erholung ein. Allerdings ist die Corona-Krise noch lange nicht überwunden, und es gibt politische Spannungen, weil der amtierende US-Präsident Trump den Wahlsieg von Joe Biden nicht anerkennt. Daher rechnet der VCI für das US-Chemiegeschäft nur mit einer zögerlichen Erholung.

Der VCI rechnet für das US-Chemiegeschäft nur mit einer zögerlichen Erholung. Das Vorkrisenniveau dürfte frühestens Anfang 2022 wieder erreicht werden. - Foto: © (c) VCI/Daniel
Der VCI rechnet für das US-Chemiegeschäft nur mit einer zögerlichen Erholung. Das Vorkrisenniveau dürfte frühestens Anfang 2022 wieder erreicht werden. - Foto: © (c) VCI/Daniel

Die coronabedingte Weltwirtschaftskrise hat in den USA, wie in anderen Ländern, zu einem kräftigen konjunkturellen Schock geführt. Im zweiten Quartal brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9 Prozent ein. Damit fand der seit zehn Jahren andauernde Aufschwung der US-Wirtschaft ein jähes Ende. Das schlug auch auf die Industrie durch. Das verarbeitende Gewerbe hatte allerdings schon seit Mitte 2019 mit einer schwächeren Nachfrage zu kämpfen. Handelsstreitigkeiten und Protektionismus dämpften die wirtschaftliche Expansion. Im zweiten Quartal 2020 stürzte die Industrieproduktion wegen des Shutdowns regelrecht ab (-16 Prozent).

Schwierige Lage im Chemiegeschäft

Das US-Chemiegeschäft konnte sich dem Nachfrageeinbruch nicht entziehen. Die Chemieproduktion (ohne Pharma) sackte im zweiten Quartal kräftig ab (-7 Prozent gegenüber Vorjahr). Entsprechend niedrig fiel die Kapazitätsauslastung aus, die mit 74,4 Prozent rund 8 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt lag. Alle Sparten rutschten im Zuge der Corona-Krise – teils kräftig – ins Minus. Mit einem Rückgang von 16,2 Prozent traf es die industrienahen Fein- und Spezialchemikalien besonders hart.

Im dritten Quartal setzte allerdings eine rasche und kräftige Erholung ein, sodass die Chemieproduktion (ohne Pharma) mittlerweile nur noch 4,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegt.

Deutlich positiver entwickelten sich die Umsätze der Branche, die zuletzt das Vorkrisenniveau erreicht haben. Hier dürften Verknappungen einzelner Produkte und entsprechende Preissteigerungen in einzelnen Segmenten eine Rolle gespielt haben. Aktuell liegen die Erzeugerpreise für chemische Produkte (ohne Pharma) rund 4,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Dank steigender Preise im Pharmageschäft sieht es für die Gesamtchemie etwas besser aus. Hier beträgt das Minus nur noch rund 1,5 Prozent.

Erholung der Wirtschaft braucht Zeit

Die Überwindung der Krise und eine Rückkehr zur Normalität wird Zeit brauchen. Bis zur Verfügbarkeit von wirksamen Impfungen oder Medikamenten, werden umfangreiche Hygienemaßnahmen in Kraft bleiben. In einigen Branchen, wie dem Flugsektor, wird auf absehbare Zeit kein „Normalbetrieb“ möglich sein. Auch in der Industrie werden die Schutzmaßnahmen aufrechterhalten werden und damit das Tempo drosseln. Darüber hinaus werden derzeit in vielen Ländern Lockerungsmaßnehmen zurückgenommen, da eine zweite Infektionswelle mit Wucht anrollt. Dies gilt auch für die USA: Hier stiegen die Infektionszahlen zuletzt wieder deutlich an. Von Entwarnung kann daher keine Rede sein.

Auch politisch bleibt es unruhig. Joe Biden wurde zwar am 3. November 2020 mit knapper Mehrzeit zum 46. Präsidenten der USA gewählt. Der noch amtierenden Präsident Trump erkennt das Wahlergebnis aber nicht an und klagt derzeit in mehreren Verfahren. Sollte das zu einer längeren Hängepartie führen, wäre das Gift für die wirtschaftliche Erholung. Nicht zuletzt hat Trump den Handelskonflikt mit China vor der Wahl wieder angeheizt.

Insofern sind die Aussichten alles andere als rosig, wenngleich das Wahlergebnis Hoffnung auf einen politischen Kurswechsel im Weißen Haus macht. Insgesamt rechnet der VCI im US-Chemiegeschäft nur mit einer zögerlichen Erholung. Das Vorkrisenniveau dürfte frühestens Anfang 2022 wieder erreicht werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Volksw. Christian Bünger

E-Mail: christian.buenger@vci.de