Studie im Auftrag von ZEW und CWS im Auftrag des VCI

Innovationsindikatoren Chemie 2018

Die Studie setzt die regelmäßige Darstellung der Innovationsleistung der deutschen Chemieindustrie fort. Sie stellt anhand ausgewählter Indikatoren aktuelle Entwicklungen und Trends bei Forschung und Innovation im Wissenschafts-, Technologie- und Industriefeld Chemie dar. Betrachtet wurde dabei die chemische Industrie im engeren Sinne (ohne Pharma). Das Schwerpunktthema der diesjährigen Studie ist die Digitalisierung. Hier wurden Chemie- und Pharmabranche gemeinsam betrachtet.

Innovationsindikatoren Chemie 2018
© ZEW; CWS

Broschüre
29 Seiten / DIN A4

Zielgruppe:
Mitgliedsunternehmen, Ministerien, Behörden, Politiker, Medien, breite Öffentlichkeit

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Die vorliegende Studie wurde vom VCI in Auftrag gegeben. Erstellt wurde sie vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW, Mannheim) und dem Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) der Leibniz Universität Hannover.

Im jährlichen Standardteil der Studie werden sowohl Indikatoren zur wissenschaftlichen Seite der Chemie beleuchtet als auch Input- und Output-Indikatoren der Innovationsleistung der Chemieindustrie. Untersucht wird dabei die chemische Industrie im engeren Sinne, also ohne die pharmazeutische Industrie. Die chemische Industrie umfasst somit in diesem Bericht die Herstellung von Chemikalien ohne die Herstellung von Arzneimitteln, also Abteilung 20 der Wirtschaftszweigsystematik 2008.Betrachtet werden folgende Aspekte:

  1. Studienanfänger und Studienabsolventen
  2. Lehr- und Forschungspersonal in der Wissenschaft
  3. Wissenschaftliche Publikationen
  4. Berufliche Bildung im MINT-Bereich
  5. Beschäftigung von hochqualifiziertem Personal
  6. FuE-Ausgaben und FuE-Personal der Wirtschaft
  7. FuE-Ausgaben der größten Chemieunternehmen
  8. Innovationsausgaben
  9. Innovations- und Forschungsorientierung der Unternehmen
  10. Patentanmeldungen
  11. Innovationserfolge
  12. Außenhandel mit forschungsintensiven Waren

Schwerpunktthema: Digitalisierung

In diesem Teil wurden Chemie- und Pharmaindustrie gemeinsam betrachtet, wozu eine Reihe von Analysen und Befragungen Dritter mit einbezogen wurden. Untersucht wurden die Verbreitung von Digitalisierungsanwendungen, die Relevanz der Digitalisierung für die Branche, digitale Geschäftsmodelle und Plattformen, die Digitalisierung in Produktion, Forschung sowie Aus- und Weiterbildung und die Herausforderungen der Digitalisierung.

Die Digitalisierung hat für die Branche aus mehreren Gründen eine herausragende Bedeutung:

  • Digitale Anwendungen sind in der deutschen Chemieindustrie schon weit verbreitet. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen setzen digitale Anwendungen im Produktions- und Vertriebsprozess ein, etwa in Form einer digitalen Vernetzung innerhalb der Produktion, zwischen Produktion und Logistik sowie an den Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten.
  • Der Einsatz digitaler Technologien erlaubt neue Forschungsansätze in der Chemie, wie Simulationsansätze zur Eingrenzung des Lösungsraums bei der Suche nach neuen Formulierungen oder die Analyse von unstrukturierten Massendaten mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.
  • Digitale Technologien versprechen wesentliche Produktivitätsgewinne in einer Branche, die auf Basis der etablierten Fertigungstechnik bei bereits hoch-optimierten Anlagen kaum noch weitere Effizienzsteigerungen erzielen kann. Zentrale Ansätze sind dabei u. a. ein digitales Supply-Chain-Management, modulare Anlagen sowie ein digitales Anlagenmanagementsystem.
  • Neue digitale Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sind eine wesentliche Quelle für Innovationen auch in der Chemieindustrie. Besonders groß sind die Potenziale im B2C-Bereich, etwa bei Reinigungs- und Pflegemitteln oder Kosmetika. Hier lassen sich zum Beispiel durch eine Integration von Chemieprodukten und Nutzerdaten kundenspezifische Lösungen realisieren. Aber auch im B2B-Geschäft bieten sich viele neue Innovationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Preisverrechnung anhand des – mittels digitaler Technologien optimierten – Ergebnisses (zum Beispiel der durch Pflanzenschutzmittel versorgten Fläche) oder Betreibermodelle für den Einsatz von Chemieprodukten bei Kunden.
  • Digitale Plattformen verändern auch in der Chemieindustrie den Wettbewerb. Dies gilt insbesondere für Handelsplattformen.

Die Nutzung der Chancen der Digitalisierung erfordert aus Sicht von ZEW und CWS Veränderungen in den Unternehmen, bei den Beschäftigten, in der Wissenschaft und in der Politik. Wichtige Themen sind:

  • Aus- und Weiterbildung: Eine der größten Herausforderungen des digitalen Wandels ist die Vermittlung der benötigten digitalen Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung.
  • Sicherheitsaspekte: Datenschutz und Datensicherheit stellen neue Herausforderungen dar, die Änderungen in den IT-Systemen, beim Austausch von Daten mit Geschäftspartnern und in der Datengenerierung und Datenspeicherung notwendig machen. Für KMU stellen diese Themen besondere Schwierigkeiten dar.
  • IT-Infrastruktur: Für die optimale Nutzung von Digitalisierung sind zunächst erhebliche Investitionen in die IT-Infrastruktur (Hard- und Software) und die Reorganisation von IT-Systemen nötig, weshalb vor allem KMU oft davon Abstand nehmen. Informations- und Awarenessmaßnahmen sowie die Entwicklung von KMU-kompatiblen Technologien können zu einer schnelleren Verbreitung und Nutzung auch bei KMU beitragen.
  • IT-Kompatibilität: Integrierte digitale Wertschöpfungsnetzwerke setzen einheitliche Schnittstellen, gemeinsame Datenstandards und oft auch die Offenheit von Software-Tools voraus. Als Hemmnis wirken derzeit Probleme bei der Nutzung verschiedener digitaler (Software-)Werkzeuge, hohe Kosten bei der Pflege von Modellen und ein großer Bestand an nur unzureichend digitalisierten Altanlagen.
  • Digitale Plattformen: Die Entwicklung digitaler, nutzerfreundlicher und innovativer Plattformen in der Chemieindustrie erfordert ein Höchstmaß an Transparenz und Offenheit, ermöglicht aber gleichzeitig die Erschließung neuer Kundengruppen sowie die Abgrenzung gegenüber Wettbewerbern aus der digitalen Wirtschaft.
  • Open Innovation: Die Öffnung von Innovationsprozessen verlangt nach neuen Organisations- und Kooperationsformen, auch was die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft betrifft.
  • Digitalisierungsstrategie: Die Unternehmen benötigen ein umfassendes Konzept, wie sie Digitalisierung in allen Funktionsbereichen und externen Beziehungen umsetzen können.

Mehr zum Thema

Zur gemeinsamen Pressemitteilung von VCI und ZEW anlässlich der Vorstellung der Studie am 5. November 2018

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Denise Schütz

E-Mail: schuetz@vci.de