Chemieorganisationen aus Wisenschaft und Wirtschaft:

Gemeinsames bildungs-, forschungs- und innovationspolitisches Positionspapier

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 haben acht Chemieorganisationen gemeinsam formuliert, welche Positionen sie in der Bildungs-, Hochschul-, Forschungs- und Innovationspolitk vertreten. Zentrale Botschaft: Deutschland braucht mehr Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung, weniger Innovationshemmnisse und eine Infrastruktur, die neue Produkte und Verfahren unterstützt. Für Gesetzgebung und Regulierung sollte neben dem Vorsorge- das Innovatiionsprinzip gelten.

Coverfotos: sdecoret und Matej Kastelic - Fotolia.com

Broschüre
6 Seiten / ohne Angabe

Zielgruppe:
Politik, breite Öffentlichkeit

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Innovationen sind ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor für eine zukunftsfähige Volkswirtschaft. Sie sichern Wettbewerbsfähigkeitund erhöhen die Lebensqualität, sorgen für nachhaltiges Wachstum und schaffen qualifizierte Beschäftigung. Als Innovationsmotor trägt die chemisch-pharmazeutische Industrie mit ihren zukunftsweisenden Produkten und Lösungen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Ein wichtiger Eckpfeiler für das Innovationssystem in Deutschland ist ein leistungsfähiges und durchlässiges Aus- und Weiterbildungssystem, das berufliche und akademische Bildung gleichwertig in den Blick nimmt. Denn gute Bildung und Qualifikation erhöhen die Chancen der Menschen, einen Arbeitsplatz zu finden, der ein auskömmliches Erwerbseinkommen bietet und verbessern die Bedingungen für gesellschaftliche Teilhabe.

Voraussetzung für ein innovationsfreundliches Umfeld ist ein hoher Stellenwert, den Staat, Wirtschaft und Gesellschaft der Förderung des wissenschaftlich-technologischen Fortschritts beimessen. Treibende Kraft für Innovationen ist der Mensch, der Freiräume zur Entfaltung seiner Kreativität, seiner Begabungen und Fähigkeiten braucht. Gerade Deutschland als führender Technologie- und Industriestandort ist darauf angewiesen, dass Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung einen höheren Stellenwert als in der Vergangenheit erhalten, um die Innovationsfähigkeit nachhaltig zu sichern.

Insbesondere der demographische Wandel erfordert vermehrte Anstrengungen zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Die duale Berufsausbildung spielt für die Nachwuchssicherung eine zentrale Rolle. Ihre Bedeutung für den Industriestandort Deutschland und die damit verbundenen Chancen müssen in der öffentlichen Debatte noch stärker herausgestellt werden. Gleichzeitig gilt es, gesellschaftliche Potenziale durch Zuwanderung oder die Heranführung lernschwacher Jugendlicher an das duale System sinnvoll zu nutzen. Mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft muss das duale System aber auch für leistungsstarke Jugendliche attraktiv bleiben. Insbesondere die Digitalisierung wird dazu führen, dass sich Veränderungsprozesse in Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt weiter beschleunigen. Somit ist nicht nur die Erstausbildung, sondern auch die Fort- und Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens ein Top-Innovationsthema, bei dem sich Beschäftigte, Unternehmen und Politik engagieren müssen.

Ein leistungsfähiges Bildungssystem und eine offene Innovationskultur stärken nachhaltig den Wirtschaftsstandort Deutschland, der auch maßgeblich durch die Chemie-Branche geprägt wird:

Derzeit arbeiten etwa 446.000 Beschäftigte in rund 2.000 Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie – davon sind mehr als 90 Prozent mittelständisch geprägt. Gemeinsam erwirtschafteten sie im Jahr 2015 einen Umsatz von knapp 189 Mrd. Euro. Als einer der wichtigsten Impulsgeber und Innovationsmotoren in praktisch allen Wertschöpfungsketten trägt die Chemie-Branche wesentlich dazu bei, dass Deutschland eine führende Exportnation ist.

