VCI zum Kabinettsbeschluss Insolvenzrecht

Wegschauen allein reicht nicht

Den heutigen Beschluss des Bundeskabinetts, die Corona-Lockerungen im Insolvenzrecht bis zum Jahresende fortzuführen, sieht der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisch. Überschuldete Unternehmen haben damit weiterhin die Möglichkeit, keinen Insolvenzantrag stellen zu müssen.

Überschuldete Unternehmen haben weiterhin die Möglichkeit, keinen Insolvenzantrag stellen zu müssen. - Bild: © (c) Stauke - Fotolia.com
Überschuldete Unternehmen haben weiterhin die Möglichkeit, keinen Insolvenzantrag stellen zu müssen. - Bild: © (c) Stauke - Fotolia.com

„Bei der Verlängerung des Insolvenzrechts geht es um die Frage, wie lange tatsächlich geholfen wird und ab wann eine Strukturanpassung behindert wird“, sagt Henrik Follmann, Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer im VCI. „In einem Wettbewerbsumfeld mit einem dauerhaft außer Kraft getretenen Insolvenzrecht geht auch das Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern verloren“, so Follmann weiter. „Das so dringend benötigte tragfähige, marktgetriebene Wachstum würde dadurch behindert.“

Der VCI ist überzeugt, dass dieses gesetzlich angeordnete Wegschauen nicht die Probleme angeschlagener Unternehmen löst. Vielmehr sei es jetzt wichtig, einen Weg zu finden, wieder geordnet zur ursprünglichen Regel zurückzukehren und so auch die Sanierungschancen der in Not geratenen Unternehmen zu steigern. Das Gebot der Stunde sollte also lauten, betont der VCI, längst überfällige Strukturreformen anzugehen, Investitionen und Sanierungen zu fördern, statt in Kauf zu nehmen, dass der Gläubigerschutz auf der Strecke bleibt. Dieser soll vor allen Dingen negative Kettenreaktionen in der Wirtschaft vermeiden.


Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von über 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. 2019 setzte die Branche über 198 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 464.000 Mitarbeiter.

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