Rahmenbedingungen für Start-ups verbessern

Chemie- und Pharmaforschung setzt Höhenflug fort

Neuer Rekord: Forschungsausgaben auf rund 11,8 Milliarden Euro gestiegen ++ Hohe FuE-Intensität: Über 5 Prozent des Umsatzes in Forschung investiert ++ Starker Wettbewerbsdruck: Innovationsstandort Deutschland weiter stärken ++ Chemie-Start-ups: Gute Ideen, unzureichende Wachstumsfinanzierung.

Thomas Wessel (Mitte): „Die deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen stehen unter doppeltem Handlungsdruck: Sie müssen sich sowohl im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten, wie auch ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden." - Foto: © VCI/Fuest
Thomas Wessel (Mitte): „Die deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen stehen unter doppeltem Handlungsdruck: Sie müssen sich sowohl im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten, wie auch ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden." - Foto: © VCI/Fuest

Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie hat noch nie so viel geforscht wie im Jahr 2018: Rund 11,8 Milliarden Euro haben die Unternehmen für ihre Forschung und Entwicklung (FuE) aufgewandt. Damit hat Deutschlands drittgrößter Industriezweig erneut mehr als 5 Prozent seines Umsatzes in FuE investiert. Das geht aus den aktuellen Forschungskennzahlen hervor, die der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt vorgestellt hat. Für das laufende Jahr prognostiziert der VCI, dass die FuE-Budgets der Branche die Marke von 12 Milliarden Euro erreichen werden. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland der viertgrößte Chemie- und Pharmaforschungsstandort nach den USA, China und Japan.


INFOGRAFIK: Forschungsaufwendungen der Branche erreichen neuen Rekordwert

Externe und interne Aufwendungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie für Forschung und Entwicklung von 2010 bis 2019, in Milliarden Euro (2018 und 2019: Schätzung/Prognose)

Quellen: Stifterverband, VCI - Copyright: VCI/Stifterverband

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Zu den neuen Zahlen sagt Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung: „Mittelfristig wird es für unseren heimischen Forschungs- und Produktionsstandort immer schwieriger, seine gute Position zu verteidigen. Viele Industrie- und Schwellenländer unterstützen gezielt die Innovationskraft ihrer Firmen als Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Gerade China gibt hohe Summen für FuE aus. Die Volksrepublik hat es so geschafft, innerhalb von nur 17 Jahren nach den USA die Nummer 2 der internationalen FuE-Standorte in der Chemie zu werden.“

Wessel sieht daher die „deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen unter doppeltem Handlungsdruck“: Sie müssen sich sowohl im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten, wie auch ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden. Gleichzeitig müssen sie ihre Forschungsergebnisse schneller zur Marktreife bringen.

Chemie-Start-ups brauchen bessere Starthilfe

Mit Blick auf diese Entwicklung setzt sich Wessel dafür ein, „talentierte Gründer und Erfinder zu fördern, um so den deutschen Hightech-Standort zu stärken.“ Gerade Chemie-Start-ups könnten als agile, schnelle Akteure im Innovationsgeschehen neue Ideen schneller voranbringen und den Wettbewerb um die besten Lösungen für Kunden und Nutzer von Chemieprodukten beleben. „Schwachstellen wie eine aufwendige Bürokratie, zu wenig Wachstumskapital, und eine unzureichende Infrastruktur erschweren jedoch die Gründung junger innovativer Unternehmen“, erklärt Wessel. Er schlägt daher einen spürbaren Abbau von Bürokratie sowie eine Vereinfachung der Förderprogramme vor. Möglichkeiten sieht er beispielsweise durch eine beschleunigte Antragsprüfung und eine auf Start-ups zugeschnittene Bonitätsprüfung.

