Referendum in Großbritannien / Folgen für die chemisch-pharmazeutische Industrie

Brexit schlecht für Chemie beidseits des Ärmelkanals

Austritt fatales Signal für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa ++ Rückgang der Chemie-Exporte und Direktinvestitionen als Folge ++ Chemie-Handelsvolumen mit Großbritannien heute bei 18,5 Mrd. Euro ++ Engagement britischer Investoren in der deutschen Chemie bei gut 2 Mrd. Euro.

VCI-Präsident Marijn Dekkers zu den Folgen eines Brexit:„Wir hoffen, dass die Bürger in Großbritannien mit deutlicher Mehrheit für einen Verbleib in der EU stimmen. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, wäre ein Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung“. - Foto: © jamdesign - Fotolia.com
VCI-Präsident Marijn Dekkers zu den Folgen eines Brexit:„Wir hoffen, dass die Bürger in Großbritannien mit deutlicher Mehrheit für einen Verbleib in der EU stimmen. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, wäre ein Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung“. - Foto: © jamdesign - Fotolia.com

Stimmt die Mehrheit der britischen Bürger beim Referendum am 23. Juni für einen Austritt ihres Landes aus der EU, hätte dies auch spürbar negative Auswirkungen auf Deutschlands drittgrößte Branche. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Der VCI erwartet bei einem Brexit mittelfristig eine Abschwächung der Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie nach Großbritannien und einen Rückgang der Direktinvestitionen beiderseits des Ärmelkanals. „Wir hoffen, dass die Bürger in Großbritannien mit deutlicher Mehrheit für einen Verbleib in der EU stimmen. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, wäre ein Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung“, erklärte der Präsident des VCI, Marijn Dekkers.

Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland. Im letzten Jahr verkaufte die Branche Produkte im Wert von 12,9 Milliarden Euro dorthin (7,3 % aller Exporte). Den größten Anteil machten Spezialchemikalien und Pharmazeutika aus. Gleichzeitig importierten deutsche Chemieunternehmen Erzeugnisse für 5,6 Milliarden Euro von der Insel (siehe Grafik). Dazu gehörten vor allem pharmazeutische Vorprodukte und Petrochemikalien.

Aber auch als Produktions- und Vertriebsstandort spielt Großbritannien für die Branche eine gewichtige Rolle: Derzeit sind 63 Tochtergesellschaften deutscher Chemieunternehmen in Großbritannien aktiv. Sie beschäftigen insgesamt rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von 4,1 Mrd. Euro. Der Bestand an Direktinvestitionen auf der Insel beläuft sich auf rund 1,6 Milliarden Euro. Britische Investoren sind mit gut 2 Milliarden Euro in der deutschen Chemie engagiert (siehe Grafik).

Die stärksten negativen wirtschaftlichen Effekte eines Brexit hätten zwar aus Sicht des VCI die Briten selbst zu tragen. Aber der Ausstieg zöge auch in den übrigen EU-Staaten Einbußen beim Bruttoinlandsprodukt und einen Rückgang der Exporte nach sich – insbesondere bei deutschen Unternehmen. Auch grenzüberschreitende Investitionen, so der VCI, würden beeinträchtigt. Die wahrscheinliche Abwertung des britischen Pfund und die mit den Austrittsverhandlungen verbundene Unsicherheit würden deutsche Investoren dazu bewegen, ihr Engagement in Großbritannien zu überdenken und gegebenenfalls Kapital abzuziehen. Die durch einen Austritt ausgelösten Verwerfungen auf den Finanzmärkten ließen sich nur schwer quantifizieren.

Hinweis:
Die beiden nachfolgenden Grafiken stehen in hoher Auflösung und diversen Dateiformaten in unserer Mediathek für Sie bereit (siehe auch Kasten links oben).

Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands für Chemieprodukte

Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland. Exakt 7,3 % der Ausfuhren von Chemieprodukten gehen dorthin.
Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland. Exakt 7,3 % der Ausfuhren von Chemieprodukten gehen dorthin.

(Klick auf die Grafik vergrößert sie.)

Direktinvestitionen der chemisch-pharmazeutischen Industrie im Ausland und des Auslands in der deutschen Branche

Britische Investoren sind mit über 2 Mrd. Euro in der deutschen Chemie engagiert. Deutsche Unternehmen halten Direktinvestitionen in Höhe von 1,6 Mrd. Euro auf der Insel. Bei einem Brexit ist mit einer Reduktion des Bestandes auf beiden Seiten des Ärmelkanals in der Chemie zu rechnen.
Britische Investoren sind mit über 2 Mrd. Euro in der deutschen Chemie engagiert. Deutsche Unternehmen halten Direktinvestitionen in Höhe von 1,6 Mrd. Euro auf der Insel. Bei einem Brexit ist mit einer Reduktion des Bestandes auf beiden Seiten des Ärmelkanals in der Chemie zu rechnen.

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Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von mehr als 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2015 rund 189 Milliarden Euro um und beschäftigte über 446.000 Mitarbeiter.

Kontakt: VCI-Pressestelle, Telefon: 069 2556-1496, E-Mail: presse@vci.de
Hinweis: Nachrichten des VCI auch auf Twitter: http://twitter.com/chemieverband

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Stud. Ass. Manfred Ritz

E-Mail: ritz@vci.de