Chemiekonjunktur in Asien

Gestärkt heraus aus der Corona-Krise

09. Februar 2021 | Bericht

Asien ist der größte Chemiemarkt der Welt – Tendenz steigend. Viele asiatische Länder hatten im Verlauf der Corona-Pandemie schwächere Wirtschaftseinbrüche als westliche Industriestaaten. Sie dürften gestärkt aus der Krise kommen. Die Regierungen in China, Indien, Japan und Südkorea unterstützen die Erholung zusätzlich, um ihre Industrie krisenfester zu machen und zu modernisieren. Das verbessert auch das langfristige Wachstumspotenzial. Für deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen wird die Bedeutung Asiens zukünftig noch weiter zunehmen.

Blick auf die Skyline von Shanghai in China: Das Land ist die weltweit stärkste Wachstumslokomotive und treibt die Entwicklung der gesamten Region voran. - Bild: © eyetronic - fotolia.com
Blick auf die Skyline von Shanghai in China: Das Land ist die weltweit stärkste Wachstumslokomotive und treibt die Entwicklung der gesamten Region voran. - Bild: © eyetronic - fotolia.com

Die Corona-Pandemie hat China als größtem Chemiemarkt der Welt im ersten Quartal 2020 einen nie gesehen Einbruch beschert. Bereits im März folgte aber eine kräftige Erholung, die sich im Jahresverlauf kontinuierlich fortsetzte. Am Jahresende lagen die chinesischen Wachstumsraten sogar über denen der Vorjahre. Fördermaßnahmen ließen insbesondere die Infrastrukturinvestitionen und die Industrieproduktion dynamisch wachsen. Die chinesische Chemieindustrie profitierte von der Erholung ihrer Industriekunden. Auch staatlich angekurbelte Bauprojekte befeuerten die Nachfrage. Zusätzlich profitierte das Land vom hohen Bedarf des Auslands nach Medizinprodukten und Pharmazeutika. Im Gesamtjahr 2020 konnte China ein deutliches Plus von über 2,5 Prozent bei der Chemie- und Pharmaproduktion verbuchen.

Südkorea kommt gut durch die Corona-Krise

Durch umfangreiche Testungen und eine strikte Nachverfolgung konnte Südkorea Lockdown-Maßnahmen seit Beginn der Pandemie weitgehend vermeiden. Der Wirtschaftseinbruch fiel daher deutlich moderater aus als in allen anderen Staaten. Abkoppeln von den weltweiten Entwicklungen konnte sich Südkorea aber nicht, was die Chemie- und Pharmaindustrie vor Ort zu spüren bekam. 80 Prozent ihrer Umsätze generiert die Branche mit industrienahen Produkten. Das ist deutlich mehr als in den meisten anderen Ländern. Die Nachfrageeinbrüche bei industriellen Kunden führten daher in der Hochphase der Pandemie im Frühjahr 2020 zu kräftigen Rückgängen, die aber auch schnell wieder aufgeholt werden konnten. Hierbei halfen die über die Jahre aufgebauten engen Lieferbeziehungen zu China. Insgesamt ging die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Südkorea 2020 um rund 1,5 Prozent zurück.

Hart getroffenes Indien

Die Wirtschaft des Landes wurde wie nirgendwo sonst auf der Welt von der Corona-Pandemie erwischt. Ein Viertel der indischen Wirtschaftskraft brach im Frühjahr 2020 weg. Die Industrie verbuchte zur gleichen Zeit Einbrüche von gut 40 Prozent. Anders lief es in Indiens Chemie- und Pharmabranche: Zwar ging auch hier die Produktion aufgrund von Nachfrageausfällen und Problemen mit den Lieferketten im Frühjahr zurück. Aber das Minus fiel mit knapp 17 Prozent deutlich geringer aus als in der Industrie insgesamt. Auch die Erholung im Jahresverlauf war so stark, dass bereits im dritten Quartal das Vorkrisenniveau wieder übertroffen wurde. Insgesamt lag die Chemie- und Pharmaproduktion im Gesamtjahr 2020 nur um rund 3,5 Prozent unter Vorjahr. Geholfen hat die starke Ausrichtung auf Pharmazeutika, mit denen über 30 Prozent der Branchenumsätze generiert werden.

Japan schneidet am schlechtesten ab

Japan war aus einer ungünstigen Ausgangslage in das Krisenjahr 2020 gestartet. Eine Mehrwertsteuererhöhung und die Handelskonflikte zwischen China und den USA hatten der Wirtschaft bereits zugesetzt. Die Nachfrageausfälle durch die Corona-Pandemie – insbesondere auf den Exportmärkten – ließen dann das BIP und die Industrieproduktion weiter einbrechen. Auch die Chemie- und Pharmaindustrie konnte sich diesem Abwärtssog nicht entziehen. Der Rückgang in der Branche fiel im Frühjahr 2020 mit einem Minus von knapp 8 Prozent geringer aus als in der Industrie insgesamt (-20 Prozent). Aber die Erholung setzte bisher auch nur sehr verhalten ein. Japans Weg aus der Krise wird lange dauern.

Mit Schwung aus der Krise

Mit den ersten Zulassungen von Impfstoffen gegen Covid-19 hat die Erholung der Weltwirtschaft zum Jahresbeginn 2021 Fahrt aufgenommen. Viele asiatische Volkswirtschaften dürften dabei gestärkt aus der Krise kommen. Mit China hat Asien außerdem die weltweit stärkste Wachstumslokomotive in seiner Mitte, was für die Nachbarstaaten einen zusätzlichen Schub bedeutet. Zusätzlich flankieren die Staaten die einsetzende Erholung mit zahlreichen Maßnahmen zur Strukturveränderung.

Die langfristigen Ziele der chinesischen Regierung zielen auf eine Ausdehnung des Binnenkonsums und einer Reduktion der Exportabhängigkeit. Indien möchte mehrere Milliarden in die Industrieförderung investieren, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Japans Regierung will die Wirtschaft mit umfangreichen Stützungsmaßnahmen stabilisieren und krisenresilienter machen. Südkorea baut seinerseits die gute Stellung auf den Zukunftsmärkten aus. Die asiatischen Staaten setzen bei ihren Wachstumsstrategien mit dem Abkommen „Regional Comprehensive Economic Partnership“ (RCEP) auch vermehrt auf Freihandel.

Die asiatische Chemie- und Pharmaindustrie ist bei den Zukunftsthemen insgesamt gut positioniert. In der Chemieforschung, bei Chemie- und Pharmapatenten und beim Handel mit forschungsintensiven Chemiewaren holen die asiatischen Länder immer weiter auf. Damit ist das langfristige Wachstumspotenzial hoch. Die Bedeutung Asiens als Wachstumsmarkt und als Chemiestandort wird damit auch für deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen weiter zunehmen.

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Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

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