VCI-Position kompakt

Nationale und europäische Industriestrategien

Das Umfeld der Industrie ist und bleibt herausfordernd: Die Corona-Pandemie hat zu einer globalen Rezession geführt. Zudem erfordern Klima- und Umweltschutz nachhaltige Lösungen.

Die EU-Kommission möchte diese unter anderem im Kontext ihres ambitionierten Green Deal forcieren. Gleichzeitig ändert sich die globale Wirtschaftsordnung. Die Wirtschaft sucht bereits auf Basis neuer Verfahren nach nachhaltigen Lösungen auf möglichst allen Ebenen: von der Biotechnologie über die Digitalisierung bis zur Wasserstoffwirtschaft, von neuen Antriebstechnologien bis hin zur Entwicklung von Verfahren für eine treibhausgasneutrale Produktion und eine zirkuläre Wirtschaftsweise.

Gesucht: ein Transformationsprogramm

Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat 2019 die „Industriestrategie 2030“ vorgelegt. Im Zuge der Corona-Pandemie folgte das Konjunktur- und Zukunftspaket. Parallel wurden auf EU-Ebene Unterstützungs¬ansätze beschlossen. So wichtig die verschiedenen Maßnahmen waren: Es sind doch Leerstellen verblieben. Um die Industrie auf ihrem Transformationspfad zu unterstützen, ist in Deutschland ein langfristig orientiertes Transformationsprogramm nötig – auch, um im EU-Wett¬bewerb nicht zurückzufallen. Dieses Programm sollte an der Förderung von Innovationen, am Ausbau der Verkehrs-, Energie- und Digital¬infrastruktur sowie an Investitionen der Industrie in Biotechnologie, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und CO2-arme oder- freie Technologien ansetzen.

Green Deal braucht starke Industriestrategie

Ende 2019 stellte die EU-Kommission ihren Green Deal sowie im März 2020 ihre Industriestrategie vor. Im Sommer begann die Arbeit an ihrem „Recovery and Resilience Fund“. Die EU-Industriestrategie wird im ersten Halbjahr 2021 überarbeitet. Sie muss den Instrumentenkasten der EU ausbauen, der der Industrie dabei hilft, die Anforderungen des Green Deal und der Transformation zu bewältigen. Dabei geht es unter anderem um den Ausbau erneuerbarer Energien und der Wasserstoff- und Kreislaufwirtschaft sowie um die Förderung von Innovation und Investitionen. Zudem müssen geeignete Monitoring-Mechanismen entwickelt werden, um zu verhindern, dass der Green Deal und die Transformation an unrealistischen Anforderungen und utopischen Zielen scheitern.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Industriestrategie in Deutschland durch Transformationsprogramm stärken
    Die deutsche Industriepolitik muss die Transformation der Wirtschaft durch ein Programm unterstützen, das effiziente Verfahren schafft, moderne Infrastrukturen aufbaut und die nötigen Mittel zur Unterstützung der Investitionen in die Transformation der Unternehmen bereitstellt. Der Zukunftsdialog zwischen Bundeswirtschaftsministerium und chemisch-pharmazeutischer Industrie kann die Rolle der Chemie in der Transformation der Wirtschaft definieren.
  • Industriestrategie der EU mit Substanz füllen
    Die EU braucht eine kraftvolle Industriestrategie, damit der Green Deal zu einer Wachstumsstrategie wird. Die EU-Kommission sollte dabei auf Wettbewerb statt Planwirtschaft sowie auf den Binnenmarkt, Technologieoffenheit, Innovationen und gute Investitionsbedingungen setzen. Dabei muss die globale Integration der EU erhalten und weiterentwickelt werden.
  • Transformation durch Umbau der Energie- und Rohstoffversorgung
    Für ihre Transformation benötigt die Chemie große Mengen erneuerbaren Stroms zu wettbewerbsfähigen Preisen. Dazu müssen die Kapazitäten und die Infrastruktur ausgebaut werden. Auch die Wasserstoff- und die Kreislaufwirtschaft müssen entwickelt und die Forschung zu chemischem Recycling intensiviert werden.
  • Keine Transformation ohne Innovationen
    Damit es mehr Innovationen für nachhaltige Produkte und Prozesse gibt, sollte die Forschungsförderung ausgebaut und technologieoffen gestaltet werden. Es bedarf einer gut ausgestatteten Projektförderung sowie eines besseren Zugangs zu Wagniskapital. Zudem sollte die Politik sich dafür einsetzen, dass der gesellschaftliche Dialog über neue Technologien möglichst rational und ideologiefrei geführt wird.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de