VCI-Position kompakt

Industriepolitik

20. Oktober 2021 | Position

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Das Ende des fossilen Zeitalters bringt einen fundamentalen Umbau der globalen Wirtschaft mit sich. Diese Transformation findet in einem Umfeld statt, in dem der internationale Handel gestört ist und Länder durch strategische Industriepolitik Wettbewerbsvorteile anstreben.

Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft sind Innovationen. Das hat auch die Corona-Pandemie gezeigt, als Impfstoffe in Rekordzeit entwickelt wurden. Die Wirtschaft sucht auf Basis neuer Verfahren nachhaltige Lösungen – von der Biotechnologie über die Digitalisierung bis zur Wasserstoffwirtschaft, von neuen Antriebstechnologien bis zu neuen Verfahren für eine treibhausgasneutrale Produktion. Die chemisch-pharmazeutische Industrie spielt dabei oft eine Schlüsselrolle. Die Transformation wird aber nur mit den richtigen industriepolitischen Weichenstellungen gelingen. Für Innovationen, den Umbau der Energieversorgung und den Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur sind agile Verwaltungen, ein verlässlicher Ordnungsrahmen, attraktive Standortbedingungen und schnelle Genehmigungen unerlässlich.

Green Deal braucht starke Industriestrategie

Die Chemie- und Pharmaindustrie steht vor der Herausforderung treibhausgasneutral, schadstofffrei und digital zu werden und sich auf eine zirkuläre Wirtschaftsweise umzustellen. Zugleich verändert nicht nur die EU-Chemikalienstrategie, sondern die Gesamtheit aller Initiativen des Green Deals der EU die Rahmenbedingungen für die Branche grundlegend. Daher müssen die politischen Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt sein und Innovationen unterstützen und dürfen die Unternehmen nicht überfordern.

Massive Investitionen in Klimaschutz nötig

Eine weitere Herausforderung: Die Branche ist auf immense Mengen erneuerbarer Energien und Wasserstoff angewiesen – und zwar schnell. Steigende Energiepreise deuten aktuell an, welche Risiken aus schlechter Klima- und Energiepolitik erwachsen können. Deutschland und Europa werden ihre Klimaschutzziele nur erreichen, wenn die öffentliche Hand und die private Wirtschaft massiv in neue Technologien investieren. Um die Industrie auf dem Transformationspfad zu unterstützen, ist ein industriepolitisches Programm nötig. Das Bundeswirtschaftsministerium und die Chemie- und Pharmaindustrie haben bereits zielführende Maßnahmen identifiziert, die als Vorlage dienen können.

Die neue Bundesregierung sollte zudem über einen Transformationsfonds die Förderung von Innovationen und Investitionen der Industrie unterstützen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Keine Transformation ohne Innovation
    Damit es mehr Innovationen für nachhaltige Produkte und Prozesse gibt, muss die Förderung von Forschung und Innovationen ausgebaut und technologieoffen gestaltet werden. Es bedarf einer gut ausgestatteten Projektförderung sowie eines besseren Zugangs zu Wagniskapital.
  • Treibhausgasneutralität erfordert Umbau der Energie- und Rohstoffversorgung
    Die Transformation benötigt große Mengen erneuerbaren Stroms zu bezahlbaren Preisen. Dazu müssen Kapazitäten und Infrastrukturen schnell ausgebaut und die Finanzierung umgestellt werden. Die Wasserstoff- und die Kreislaufwirtschaft müssen entwickelt und die Forschung zu chemischem Recycling forciert werden.
  • Industriestrategie der EU an Transformation ausrichten
    Die EU-Kommission sollte mit ihrer EU-Industriestrategie Kohärenz ihrer Programme und gute Investitionsbedingungen schaffen. Die EU muss ihre internationalen Beziehungen weiterentwickeln, statt primär auf Autonomie zu setzen – durch Diversifizierung der Lieferketten sollte mehr Resilienz angestrebt werden.
  • Industrie in Deutschland durch engagierte Standortpolitik stärken
    Die neue Bundesregierung muss die Transformation der Wirtschaft dadurch unterstützen, dass Genehmigungsverfahren effizienter werden, moderne Verkehrs-, Energie- und Digitalinfrastrukturen entstehen und die Unternehmenssteuern an das internationale Niveau angepasst sowie Mittel zur Unterstützung der Investitionen in die Transformation der Unternehmen mobilisiert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Matthias Blum

Kontaktperson

Dr. Matthias Blum

Industriepolitik, Bereichsleitung: Außenwirtschaft