Brexit-Einigung

Gefahr noch nicht gebannt

Gefahr eines unkontrollierten Brexits noch nicht gebannt ++ Chemie- und Pharmabranche wäre besonders betroffen ++ Großbritannien siebtgrößter Handelspartner der Branche.

Die Chemie- und Pharmaindustrie wäre von einem unkontrollierten Brexit besonders betroffen. Die Branche braucht ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen ohne Zollschranken und mit gleichen Standards bei der Produkt- und Chemikaliensicherheit. - Foto: © Björn Braun 200%/stock.adobe.com
Die Chemie- und Pharmaindustrie wäre von einem unkontrollierten Brexit besonders betroffen. Die Branche braucht ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen ohne Zollschranken und mit gleichen Standards bei der Produkt- und Chemikaliensicherheit. - Foto: © Björn Braun 200%/stock.adobe.com

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann reagiert positiv auf die Einigung zwischen den Verhandlungsteams des Vereinigten Königreichs und der EU auf ein Austrittsabkommen, betont aber gleichzeitig: „Die Gefahr eines unkontrollierten Brexits ist noch nicht gebannt. Das zeigen besonders die Rücktritte aus dem Kabinett May von heute Morgen. Bis zur finalen Ratifizierung des Austrittsabkommens durch die Parlamente gibt es keine Entwarnung. Ohne Ratifizierung gibt es keine Übergangsphase.“ Tillmann betont außerdem, dass die für die Branche wichtige Verhandlungsarbeit dann erst richtig beginne:

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann © VCI / René Spalek
„Entscheidend ist für uns die konkrete Ausgestaltung des zukünftigen Verhältnisses. Wir brauchen ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen. Nur, wenn dabei Zollschranken vermieden werden und gleiche Standards bei der Produkt- und Chemikaliensicherheit erhalten bleiben, wird das aus unserer Sicht ein gutes Abkommen.“ Diese Aspekte sollten auch schon in die Leitlinien für das zukünftige Verhältnis aufgenommen werden, die die Europäische Kommission nächste Woche vorstellt.


Chemie- und Pharmabranche wäre besonders betroffen

Tillmann betont, dass die Chemie- und Pharmaindustrie von einem unkontrollierten Brexit besonders betroffen wäre. Die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte sei sehr stark europäisch geregelt. Als Beispiel nennt Tillmann die EU-Chemikalienverordnung REACH: „Durch einen unkontrollierten Brexit dürfen alle chemischen Stoffe, die im Vereinigten Königreich für den Vertrieb in der EU registriert wurden, unmittelbar nicht mehr ohne Weiteres in der EU verkauft werden. Das hätte gravierende Auswirkungen auf die Lieferketten.“

Großbritannien siebtgrößter Handelspartner der Branche

Das Vereinigte Königreich ist der siebtgrößte Handelspartner der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Deutsche Unternehmen exportierten 2017 Produkte im Wert von 11,2 Milliarden Euro nach Großbritannien und importierten für 6,5 Milliarden Euro. Die Branche habe häufig komplexe und grenzüberschreitende europäische Wertschöpfungsketten, betont Tillmann und erläutert: „Zollzahlungen und zeitaufwendige Zollprozeduren an der Grenze könnten zahlreiche Lieferketten zum Erliegen bringen.“


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