Folglich sind auch ihre FuE-Ausgaben hoch: Über 10 Milliarden Euro gaben Chemie- und Pharmaunternehmen in Deutschland für Forschung und Entwicklung aus. Damit kommen knapp 16 Prozent der Aufwendungen für FuE des Verarbeitenden Gewerbes aus der Chemie. Der Anteil Deutschlands an den globalen FuE-Aufwendungen der Branche betrug 2015 knapp 6 Prozent. Die Bundesrepublik ist mit einem Welthandelsanteil von 9,4 Prozent hinter den USA und China der drittgrößte Exporteur forschungsintensiver Chemiewaren weltweit.

Daher ist eine leistungsstarke und international wettbewerbsfähige Forschung in der Akademia für die Unternehmen der Branche ein wichtiger Standortfaktor: etwa 40 Prozent der Chemieunternehmen, die in den letzten drei Jahren neue Produkte auf dem Markt eingeführt haben, unterhalten Forschungskooperationen mit Hochschulen. Innovationen der Chemie sind für die Bewältigung der Herausforderungen in zentralen Aufgabenfeldern wie z. B. Gesundheit, Energie, Mobilität, Ernährung, Ressourceneffizienz, Wasser und Wohnen essentiell. Die Chemieorganisationen sprechen sich daher ausdrücklich für eine entschlossene Fortsetzung der Hightech-Strategie, des Hochschulpakts, des Pakts für Forschung und Innovation, der Allianz für Aus- und Weiterbildung sowie der Exzellenzinitiative aus. Diese Initiativen tragen zur Stärkung der Innovationskraft Deutschlands und seiner Wettbewerbsfähigkeit bei. Unverzichtbar für die Zukunftssicherung des „Innovationsmotors Chemie“ ist eine international wettbewerbsfähige leistungsstarke Grundlagen- und Anwendungsforschung an den Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen – mit einer angemessenen Grundausstattung und den erforderlichen Freiräumen. Die anwendungsbezogene Forschung an den Fachhochschulen, die auch in der Chemie zunehmende Bedeutung gewinnt, ist ebenfalls auf eine ausreichende Grundausstattung angewiesen.

Auf Basis von Innovation und wirtschaftlichem Erfolg schafft die chemisch-pharmazeutische Industrie sichere, qualifizierte und attraktive Arbeitsplätze in Deutschland. Sie trägt mit großem Engagement zur Fachkräftesicherung bei und bildet derzeit rund 28.000 junge Menschen selbst aus, zwei Drittel davon in MINT-Berufen. Mit einem durchschnittlichen Entgelt von mehr als 55.000 Euro im Jahr liegen die Gehälter der Chemie-Beschäftigten gut 25 Prozent über dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes.

Daher lauten die Kernforderungen der Chemieorganisationen:

  • Steigerung der Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung.
  • Sicherstellung innovationsfördernder Infrastruktur
  • Vermeidung hemmender Auswirkungen von Regulierungen auf Forschung und Innovation durch eine ausbalancierte Gesetzesfolgenabschätzung, die wissenschaftsbasiert sowohl Chancen als auch Risiken neuer Technologien in den Blick nimmt. Es reicht nicht aus, Gesetzgebung und Regulierung allein am Vorsorgeprinzip auszurichten. Gesetzgebung und Regulierung müssen, wenn sie nachhaltig sein wollen, komplementär auch dem Innovationsprinzip Rechnung tragen.
  • Förderung der Gründerkultur und Schaffung von attraktiven finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen für Start-up Unternehmen.

Was das im Einzelnen bedeutet, haben die Chemieorganisationen, darunter auch der VCI, in ihrem Positionspapier konkret ausgeführt.

Die Herausgeber

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Gerd-Ludwig Schlechtriemen

E-Mail: schlechtriemen@vci.de