VCI-Position kompakt

Steuerliche Wettbewerbsfähigkeit

Die chemisch-pharmazeutische Industrie investiert hierzulande jedes Jahr mehr als 18 Milliarden Euro. Damit dies so bleibt, muss die Bundesregierung Antworten auf die internationalen steuerpolitischen Entwicklungen finden. Seit der letzten großen Reform 2008 wurde wenig unternommen, um die steuerlichen Bedingungen zu verbessern.

Im Gegenteil: Politische Entscheidungen haben zu Mehrbelastungen geführt. So wurden unter anderem die Bemessungsgrundlage deutlich verbreitert und die Gewerbesteuer schleichend erhöht. Aktuell wird durch die Corona-Pandemie sogar der Ruf nach einer Vermögensteuer laut, um die enormen Belastungen gegenzufinanzieren.

Pandemie verschärft die Lage

Für die durch die Pandemie in Bedrängnis geratenen Unternehmen ist der Erhalt der Liquidität oberstes Gebot. Umso mehr ist ein Nachsteuern bei der Verlustverrechnung der Corona-Verluste dringend geboten. Eine faire Verlustverrechnung wirkt unmittelbar und stellt in einer zeitlichen Gesamtbetrachtung kein Steuergeschenk dar. Darüber hinaus sollte gerade jetzt eine Steuerreform im Sinne der Unternehmen angegangen werden. Denn nur eine international wettbewerbsfähige Wirtschaft wird auf lange Sicht für sprudelnde Steuereinnahmen sorgen. Derzeit ist das Gegenteil der Fall: Deutschland fällt im internationalen Standortwettbewerb immer weiter zurück. In Europa liegen die Unternehmenssteuersätze im Durchschnitt unter 21 Prozent – hierzulande hingegen deutlich über 30 Prozent. Durch die schleichende Erhöhung der Gewerbesteuer in vielen Städten und Gemeinden sind die Steuersätze für die Unternehmen sogar auf bis zu 35 Prozent gestiegen. Steuerpolitisch gehört Deutschland damit weltweit zu den Schlusslichtern.

Hohe Verbundenheit mit dem Standort

Viele international tätige Unternehmen in Deutschland zahlen hierzulande einen überproportional hohen Anteil ihrer Ertragsteuern: Obwohl laut einer VCI-Umfrage manche Firmen nur noch rund 20 Prozent ihres weltweiten Umsatzes in Deutschland erzielen, entrichten sie hier bis zu 60 Prozent der weltweiten Ertragsteuern. Hinzu kommen Energie- und Grundsteuern sowie auch positive Aufkommenseffekte wie Lohnsteuer und Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung durch die überproportional hohe Mitarbeiterzahl im Inland.

Steuerbelastungen reduzieren

Aufgrund der bereits hohen Steuerbelastung müssen Verschärfungen des Außensteuerrechts oder Doppelbesteuerungen bei grenzüberschreitenden Aktivitäten der Unternehmen in Deutschland vermieden werden. In einem weiteren Schritt muss die Belastung auf ein international vergleichbares Niveau und damit auf mindestens 25 Prozent reduziert werden.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Verlustverrechnung fair gestalten und Unternehmensteuern senken
    Eine faire Berücksichtigung von Corona-Verlusten ist ein sehr wirkungsvoller Hebel, um die Liquidität in Bedrängnis geratener Unternehmen zu erhalten. Zudem muss der Reformstau beseitigt werden, damit Deutschland international Schritt halten kann. Die Unternehmensteuern müssen auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau und damit auf mindestens 25 Prozent gesenkt werden.
  • Unternehmensteuerrecht wettbewerbsfähig gestalten und Bürokratieaufwand senken
    Deutschland braucht eine Modernisierung des Unternehmensteuerrechts. Auslandsaktivitäten der Unternehmen sollten gegenüber vergleichbaren Inlandstätigkeiten nicht mehr zu einer höheren Steuerbelastung in Deutschland führen. Hierzu muss endlich die Anrechnung ausländischer Steuern auf die Gewerbesteuer ermöglicht und die viel zu hohe Niedrigsteuerlandschwelle im Außensteuergesetz von 25 auf 15 Prozent gesenkt werden.
  • Neue Belastungen vermeiden, um Unternehmen zu stärken
    Die OECD-Entwürfe zur Neuordnung der internationalen Besteuerungsrechte und globalen Mindestbesteuerung müssen radikal vereinfacht werden, um keine neuen bürokratischen Lawinen auszulösen. Eine Vermögensabgabe besteuert die Unternehmenssubstanz und bringt Unternehmen in der Rezession zu Fall.

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RAin Chin Chin King

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