VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann:

„Wir bauen mit Chemie³ auf Responsible Care auf“

Seit Anfang der 1990er-Jahre leistet das Responsible- Care-Programm einen wichtigen Beitrag zu mehr Umweltschutz, Arbeits- und Transportsicherheit in der chemischen Industrie in Deutschland. Heute werden in der Nachhaltigkeitsdebatte Umwelt, Wirtschaft und soziale Aspekte zusammenhängend betrachtet. Für diesen erweiterten gesellschaftlichen Anspruch hat die Branche die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ ins Leben gerufen. Wie beide Initiativen zusammenhängen, erläutert VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann im Interview.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Responsible Care ist Teil der zwölf Leitlinien zur Nachhaltigkeit.“ - Foto: © VCI / René Spalek
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Responsible Care ist Teil der zwölf Leitlinien zur Nachhaltigkeit.“ - Foto: © VCI / René Spalek

chemie report: Eine Frage für die jüngere Generation vorab: Wie ist es eigentlich zu Responsible Care gekommen?

Utz Tillmann: Die Initiative stammt ursprünglich aus Nordamerika. Ihr Ziel war es dort, durch freiwillige Maßnahmen der Branche dazu beizutragen, Umweltbelastungen zu reduzieren, die Anlagensicherheit zu erhöhen und den Arbeitsschutz zu verbessern.

Und warum kam die Initiative nach Deutschland?

Auch wir hatten Anfang der 90er-Jahre noch Nachholbedarf beim Umweltschutz. Da es in Deutschland bereits eine umfassende Umweltgesetzgebung gab, entschied sich unsere Industrie dafür, die weitere Entwicklung durch freiwillige Maßnahmen zu begleiten. Mit dem Start des Responsible-Care-Programms 1991 gab die Branche ein gemeinsames Signal an die Gesellschaft, dass sie für Umweltschutz und Sicherheit noch mehr tun will. Mit RC bekannten sich die Unternehmen dazu, Fortschritte eigenverantwortlich, systematisch und unabhängig von gesetzlichen Vorgaben zu erzielen.

Wie beurteilen Sie, was seitdem mit RC erreicht wurde?

Durch Responsible Care ließen sich individuelle, für die Chemie passende Maßnahmen oftmals effizienter, kostengünstiger und wirksamer realisieren als durch Verordnungen und Paragrafen. Die Ergebnisse zeigen: RC ist eine echte Erfolgsstory. Die Initiative hat ganz wesentlich dazu beigetragen, die Akzeptanz der Chemie in Deutschland zu erhöhen. Ihr positiver Effekt wird von Behörden und auch Umweltverbänden oder anderen NGOs durchaus anerkannt.

Werden der Erfolgsstory neue Kapitel hinzugefügt?

Die Story wird vielschichtiger. Schließlich hat sich seit den Anfängen von RC viel verändert: Die Perspektive einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung geht deutlich über Umweltschutz und Produktsicherheit hinaus. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens oder Fragen der sozialen Gerechtigkeit gehören ebenso dazu. Investoren, Kunden, Politik und andere Stakeholder erwarten heute von einem Unternehmen, dass es seinen gesamtgesellschaftlichen Nutzen darlegt – vor allem über seine Produkte, was sie leisten und wie sie hergestellt werden. Ressourcen¬schonung und Klimaschutz oder Energieeffizienz spielen etwa eine Rolle. Mit unserer Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 wollen wir diesen Wechselwirkungen gerecht werden. Und wir möchten damit auch in Politik und Gesellschaft ein Bewusstsein für die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – Ökonomie, Soziales und Ökologie – schaffen.

Welche Rolle spielt Responsible Care in Chemie3?

Mit Responsible Care decken unsere Unternehmen die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit ab. RC ist deshalb Teil unserer zwölf Branchen-Leitlinien zur Nachhaltigkeit. Die Initiative wird in den Leitlinien 1 und 8 ausdrücklich genannt. Somit bauen wir in Chemie3 auf Responsible Care auf.

Das RC-Programm läuft also weiter?

Ja, als Baustein im Nachhaltigkeitskonzept der Branche. RC bleibt ein eigenständiges Programm und ist als eigene Marke weiterhin wahrnehmbar. Um den Zusammenhang deutlich zu machen, trägt das RC-Logo in Deutschland jetzt den Zusatz „Responsible Care – Ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3“. Ihr RC-Engagement sollten die Unternehmen national und international deshalb auf jeden Fall weiterführen.

Was kann ein Unternehmen zusätzlich zu seinem RC-Engagement tun, um nachhaltiger zu werden?

Am einfachsten ist es, den Chemie3-Nachhaltigkeits-Check durchzuführen. Damit kann ein Unternehmen sich orientieren, wie es entlang aller drei Dimensionen der Nachhaltigkeit aufgestellt ist. Für diesen Check haben wir 31 Handlungsfelder entlang der Leitlinien herausgearbeitet. RC passt besonders gut in den Nachhaltigkeits-Check hinein. Ich ermuntere vor allem unsere mittelständischen Mitgliedsunternehmen, den Check zu machen, um zu sehen, wie fit sie für die Zukunft sind. Sich nachhaltig auszurichten, ist ja nicht nur eine Herausforderung für die Geschäftsstrategie, sondern auch eine Chance, international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Monika von Zedlitz

E-Mail: zedlitz@vci.de