1. Halbjahr 2014: Produktion plus drei Prozent, Umsatz plus zwei Prozent

Geschäfte der Chemie laufen gut

Die Chemische Industrie verspürt Aufwind. In der ersten Hälfte des Jahres 2014 zog vor allem das Inlandsgeschäft mit Industriekunden kräftig an. Die Beschäftigung ist weiter gestiegen. Der VCI prognostiziert für das Gesamtjahr unverändert ein Plus von zwei Prozent für die Produktion und ein Plus von 1,5 Prozent für den Umsatz. Vom Freihandelsabkommen mit den USA erhofft sich die Chemie einen Schub für Arbeitsplätze, Entgelte und Unternehmensgewinne.

v.r.: VCI-Präsident Kley und Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann zur Chemiekonjunktur im 1. Halbjahr 2014 © VCI/Mendel
v.r.: VCI-Präsident Kley und Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann zur Chemiekonjunktur im 1. Halbjahr 2014 © VCI/Mendel

Die Chemische Industrie verspürt Aufwind. In der ersten Hälfte des Jahres 2014 zog vor allem das Inlandsgeschäft mit Industriekunden kräftig an. Aber auch die europäischen Nachbarstaaten orderten wieder mehr chemische Erzeugnisse. Vor allem für Spezialchemikalien und Pharmazeutika bestand eine gesteigerte Nachfrage aus dem Ausland. Dadurch waren die Produktionsanlagen mit 85 Prozent gut ausgelastet, berichtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Insgesamt stieg die Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent.

„Die Stimmung in der Branche ist gut. Die Auftragsbücher füllen sich durch die wachsende Nachfrage im Inland. In unserem Heimatmarkt EU laufen die Geschäfte ebenfalls besser. Unsere Unternehmen sind zuversichtlich, dass diese Entwicklung auch in der zweiten Jahreshälfte anhält“, bewertete VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley die wirtschaftliche Lage in Deutschlands drittgrößtem Industriezweig. Die Nachfrage aus den USA und Osteuropa geben Rückenwind für die Erholung der Chemiekonjunktur. Dagegen kommen aus Asien und Südamerika, so Kley, kaum Wachstumsimpulse für die Branche.

Prognose: Für das Gesamtjahr 2014 geht der VCI unverändert von einem Zuwachs der Chemie-Produktion um 2 Prozent aus. Bei nur noch leicht sinkenden Preisen (-0,5 %) erwartet er ein Umsatzplus von 1,5 Prozent auf rund 193 Milliarden Euro.

Zahlen zur Halbjahresbilanz 2014 der deutschen Chemie

Beschäftigung: Die Chemieunternehmen haben im Jahresverlauf weiter Beschäftigung aufgebaut. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent auf aktuell 440.000 Mitarbeiter.

Umsatz: Wegen der deutlich höheren Produktionsmenge konnte die Chemische Industrie ihr Ergebnis trotz gesunkener Preise (-2 %) ausweiten: Mit 98 Milliarden Euro lag der Branchenumsatz in den ersten sechs Monaten 2 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Im Inland stieg der Umsatz dynamisch. Er lag im ersten Halbjahr 2014 mit 40 Milliarden Euro 3,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Durch die gute Industriekonjunktur stiegen auch die Chemie-Importe in Deutschland um 4 Prozent. Dagegen erhöhte sich der Auslandsumsatz nur leicht. Die Verkäufe ins Ausland legten um 1 Prozent auf insgesamt 58 Milliarden Euro zu.

TTIP: Chance für die Chemie

„Ein Freihandelsabkommen mit den USA wäre kein Allheilmittel für die Wachstumsschwäche in Europa. Dazu muss die EU vielmehr ihre Hausaufgaben, etwa bei der Energie- und Klimapolitik, machen“, betonte VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley. Dennoch könnten davon spürbare Impulse für die Konjunktur ausgehen – in der Chemie und darüber hinaus. Diese kämen dann auch bei den Menschen an. Impulse erwarte die Chemieindustrie von drei Effekten: Zollabbau, Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse und gesamtwirtschaftliche Belebung. „Daher brauchen wir ein ehrgeiziges Abkommen. Bei den Schutzstandards kann und wird es aber keine Kompromisse nach unten geben.“

Eine langfristig angelegte Zusammenarbeit auf regulatorischer Ebene wäre der entscheidende Vorteil und eine Basis für dauerhafte Impulse für die Chemieindustrie. „Hier könnte TTIP völlig neue Perspektiven schaffen. Wir wünschen uns die Etablierung eines dauerhaften Prozesses, um die Möglichkeiten auszuloten, mittel- und langfristig Rechtsvorschriften anzunähern“, so der VCI-Präsident.

