VCI-Position kompakt

Industriepolitik

04. Juni 2021 | Position

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Das Umfeld der Industrie ist und bleibt herausfordernd: Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft geschwächt, das Vorkrisenniveau ist derzeit noch nicht wieder erreicht. Gleichzeitig erfordern Klima- und Umweltschutz nachhaltige Lösungen.

Die Wirtschaft sucht bereits auf Basis neuer Verfahren nach nachhaltigen Lösungen auf vielen Ebenen - von der Biotechnologie über die Digitalisierung bis zur Wasserstoffwirtschaft, von neuen Antriebstechnologien bis hin zur Entwicklung von Verfahren für eine treibhausgasneutrale Produktion und eine zirkuläre Wirtschaftsweise. Diese Transformation muss in einem verschärften internationalen Systemwettbewerb gelingen.

Green Deal braucht starke Industriestrategie

Seit 2019 bringt die EU-Kommission ihren „Green Deal“ voran. Im Mai 2021 aktualisierte sie ihre Industriestrategie. Diese greift insbesondere die Reduzierung von Abhängigkeiten als neues Ziel auf. Aus Sicht der Chemie- und Pharmaindustrie sollte die Unterstützung der Industrie bei der Zielerreichung des „Green Deal“ im Mittelpunkt stehen. Gerade die Unternehmen stehen vor der vierfachen Herausforderung, treibhausgasneutral, zirkulär, schadstofffrei und digital zu werden. Die „Chemical Strategy for Sustainabilty“ verändert grundlegende chemiespezifische Rahmenbedingungen. Daher ist es essenziell, dass die EU ihre verschiedenen Maßnahmen aufeinander abstimmt und Innovationen mit entsprechenden Programmen unterstützt. Zudem muss der Ausbau erneuerbarer Energien und der Wasserstoffwirtschaft stärker als bisher geplant vorangetrieben werden.

Massive Investitionen in Klimaschutz nötig

Derzeit werden – auch im Kontext der kommenden Bundestagswahl – die deutschen Klimaschutzziele weiter verschärft. Deutschland wird diese nur dann erreichen können, wenn massiv in neue Technologien investiert wird oder es zu einer De-Industrialisierung kommt. Der erste Weg sollte das Mittel der Wahl sein, erfordert jedoch schnelle Weichenstellungen.

Um die Industrie auf ihrem Transformationspfad zu unterstützen, ist in Deutschland ein Modernisierungsprogramm nötig, das über das deutsche Corona-Wiederaufbauprogramm hinausgeht. Bundeswirtschaftsministerium und die Chemie- und Pharmaindustrie haben zielführende Maßnahmen in einem gemeinsamen Zukunftsdialog identifiziert: Die neue Bundesregierung muss etwa an der Förderung von Innovationen und Investitionen der Industrie in Biotechnologie, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und CO2-arme oder- freie Technologien ansetzen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Transformation erfordert Umbau der Energie- und Rohstoffversorgung
    Die Chemie benötigt für ihre Transformation große Mengen erneuerbaren Stroms zu wettbewerbsfähigen Preisen. Dazu müssen die Kapazitäten und die Infrastruktur ausgebaut werden. Auch die Wasserstoff- und die Kreislaufwirtschaft müssen entwickelt und die Forschung zu chemischem Recycling intensiviert werden.
  • Keine Transformation ohne Innovationen
    Damit es mehr Innovationen für nachhaltige Produkte und Prozesse gibt, sollte die Forschungsförderung ausgebaut und technologieoffen gestaltet werden. Es bedarf einer gut ausgestatteten Projektförderung sowie eines besseren Zugangs zu Wagniskapital.
  • Industriestrategie der EU stetig weiterentwickeln, Kohärenz im Green Deal schaffen
    Die EU-Industriestrategie enthält Bausteine, damit der „Green Deal“ eine Wachstumsstrategie wird. Es bleiben aber weiter Lücken. Die EU-Kommission sollte auf Kohärenz ihrer Programme achten und auf Wettbewerb im Binnenmarkt, Technologieoffenheit und gute Investitionsbedingungen setzen. Die globale Integration der EU muss erhalten und weiterentwickelt werden.
  • Industrie in Deutschland durch engagierte Standortpolitik stärken
    Die nächste Bundesregierung muss die Transformation der Wirtschaft durch Programme unterstützen, die Genehmigungsverfahren effizienter machen, moderne Verkehrs-, Energie- und Digitalinfrastrukturen aufbauen und Mittel zur Unterstützung der Investitionen in die Transformation der Unternehmen bereitstellen.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Matthias Blum

Kontaktperson

Dr. Matthias Blum

Industriepolitik, Bereichsleitung: Außenwirtschaft