Gerd Romanowski zu 25 Jahre Responsible Care in der deutschen Chemie:

„Wir können eine erfolgreiche Bilanz vorweisen“

Im März 1991 beschloss das VCI-Präsidium, die Leitlinien „Chemie und Umwelt“ in ein Responsible- Care-Programm in Deutschland zu überführen. Ein Gespräch mit Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, über Erfolge und Herausforderungen der Initiative.

"Responsible Care bedeutet Verantwortung aus Überzeugung und Haltung. Responsible Care ist Chefsache, betrifft aber auch jeden Mitarbeiter in einem Chemieunternehmen.“ - Foto: © VCI / René Spalek
"Responsible Care bedeutet Verantwortung aus Überzeugung und Haltung. Responsible Care ist Chefsache, betrifft aber auch jeden Mitarbeiter in einem Chemieunternehmen.“ - Foto: © VCI / René Spalek

Im März 1991 beschloss das VCI-Präsidium, die Leitlinien „Chemie und Umwelt“ in ein Responsible-Care-Programm in Deutschland zu überführen. Ein Gespräch mit Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, über Erfolge und Herausforderungen der Initiative.

chemie report: 25 Jahre Responsible Care – hat die deutsche Chemieindustrie ihre Hausaufgaben gemacht?

Gerd Romanowski: In den vergangenen Jahrzehnten haben wir vieles erreicht. Mit den VCI-Leitlinien „Chemie und Umwelt“ hatte die deutsche chemische Industrie 1986 den Grundstein für weitreichende Selbstverpflichtungen gelegt. Auf dieser Basis haben wir die internationale Responsible-Care-Initiative in Deutschland adaptiert. Und heute lässt sich eine erfolgreiche Bilanz ziehen: Die Emissionen in Boden, Wasser und Luft, also die klassischen Umweltthemen der Branche, sind erheblich reduziert worden. Aber auch bei den Themen Transport- und Anlagensicherheit oder Arbeitsschutz können wir große Fortschritte vorweisen. Responsible Care (RC) ist als Idee gestartet und als Erfolg gelandet.

Was hat sich seit Einführung von Responsible Care getan?

Die Chemie ist weiter als manche andere Industrie. Unser Ansehen in der Öffentlichkeit hat sich stark verbessert, wie auch unsere Umfragen regelmäßig zeigen. Der Fokus der Umweltdiskussion hat sich verschoben. Themen, die früher leidenschaftlich diskutiert wurden, wie die Verschmutzung von Flüssen und Böden oder Schadstoffe in der Luft, spielen heute in Deutschland praktisch keine Rolle mehr, weil wir das im Griff haben. Umso wichtiger sind andere Themen geworden, wie zum Beispiel der Klimawandel. Aber auch bei der Belastung von Gewässern durch Mikroplastik oder hormonell wirkende Substanzen in Verbraucherprodukten und in Lebensmitteln sind wir als Industrie immer wieder gefragt, verantwortungsvolle Lösungen zu finden.

Steht die chemische Industrie beim Schutz von Mensch und Umwelt besonders in der Pflicht?

Eindeutig ja! Die Chemie in Deutschland hat dabei auch einen sehr hohen Standard erreicht. Aus eigenem Antrieb heraus, aber ganz klar auch, weil wir sehr früh unter kritischer Beobachtung standen. Die Umweltbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre hat dazu geführt, dass wir als eine der ersten Branchen einen Bewusstseinswandel vollziehen mussten und vollzogen haben.

Stichwort Transparenz. Wie wichtig ist der Dialog für die Initiative?

Transparenz, Glaubwürdigkeit und Dialog hatten bei Responsible Care schon immer einen hohen Stellenwert. Seit 1996 veröffentlicht die Branche jährliche RC-Berichte. Der VCI gehört international zu den Pionieren in der Berichterstattung. Auch bei den bundesweiten Tagen der offenen Tür wird der Dialog großgeschrieben. Und im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 suchen wir das offene Gespräch mit den Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, um Impulse und kritische Anregungen für die Weiterentwicklung der Initiative zu erhalten.

Welche Rolle spielt der Responsible-Care-Wettbewerb für die Umsetzung des RC-Gedankens?

Responsible Care steht ja für eine ständige Verbesserung von Gesundheit, Umwelt und Sicherheit der Mitarbeiter und Nachbarn. Mit unseren Wettbewerben wollen wir zeigen, was verantwortliches Handeln in der Praxis bedeutet. Gute Ideen und Projekte brauchen eine Plattform wie den Responsible-Care-Wettbewerb, um bekannt zu werden und um als Vorbild im Sinne eines „Best of Responsible Care“ zu wirken. Um dem Jubiläumsjahr besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wird der Wettbewerb in diesem Jahr unter dem Motto „25 Jahre Responsible Care – Unser bestes Projekt“ ausgeschrieben. Eingereicht werden können Projekte aus allen Handlungsfeldern von Responsible Care, welche als die besten bezüglich Verantwortung und Nachvollziehbarkeit aus der Firmenpraxis angesehen werden. Letztendlich erhöht der Wettbewerb die Wahrnehmung von Responsible Care in den teilnehmenden Unternehmen und in der Öffentlichkeit. Er ist die beste Gelegenheit, die Aktivitäten und Initiativen der Unternehmen hervorzuheben.

Responsible Care wirkt und ist weltweit etabliert. Warum das Thema Nachhaltigkeit mit Chemie3 dann neu aufgreifen?

In erster Linie ist Responsible Care eine Leistungsinitiative, mit der kontinuierlich verschiedene Verbesserungen in den Unternehmen angestrebt werden. Die Initiative deckt im Wesentlichen den Bereich Umwelt, Sicherheit und Gesundheit ab. Unternehmen, die das umsetzen, sind gut aufgestellt. Responsible Care wird als ein Teil von Chemie3 weiterentwickelt. Diese neue Initiative fasst Nachhaltigkeit aber weiter, bezieht die soziale und auch die wirtschaftliche Seite mit ein.

Hat Responsible Care die Erwartungen der Stakeholder erfüllt?

Sicher wurden nicht alle Erwartungen aller Anspruchsgruppen erfüllt. Aber die wesentlichen Elemente von Responsible Care sind unstrittig: Responsible Care bedeutet Verantwortung aus Überzeugung und Haltung. Responsible Care ist Chefsache, betrifft aber auch jeden Mitarbeiter in einem Chemieunternehmen. Mit Responsible Care verbessern die Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit. Die Initiative macht aber auch Bedarf für weitere Verbesserungen sichtbar.

Die Fragen stellte Monika von Zedlitz

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Gerd Romanowski

E-Mail: romanowski@vci.de