Nach Berechnungen des VCI würde die Chemische Industrie in Deutschland eindeutig vom TTIP-Abkommen profitieren. Mögliche Effekte auf die Branche: 2000 neue Arbeitsplätze, ein Produktionsplus von 2 Milliarden Euro und eine zusätzliche Wertschöpfung von 600 Millionen Euro. „Von der höheren Wertschöpfung entfallen erfahrungsgemäß 70 Prozent auf neue Arbeitsplätze und Entgelte sowie 30 Prozent auf höhere Gewinne der Unternehmen. Damit käme der größte Teil bei den Mitarbeitern an“, sagte Kley.

Die Zölle im Handel mit den USA sind bereits gering. Im Chemiebereich liegen die Zollhöchstsätze - je nach Produktgruppe - bei Null, 5,5 oder 6,5 Prozent. Kley: „Wegen des enormen Handelsvolumens führen aber auch geringe Zölle zu hohen Kosten.“ Allein auf Exporte der deutschen Chemieunternehmen wurden 2010 rund 140 Millionen Euro an die US-Staatskasse gezahlt. „Das sind völlig unnötige Kosten, die wir deutlich sinnvoller investieren könnten.“

„Die große Perspektive liegt aber in den sogenannten nichttarifären Handelshemmnissen“, betonte Kley. Das mögliche Einsparpotenzial falle hier laut Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes Ecorys bis zu zehn Mal höher aus als bei den Zöllen. Dabei geht es um die Harmonisierung von Regeln, die gegenseitige Anerkennung von Standards und die Möglichkeiten, Doppelarbeiten zu vermeiden. Möglich wäre eine Harmonisierung zum Beispiel bei der Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen: Hier gibt es mit dem Globally Harmonized System (GHS) der Vereinten Nationen bereits eine weltweite Regelung. Aber die Umsetzung dieses Rahmenabkommens ist in den Ländern sehr unterschiedlich. Stoffe sollten mit den gleichen Warnhinweisen und -symbolen beschriftet werden. Dann müsste nicht mehr umverpackt oder umetikettiert werden. „Das würde zu mehr Sicherheit und gleichzeitig weniger Kosten führen“, so Kley.

Ein weiterer Vorteil von TTIP läge in einer gesamtwirtschaftlichen Belebung. Als “Industrie der Industrie” profitiert die Chemie davon besonders.

Die deutsche Chemie würde als Branche auch laut Analyse von Ecorys zu den Gewinnern eines ehrgeizigen Freihandelsabkommens zählen – trotz Schiefergasbooms in den USA. „Bei energieintensiver Produktion haben amerikanische Firmen unbestritten einen Kostenvorteil. Die US-Unternehmen liefern Basischemikalien aber vor allem in die Schwellenländer“, erläuterte Kley. Die deutsche Chemie exportiert vor allem Spezialitäten und Pharmazeutika in den stark wachsenden US-Markt. Wenn es gelingt, Zölle sowie Bürokratie- und Regulierungskosten zu senken, können die Unternehmen Verbund- und Skaleneffekte besser nutzen. „TTIP würde die Wettbewerbsfähigkeit unserer Spezialchemie stärken – auch gegenüber Drittländern“, erläuterte Kley.

Die deutsche Chemie ist bereits intensiv mit der US-Wirtschaft verflochten. Gleichauf mit den Niederlanden sind die USA der wichtigste Auslandsmarkt. Die deutsche Chemie exportierte 2013 Waren im Wert von rund 15 Milliarden Euro. Der Überschuss betrug über 4 Milliarden Euro. Die USA sind auch der wichtigste Produktionsstandort im Ausland. Die Produktion deutscher Tochterfirmen (26 % der Produktion im Ausland) ist fast dreimal so hoch wie in China (9 %), dem zweitwichtigsten Auslandsstandort. Rund 70.000 Menschen beschäftigen die deutschen Chemieunternehmen in amerikanischen Werken. Auf die USA entfallen so rund 40 Prozent aller Sachanlageinvestitionen der deutschen Chemie im Ausland – Tendenz stark steigend. „Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt von einer belebenden Wirkung von TTIP für die Chemiekonjunktur“, sagte Kley.

Alle Materialien zur Pressekonferenz (Kennzahlen-Übersicht, Grafiken in diversen Formaten, Rede von VCI-Präsident Kley, Fotos in druckfähiger Auflösung) finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von mehr als 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2013 über 190 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 438.000 Mitarbeiter.

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Stud. Ass. Manfred Ritz

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