Wassergefährdungsklassen

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Seit dem Jahr 1999 müssen Stoffe und Gemische in Deutschland gemäß einer Verwaltungsvorschrift in Wassergefährdungsklassen (WGK) eingestuft werden. Diese Vorschriften wurden jetzt in die neue Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) integriert, die am 1. August 2017 in Kraft tritt.

Im Wesentlichen bleiben die ursprünglichen Vorgaben aus der alten Verwaltungsvorschrift erhalten:

  • Die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen einer Anlage richten sich im Wesentlichen nach den WGKs der in der Anlage gehandhabten Stoffe und Gemische.
  • Es wird zwischen drei Wassergefährdungsklassen unterschieden:
    • WGK 1: schwach wassergefährdend
    • WGK 2: deutlich wassergefährdend (der Zusatz „deutlich“ ist neu)
    • WGK 3: stark wassergefährdend

  • Verantwortlich für die Einstufung ist in erster Linie der Betreiber der Anlage. Oft dokumentiert aber auch schon der Hersteller, Importeur oder Lieferant die Einstufung von Stoffen und Gemischen im Sicherheitsdatenblatt.
  • Die WGK-Einstufung von Stoffen muss mit einem Formblatt an das Umweltbundesamt (UBA) gemeldet werden. Dies gilt jedoch nur, falls diese nicht schon in der UBA-Datenbank „Rigoletto“ , die bereits Einstufungen für über 10.000 Stoffe enthält, veröffentlicht ist. Außerdem gibt es Gruppeneinstufungen zu bestimmten Gemischen z. B. zu Polymerdispersionen oder Farbmittelzubereitungen. Die in Rigoletto veröffentlichten Einstufungen bleiben weiterhin gültig.
  • Stoffe, die nicht in der Datenbank aufgeführt sind, sind automatisch WGK 3. Auch hier ist keine Meldung an das UBA erforderlich.
  • Liegen dem Unternehmen neue Erkenntnisse vor, die zu einer Änderung der veröffentlichten WGK führen (z. B. durch eine geänderte Einstufung nach der CLP-Verordnung), muss er dies dem UBA unverzüglich schriftlich mitteilen.
  • Bevor Unternehmen einen Stoff selbst in eine WGK einstufen, sollten sie in dieser Datenbank nachschauen, ob der Stoff nicht bereits eingestuft ist.
  • Die Einstufung von Gemischen erfolgt wie bisher auch aus den WGKs der Einzelstoffe nach der vorgegebenen Mischungsregel. Sie muss intern im Unternehmen dokumentiert, aktuell gehalten und auf Anfrage von Behörden vorgelegt werden. Außerdem ist nach wie vor eine Einstufung durch Tests am Gemisch möglich.

Folgende wichtige Neuerungen gibt es unter anderem:

  • Grundlage zur Einstufung von Stoffen sind zukünftig nicht mehr die R-Sätze aus der alten, nicht mehr gültigen Stoffrichtlinie 67/548/EWG, sondern die Einstufung in H-Sätze nach der neuen CLP-Verordnung EG Nr. 1272/2008. Die AwSV enthält eine Tabelle mit H-Sätzen, die zur WGK-Einstufung berücksichtigt werden müssen. Wie bisher auch, sind bei der WGK-Berechnung bestimmte Vorgabewerte zu berücksichtigen, falls ein Stoff nicht in bestimmte H-Sätze eingestuft wurde, weil entsprechende toxikologische Prüfungen fehlen.
  • Falls ein Stoff aufgrund seiner besonderen akut oder chronisch stark wassergefährdenden Eigenschaften im Rahmen der CLP-Verordnung ein M-Faktor erhalten hat, muss dieser zukünftig bei der WGK-Einstufung von Gemischen im Rahmen der Anwendung der Mischungsregel berücksichtigt werden.
  • Die AwSV definiert einige Stoffe und Gemische, wie z. B. bestimmte Abfälle oder aufschwimmende Flüssigkeiten, die nicht in WGKs eingestuft werden, sondern die in der Regel zukünftig als „allgemein wassergefährdend“ gelten.

Zum Bericht im "chemie report" (Ausgabe 6/2017) PDF 146 Kb

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Michael Lulei

E-Mail: lulei@vci.de


Wassergefährdungsklassen - Informationen im Internet

Stand: 31.01.2018
Wichtige Informationen zur Einstufung von Stoffen in Wassergefährdungsklassen sind beim Umweltbundesamt als zuständige Behörde erhältlich. Mehr