VCI-Position kompakt

Steuerliche Forschungsförderung

Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie gehört zur Weltspitze bei Innovationen: Nach den USA, China und Japan belegt Deutschland bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) Platz 4. Doch die Gewichte verlagern sich rasant vor allem zugunsten asiatischer Staaten, die mit deutlichen Steuervorteilen werben.

Sie haben den volkswirtschaftlichen Wert von Innovationen erkannt und fördern diese daher intensiv. Der Wettbewerb wird insgesamt härter. Die corona-bedingte Wirtschaftskrise verschärft die Situation weiter.

Deutschland hat 2017 das „Lissabon-Ziel“ mit einem FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt von etwas mehr als 3 Prozent erstmals erreicht. Weitere Anstrengungen sind nötig, um das von Politik und Wirtschaft angestrebte „3,5-Prozent-Ziel“ bis 2025 zu realisieren. Eine konsequente Umsetzung der kürzlich beschlossenen steuerlichen Forschungsförderung könnte helfen, zusätzliche FuE-Investitionen der Unternehmen auszulösen.

Deutschland zieht endlich nach

Der Bundestag hat 2020 das „Gesetz zur Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung“, kurz „Forschungszulagengesetz“, verabschiedet und im Rahmen des „Zukunftspakets“ bis 2025 aufgestockt. Antragsberechtigt sind alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe. Maximal können Unternehmen jetzt 1 Million Euro statt 500.000 Euro für Forschungsaufwendungen jährlich steuerlich geltend machen. Das stärkt den Hightech-Standort Deutschland. Langfristig und unbefristet muss das Volumen aber nun wachsen, damit größere Investitionsanreize entstehen.

Der Auftraggeber kann künftig auch Forschungsaufträge steuerlich geltend machen, denn er trägt schließlich die Kosten und das Risiko. Davon profitieren vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die keine eigenen FuE-Kapazitäten haben.

Das Gesetz sieht eine „Beauftragte Stelle“ vor, die die Anträge der Unternehmen prüfen soll. Dies sollte mit möglichst wenig Bürokratie erfolgen.

Nach fünf Jahren wird das Gesetz evaluiert. Das ermöglicht eine praxisgerechte Weiterentwicklung, sofern transparente, spezifische Bewertungskriterien vorliegen.

Wichtig ist, dass die Projektförderung ohne Einschränkungen beibehalten wird. Sie unterstützt die verschiedenen Formen von Forschungskooperationen.

Steueranreize sind Entscheidungskriterium

Alle Unternehmen der deutschen Industrie, vor allem international tätige, betrachten steuerliche Forschungsanreize in angemessener Höhe zunehmend als wichtiges Entscheidungskriterium für Investitionen in einen Forschungsstandort oder in Forschungsprojekte.

Eine steuerliche Förderung der Forschung für alle Unternehmen steigert die FuE-Ausgaben und trägt zu gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinnen bei. Dies unterstreichen verschiedene Studien und Expertengremien, nach deren Berechnungen Steuermehreinnahmen von rund 750 Millionen Euro pro Jahr aus den durch die steuerliche Forschungsförderung ausgelösten Innovationsgewinnen zu erwarten sind. Ein „Return on Investment“ für den Staatshaushalt wäre so gegeben.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Mittelfristig Tax Credit in Höhe von 10 Prozent gewähren
    Das Fördervolumen je Unternehmen sollte im Laufe der Zeit deutlich erhöht werden. Nur dann können die FuE-Aktivitäten der Wirtschaft substanziell gesteigert und ein noch deutlicherer Beitrag zum Erreichen des „3,5-Prozent-Ziels“ geleistet werden: So sollte jedes Unternehmen 10 Prozent aller seiner eigenfinanzierten FuE-Aufwendungen, unter anderem für Personal, Sachmittel und Auftragsforschung, von seiner Steuerschuld ohne Obergrenze abziehen dürfen („Tax Credit“).
  • Praxisgerecht in der Verwaltung umsetzen
    Um eine effektive Fördermaßnahme vor allem für den Mittelstand zu ermöglichen, sollten die Antragsverfahren und die Umsetzung praktikabel und unbürokratisch sein. Die „Beauftragte Stelle“ sollte bundeseinheitlich organisiert sein.
  • Transparente Kriterien für Evaluierung
    Notwendig sind nachvollziehbare Kriterien, um die Effizienz der Forschungsförderung prüfen zu können. Sie sollten zum Beispiel die Entwicklung der FuE-Ausgaben in den Unternehmen berücksichtigen.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de