VIDEO: Vier Fragen und vier Antworten zu Chemie-Start-ups

Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, zu Bedeutung und Besonderheiten von Start-ups in der chemisch-pharmazeutischen Industrie (Sehdauer: knapp 2 Minuten). - Coypright: VCI

Für den deutschen Wagniskapitalmarkt spielen Investitionen in junge Chemieunternehmen nur eine untergeordnete Rolle. Von 2015 bis 2018 gingen lediglich durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr der gesamten Risikokapitalinvestitionen in Deutschland in Chemie-Start-ups. Wagniskapitalfonds sollten sich nach Auffassung von Wessel deshalb nicht nur an digitalen Themen ausrichten, sondern auch den Bedürfnissen von jungen innovativen Unternehmen gerecht werden, die Werkstoffe und Wirkstoffe entwickeln und bei langen Entwicklungszeiten einen hohen Kapitalbedarf haben. „Vielversprechende Ideen dürfen nicht an mangelndem Geld für die Wachstumsphase scheitern“, unterstreicht der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses.

Das
Das "Forum Startup Chemie" wird von sechs Organisationen getragen. - Bild: © Forum Startup Chemie
„Auch als Branche sind wir nicht untätig geblieben: Mit dem ‚Forum Startup Chemie' unterstützen wir mit Partnern aus der Start-up-Szene, der Wissenschaft und dem Wagniskapitalbereich innovative Unternehmen auf ihrem Weg zur Marktreife. Mittlerweile sind rund 280 Chemie-Start-ups, von den insgesamt etwa 300 Chemie-Start-ups in Deutschland, auf dieser Plattform zu finden."

[Thomas Wessel]

Für alle Chemie- und Pharmaunternehmen unabhängig vom Alter gilt, dass passende Rahmenbedingungen Innovationen insgesamt weiter vorantreiben müssen. Die geplante Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für alle Unternehmen zu Beginn nächsten Jahres bezeichnet Wessel daher als eine richtige Weichenstellung für notwendige zusätzliche Innovationsimpulse. „Sie werden langfristig zu mehr Arbeitsplätzen und mehr Wertschöpfung führen, wenn die Förderung praktikabel und sachgerecht ausgestaltet ist“, betont er weiter. Dazu gehöre, dass der Auftraggeber die steuerlichen Anreize erhält, da er das unternehmerische Risiko der Forschung trägt. Das sei besonders wichtig für kleine und mittlere Unternehmen, denn für sie habe die Auftragsforschung eine große Bedeutung. Gleichzeitig sei es notwendig, die steuerliche Forschungsförderung im Laufe der Zeit zu erhöhen. Denn die zurzeit vorgeschlagene Förderung von 500.000 Euro jährlich pro Unternehmen würde die Firmen nur begrenzt animieren, mehr Geld in FuE zu investieren.

Ergänzend empfiehlt Wessel eine ressortübergreifende Innovationspolitik, die mit der Hightech-Strategie 2025 gekoppelt ist. Notwendig seien ebenfalls ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme, um das Niveau deutscher Forschung zu halten. Auch einen Innovations-Check bei der Gesetzgebung in Deutschland und Europa hält Wessel für notwendig. Mit diesem könne überprüft werden, wie sich bestehende und künftige Vorschriften auf neue Produkte und Verfahren auswirken.

PODCAST: Gerd Romanowski im Interview

Gerd Romanowski - Foto:
Gerd Romanowski - Foto: © VCI/René Spalek
In rund 11 Minuten erläutert VCI-Geschäftsführer Dr. Gerd Romanowski, Leiter der Abteilung Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI, die Beiträge der Chemie- und Pharmaforschung zur Lösung der Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft und greift die wichtigsten Inhalte der Forschungspressekonfernz auf. Hören Sie rein!:


Hinweis:
Alle Materialien zur Pressekonferenz - die ausführliche Rede von Thomas Wessel, fünf Grafiken in diversen Formaten, ein Interview mit VCI-Geschäftsführer Gerd Romanowski im Podcast-Format sowie ein Fotoset - finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite („Ergänzende Downloads").


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Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. 2019 setzte die Branche 193 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 464.800 Mitarbeiter.

Kontakt: VCI-Pressestelle, Telefon: 069 2556-1496, E-Mail: presse@vci.de
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E-Mail: zedlitz@vci.de